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Kühne Befreiungsaktion ohne einen einzigen Schuss

Als Ingrid Betancourt mit gefesselten Händen und Füssen zu einem Hubschraubern geführt wird, weiss sie nicht, dass sie in wenigen Minuten frei sein wird. Die Maschine ist weiss lackiert und trägt keinerlei Erkennungszeichen.
Endlich frei, Ende der Geiselhaft

In der Luft ist ein weiterer Hubschrauber. Gehören sie zu einer Hilfsorganisation? Dann sieht Ingrid Betancourt vier Besatzungsmitglieder und neun weitere Männer. Sie tragen T-Shirts mit der Ikone von Che Guevara. Also sind es doch Rebellen? Erst im Hubschrauber bemerkt Betancourt, dass der Guerillero César, der sie all die Jahre immer so grausam behandelt hat, nackt am Boden liegt, mit verbundenen Augen. «Wir sind von den nationalen Streitkräften», sagt einer der Männer. «Sie sind frei.» Was war passiert? Geheimdienstagenten der Streitkräfte hatten die Reihen der Guerilla infiltriert, wie Verteidigungsminister Juan Manuel Santos nach der kühnen Befreiungsaktion ohne einen einzigen Schuss mitteilt. Sie brachten den für die Geiseln verantwortlichen FARC-Kommandeur César dazu, Betancourt und 14 weitere Gefangene zu dem Landeplatz der Hubschrauber zu führen – vermeintlich zu dem Zweck, die Geiseln zum FARC-Befehlshaber Alfonso Cano zu bringen, um über einen möglichen Gefangenenaustausch zu beraten. In drei kleineren Gruppen werden die Geiseln zu dem vereinbarten Ort gebracht. Dort warten schon die beiden getarnten Hubschrauber vom Typ MI-17. Auf die Mitteilung von der Befreiung folgt der wohl kritischste Augenblick der Aktion. «Der Hubschrauber fiel fast vom Himmel, weil wir herumsprangen, schrien, weinten und uns umarmten», berichtet Betancourt, als alles vorbei ist. «Wir konnten es nicht glauben.» Zwtl: «Gott, was für ein Wunder!» Die 46 Jahre alte Politikerin, die vor sechs langen Jahren, im Februar 2002, während einer Wahlkampfreise verschleppt wurde, wirkt dünn und zerbrechlich, aber überraschend wohlauf, als sie in Bogotá eintrifft und ihre Mutter in einer langen Umarmung festhält. «Gott, was für ein Wunder. So eine perfekte Operation, das ist beispiellos.»

Bei den anderen befreiten Geiseln handelt es sich um drei US-Bürger, Angestellte des Rüstungskonzerns Northrop Grumman, und elf kolumbianische Polizisten oder Soldaten. Die US-Bürger – Marc Gonsalves, Thomas Howes und Keith Stansell – werden sofort nach Texas geflogen, wo sie mit ihren Familien zusammentreffen und sich medizinisch untersuchen lassen.

Die Befreiungsaktion ist der schwerst Schlag, den die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) in ihrem seit 44 Jahren andauernden Kampf gegen die Regierung hinzunehmen haben. Betancourt und die drei US-Bürger waren für die Guerilleros das wertvollste Pfand, um noch Forderungen stellen zu können. Ansonsten ist die FARC seit Monaten in der Defensive, hat ihre wichtigsten Kommandeure verloren und einen grossen Teil des Territoriums aufgeben müssen, das sie ehedem unter Kontrolle hatte. Im März starb der langjährige Guerillaführer Manuel Marulanda. Zwei weitere Kommandeure wurden von Soldaten erschossen. Die Zahl der FARC-Kämpfer wird auf etwa 9.000 geschätzt – halb so viel wie noch vor einigen Jahren.

Zwtl: «Genauso abgelaufen, wie wir es wollten»

Die Befreiungsaktion, sagt Verteidigungsminister Santos, werde «wegen ihrer Kühnheit und ihres klaren Erfolgs in die Geschichte eingehen». General Freddy Padilla fügt hinzu: «Es ist heute genauso abgelaufen, wie wir es wollten. Ohne einen einzigen Schuss. Ohne dass jemand verletzt wird. Absolut sicher und geordnet, ohne einen einzigen Kratzer.»

An der Aktion seien nur Kolumbianer beteiligt gewesen, heisst es in Bogotá. Aber US-Botschafter William Brownfield spricht von einer «engen Kooperation» mit den US-Stellen, darunter ein Austausch von Geheimdienstinformationen und von Erfahrungen bei früheren Operationen. «Ich will nicht in die Details gehen», fügt Brownfield hinzu.

César und ein weiterer Guerillero wurden nach Angaben von Santos dazu gebracht, ihre Pistolen auszuhändigen. Danach wurden sie überwältigt. Beide sollen vor Gericht gestellt werden. 58 weitere Guerilleros konnten ungehindert in den Dschungel fliehen. Für den Fall, dass etwas schief gehen würde, hielten die Streitkräfte noch 39 weitere Hubschrauber bereit. Diese hätten die Guerilleros einkreisen und zur Kapitulation zwingen sollen, erklärt Santos.

Immer wieder dankt Betancourt Präsident Alvaro Uribe, macht aber auch gleich deutlich, dass sie immer noch Präsidentin werden will. Dann bricht sie in Tränen aus, als sie die FARC aufruft, jetzt auch die verbliebenen Geiseln freizulassen. Etwa 700 Menschen werden von den Guerilleros noch festgehalten.

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