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Keine Zukunft für „Haus der Zukunft"

Endgültig vom Tisch ist die 2008 beschlossene Lösung, dieses Haus abzureißen und an dessen Stelle das "Haus der Zukunft" zu errichten.
Endgültig vom Tisch ist die 2008 beschlossene Lösung, dieses Haus abzureißen und an dessen Stelle das "Haus der Zukunft" zu errichten. ©Peter Strauss
Hörbranz, Wien - Höchstgericht hob Baubescheid der Gemeinde Hörbranz für das Projekt auf.

Hörbranz . (VN-stp) Für März 2009 war ursprünglich der Baubeginn für das „Haus der Zukunft” vorgesehen, jetzt hat der Verwaltungsgerichtshof den damaligen Baubescheid aufgehoben und festgestellt, dass das Projekt so nicht realisiert werden kann. Nach rund fünf Jahren Planung, Diskussion und Rechtsstreit wurde damit ein Schlussstrich gezogen.

Bürgermeister Hehle: “Bedauerlich”

In einem Statement zeigte sich Bürgermeister Karl Hehle enttäuscht: „Ich bedaure den Entscheid des Verwaltungsgerichtshofes. Wir benötigen dringend neue Räumlichkeiten für die Kleinkindbetreuung und unseren Musikverein. Der dafür vorgesehene Standort mitten im Schulzentrum wurde von Fachleuten als gut geeignet ausgewählt. Wir müssen jedoch zur Kenntnis nehmen, dass den Einwänden der Nachbarn und ihren Befürchtungen, dass die Lärmentwicklung unzumutbar und gesundheitsgefährdend sein könnte, Recht gegeben wurde.”

Schwer nachvollziehbar sind für Hehle die Argumente der Projektgegner: „Den Einspruch begründeten sie dadurch, dass durch die Proberäume und den Kinderspielplatz unzumutbare und gesundheitsgefährdende Lärmbelästigungen entstünden.”

Bedarf besteht weiterhin

Dessen ungeachtet bleibt der Bedarf an Räumlichkeiten für den Musikverein und die Kleinkinderbetreuung. Dieses Problem sollte mit dem jetzt „gestorbenen” Vorhaben gelöst werden. In dem neuen Gebäude, das mit Passiv-hausstandard geplant war, sollten laut Planung im Obergeschoß auf 280 Quadratmetern der Musikverein, im Erdgeschoß auf 240 Quadratmetern die Kinderbetreuung „i-Tüpfle” und die Spielgruppe „Regenbogen” sowie im Untergeschoß das Archiv und die Haustechnik auf 270 Quadratmetern untergebracht werden. Auch ein Garten mit Spielplatz war vorgesehen.

Wie geht es weiter?

Für Bürgermeister Hehle hat der Spruch des VwGH weiterreichende Folgen: „Wir wissen nun, dass an diesem Standort ein öffentliches Gebäude in der vorgesehenen Form nicht realisierbar ist. Es ist nun grundsätzlich zu überlegen, was im Kerngebiet/Schulzentrum überhaupt realisierbar ist.”

Es werde zu prüfen sein, inwieweit bestehende Gebäude adaptiert werden können, um dem Musikverein und der Kleinkinderbetreuung Raum zu schaffen. Diese Diskussion habe die Gemeindevertretung zu führen, die auch eine Entscheidung hinsichtlich einer anderen Nutzung des Areals samt Gebäude Lindauer Straße 61 zu treffen habe. Im Raum steht als eine Variante auch der Verkauf der Liegenschaft, womit möglicherweise eine alte Diskussion – Stichwort: Türkischer Verein, der schon bei der ehemaligen Sennerei oder bei der „Krone” Interesse bekundet hatte – neu aufflammen könnte. Themen, die auf der ersten Sitzung nach der Sommerpause im September für Zündstoff sorgen dürften. Zu den unliebsamen Vorfällen nach dem Spruch des VwGH findet Bgm. Hehle klare Worte. „Die Nachbarn haben Recht bekommen, dies ist zu akzeptieren. Ich bitte die Hörbranzerinnen und Hörbranzer, das Urteil des obersten Verwaltungsgerichtshofes zu akzeptieren und von persönlichen Anfeindungen gegen die Nachbarsfamilie Abstand zu nehmen.”

Chronologie

Juli 2008: Einstimmiger Beschluss der Gemeindevertretung das „Haus der Zukunft” zu bauen. Kostenschätzung 1,575 Millionen Euro.

September 2008: Beschluss der Gemeindevertretung, das alte Haus abzureißen.

November 2008: Ergänzender Beschluss zur Unterkellerung des Objekts und Ausführung in Passivhausbauweise. Neuer Kostenrahmen 1,81 Millionen Euro.

März 2009: Der Spatenstich für das Projekt wird angekündigt.

Mai 2009: Das Projekt wird gestoppt, der Einwand, dass Kinderlärm gesundheitsschädlich sei, ist über Hörbranz hínaus der „große Aufreger”.

Dezember 2009: Die Investitionen für das „Haus der Zukunft” sind ein Schwerpunkt im Budget der Gemeinde für 2010.

April 2010: Nach den Gemeindewahlen melden sich die Anrainer Wolfgang und Sissy Juch zu Wort und legen ihre Argumente dar.

Oktober 2010: Wolfgang Juch legt seine Sicht der Dinge in der Sitzung der Gemeindevertretung dar.

Dezember 2010: Auch im Budget der Gemeinde sind für 2011 rund 1,65 Millionen Euro für das Projekt vorgesehen. Oktober 2011: Die FPÖ-Fraktion fordert in einem Antrag an die Gemeindevertretung einen Projektstopp.

Dezember 2011: Eine Arbeitsgruppe soll über das Projekt beraten, wird von der Gemeindevertretung beschlossen. Gerichtsverfahren blockieren weitere Aktivitäten.

Juli 2013: Der Verwaltungsgerichtshof hebt den Baubescheid auf.

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