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Bewaffneter Polizist griff bei Massaker in Florida nicht ein

Ein bewaffneter Polizist soll beim Amoklauf in Florida nicht eingegriffen haben.
Ein bewaffneter Polizist soll beim Amoklauf in Florida nicht eingegriffen haben. ©Mike Stocker/South Florida Sun-Sentinel via AP
Beim Massaker von Parkland soll ein bewaffneter Hilfspolizist vor Ort gewesen sein, der aber nicht eingegriffen hat. "Ich bin entsetzt und mir wird richtig übel. Dafür lassen sich keine Worte finden", sagte der Polizeichef von Broward County in Florida, Scott J. Israel am Donnerstag über das Verhalten des Hilfspolizisten.
Lehrer bewaffnen: Kritik an Trump-Vorschlag
Schießerei an Schule

Der uniformierte und bewaffnete Hilfssheriff war am Mittwoch vergangener Woche auf dem Schulgelände im Einsatz, als ein 19-Jähriger 17 Menschen erschoss. Er müsse gewusst haben, dass ein Attentäter im Gebäude sei, sagte Israel. Er habe aber vor dem Gebäude gewartet, statt einzugreifen. Das ginge aus dem Video der Überwachungskameras und Zeugenaussagen hervor. Auf die Frage, was der Hilfspolizist hätte tun sollen, antwortete Israel: “Reingehen und den Todesschützen konfrontieren. Den Todesschützen töten.”

Der Hilfspolizist wurde vom Dienst suspendiert und legte daraufhin sein Amt nieder. Zwei weiteren Polizisten drohe ebenfalls ein Untersuchungsverfahren. Sie sollen ernst zu nehmenden Hinweisen auf den Attentäter von Parkland nicht nachgegangen seien.

Kein Verbot

In der durch das Massaker hochgekochten Diskussion stellte unterdessen das Weiße Haus klar, dass es kein Verbot bestimmter Gewehre unterstützen werde, die bei Schulmassakern besonders oft benutzt werden. Der komplette Bann einer bestimmten Art Waffen sei keine gute Lösung, sagte US-Präsident Donald Trumps Sprecher Raj Shah in Washington. Das komme höchstens teilweise oder für bestimmte Menschen infrage.

Überfälle mit Waffen wie in Parkland werden sehr oft mit Sturmgewehren etwa vom Typ AR-15 verübt. Das Verbot dieser halbautomatischen Gewehre oder großer Magazine wird nach Massakern immer wieder gefordert.

Nach den Worten des Sprechers glaubt Trump fest daran, für eine Bewaffnung einer bestimmten Gruppe von Lehrern genügend Unterstützung im Land zu erhalten. Unter anderem sei die Waffenlobby NRA dafür. Bewaffnete Lehrer seien viel günstiger als zusätzliche Sicherheitskräfte, sagte Trump. Sie könnten auch schneller agieren als die Polizei. Trumps Vorschlag war auf viel Kritik gestoßen.

NRA gegen Gesetzesänderung

Die NRA veröffentlichte ein Statement, in dem sie sich gegen Änderungen geltenden Rechts wandte. So sei ein Heraufsetzen des Alters für den Waffenerwerb verfassungswidrig. Trumps Sprecher sagte: “Wir erwarten nicht, mit der NRA in jedem Punkt übereinzustimmen”, sie sei aber gleichwohl sicher an Schulsicherheit interessiert.

Trump hatte im Wesentlichen fünf Punkte genannt, um auf Schulangriffe zu reagieren: die Bewaffnung bestimmter Lehrer, schärfere Sicherheitsprüfungen von Käufern, das höhere Mindestalter von 21 für den Erwerb von Gewehren, ein Verbot von Schnellfeuerkolben und einen besseren Umgang mit psychischen Problemen.

Alle Änderungen müssten vom US-Kongress gesetzlich geregelt werden. Dort haben die Republikaner die Mehrheit. Trump werde zu diesen Punkten keine präsidialen Dekrete (Executive Order) erlassen, sagte Shah. Der Präsident wolle sich aber gemeinsam mit Republikanern und Demokraten bemühen, sollte es zu einem Gesetzgebungsprozess kommen.

Trump mit Videospiel-Reflex

Am Donnerstag hatte Trump in einem Treffen im Weißen Haus auch einen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Videospielen und Attentaten hergestellt. Er höre oft, solche Spiele und auch Kinofilme formten die Gedanken junger Menschen, sagte Trump. “Vielleicht müssen wir etwas tun im Bezug auf das, was sie sehen.”

NRA-Sprecherin Dana Loesch sagte in Washington: “Viele in den Medien lieben Schulmassaker. Nicht die Tragödie, aber die Einschaltquoten. Weinende weiße Mütter sind Gold für die Quote.”

Ex-Präsident Barack Obama sprach jungen Leuten, die für schärfere Waffengesetze auf die Straße gehen, seine Bewunderung aus. “Junge Menschen haben dabei geholfen, alle großen Bewegungen anzuführen. Es ist inspirierend, das in so vielen klugen, furchtlosen Schülern wiederzusehen, die für ihr Recht auf Sicherheit aufstehen (…)”, schrieb Obama auf Twitter. “Wir halten Euch den Rücken frei.”

(APA/dpa)

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