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Keine Reitwege für Höchst?

"Reiten verboten" heißt es vielerorts in Höchst
"Reiten verboten" heißt es vielerorts in Höchst ©REW
Keine Reitwege für Höchst?

Höchst. Eine Karte ist mitten auf dem Tisch ausgebreitet. Man erkennt kaum noch, dass darauf das Staßennetz von Höchst, Fußach und Gaißau abgebildet ist, denn sie ist voll mit Post-Its, Fotos und Linien: Auf den Post-Its stehen die Ställe und deren Pferdezahlen, die Fotos zeigen Landschaften und wurden bei den unzähligen Begehungen gemacht. Die Linien sind versprochene bzw. mögliche Reitwegrouten durchs Rheindelta. Vier Frauen strecken ihre Köpfe über die Karte, diskutieren und zeigen: Veronika Kögl, Birgit Müller, Ursula Weger und Sybille Wilfing. Sie sind der „harte Kern“ der „Reitweg-Initiative Rheindelta“. Sie besteht aus engagierten Reiterinnen und Reitern, die schon seit vielen Jahren dafür kämpfen, im Rheindelta ein brauchbares Reitwegenetz zu erschaffen. Ganz besonders in Höchst, der Gemeinde mit den meisten Pferden und den wenigsten Möglichkeiten, wäre dringend Handlungsbedarf, so die Initiative.
„Viele haben sich schon angehängt und mitgemacht. Aber fast genauso viele lassen sich nach einiger Zeit nicht mehr blicken. Verständlich – es ist ein Kampf gegen Windmühlen, einfach zermürbend!“, so Veronika Kögl, langjährige Reiterin und Pferdebesitzerin. Sie hat von Beginn an alles gesammelt und aufgehoben, jede E-Mail, Mitschriften der Telefonate, Protokolle der Begehungen. Eine dicke Mappe ist es nun schon. Getan hat sich trotzdem nicht viel, sagt sie. Kollegin Birgit Müller, Präsidentin des Vereins Reitstall Rheinau Höchst, ergänzt: „Wir sind alles schon so oft abgestiefelt mit der Gemeinde, Vertretern vom Land. Im Kopf ist es durchgesprochen, aber praktisch ist es noch nicht umgesetzt. Schließlich muss ein zukünftiger Weg ja auch reitbar sein.“ Reitbar, das bedeutet, die Pferde sollen nicht im Matsch versinken, ausrutschen oder durch Löcher stolpern. Ein guter, reitbarer Rundweg muss außerdem das ganze Jahr über benutzbar sein, sodass die Reiter mit ihren Pferden auch an nassen Tagen nicht auf „verbotene Pfade“ ausweichen müssen. Dazu zählen zum Beispiel alle Geh- und Fahrradwege, wo eigentlich striktes Reitverbot herrscht und trotzdem derzeit die einzige Möglichkeit ist. Ein einziges Wegstück durch den Wald neben dem Naturpfadweg in Höchst ist nicht ausdrücklich als Gehweg ausgeschrieben, und somit das Reiten dort erlaubt. Aber eben nur dort. Denn erlaubt ist das Reiten im Rheindelta nur, wie in der StVO vorgesehen, auf Fahrbahnen. Dass das nicht umsetzbar ist, ist klar: Pferde auf einer Straße mit Autos, Lkws und Bussen – das kann für alle Beteiligten lebensgefährlich ausgehen.
Um das zu ändern hat ein Geologe bereits 2008/2009 ein Reitwegekonzept für Vorarlberg ausgearbeitet, ein Konzept für das Rheindelta inkludiert. Der Landesfachverband für Reiten und Fahren Vorarlberg hat sich dafür engagiert und viel Geld investiert. Geplant war unter anderem ein durchgehender Reitweg im Rheinvorland von Höchst bis hinunter zum Illspitz. „In manchen Orten von Vorarlberg wurde das Konzept teilweise schon umgesetzt, nur bei uns im Rheindelta gar nichts davon“, seufzt Sybillie Wilfing, ebenfalls ein Teil des „harten Kerns“.
Dabei gäbe es mehr als genug Pferde – rund 120. Alleine im sogenannten „Blum-Stall“ und im Stillehof stehen jeweils über 30. „Man macht doch sonst auch so viel für alle möglichen Sportler, die Fußballer bekommen Plätze, die Handballer, Beachvolleyballer, Skater. Die sind doch auch nicht so viele, warum also bekommen wir nichts?“, fragt sich Ursula Weger. Und so endet die Bestandsaufnahme der Reitweginitaitive Rheindelta wie immer: Mit einer langen Liste an Telefonaten, die geführt wurden und nichts gebracht haben, und einer ebenso langen Liste an Telefonaten, die die Reiterinnen in den nächsten Tagen führen werden. Erfolgsaussichten: eher gering. Auch für die VN-Heimat blieben die verantwortlichen Stellen trotz mehrmaliger Anfragen unerreichbar.

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