Herren-Super-Kombi: Viletta holt Gold - kein Österreicher in Top Ten

Schweizer Viletta holt überraschend Kombi-Gold
Schweizer Viletta holt überraschend Kombi-Gold ©AP
Sandro Viletta hat am Sonntag die Gunst der Stunde genutzt und Olympia-Gold in der Super-Kombination gewonnen. Der Schweizer machte in Russland mit einer sensationellen Slalom-Leistung allen Favoriten einen Strich durch die Rechnung und gewann vor dem Kroaten Ivica Kostelic (+0,34 Sekunden) und dem Italiener Christof Innerhofer (0,47).

Die Österreicher hatten bei Frühlingswetter keine Chance und schafften es allesamt nicht in die Top-Ten. Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer landete als bester Österreicher auf Rang 13, der WM-Dritte Romed Baumann musste sich mit Platz 14 begnügen, Otmar Striedinger wurde 21. und Max Franz schied im Slalom aus.

Titelverteidiger Bode Miller aus den USA wurde nur Sechster und führte das Favoritensterben an. Der Norweger Aksel Lund Svindal landete auf Rang acht, US-Boy Ted Ligety, im Vorjahr in Schladming Weltmeister, kam nicht über Platz zwölf hinaus. Und die französischen Mitfavoriten Alexis Pinturault und Thomas Mermillod Blondin scheiterten im Slalom und schieden aus.

Viletta freute sich nach bis dato einem einzigen Weltcup-Sieg (Super-G in Beaver Creek 2011) über den mit Abstand größten Erfolg seiner Karriere. Der 28-Jährige, der nach der Abfahrt nur 14. war, holte für die Eidgenossen die erste Olympia-Kombi-Goldene der Alpin-Geschichte. “Ich kann nicht glauben, was da passiert ist. Es ist einfach unglaublich. Ich bin der Überraschteste von allen”, meinte Viletta fassungslos.

Im Weltcup sind im Slalom zwei 16. Plätze aus den Jahren 2007 und 2009 seine besten Platzierungen. “Ich war ganz sicher kein Favorit”, sagte Viletta, der bereits für die fünfte Goldene der Schweiz bei den laufenden Spielen sorgte. “Aber die Kurssetzung und der Schnee waren für mich perfekt”, betonte Viletta. Dabei hätte der Slalom eigentlich Kostelic auf den Leib geschneidert sein müssen. Schließlich hatte ihn sein Trainer-Vater Ante ausgeflaggt.

Doch am Ende gab es für Kostelic die bereits vierte Olympia-Silberne seiner Karriere, Gold fehlt dem 34-Jährigen weiterhin. “Das ist ein großer Erfolg für mich und mein gesamtes Team. Denn die bisherige Saison war sehr hart gewesen”, sagte der Kroate, der aber nach der starken Abfahrt (“eine der besten Abfahrten meines Lebens”) schon auch mit Gold spekuliert hatte.

Für Innerhofer war es nach Abfahrts-Silber bereits die zweite Medaille in Sotschi. “Ich hatte geträumt, bei Olympia eine Medaille zu holen. Jetzt habe ich schon zwei, das ist unglaublich”, frohlockte Innerhofer.

Mayer war bei seinem ersten Renneinsatz seit Abfahrts-Gold neuerlich stark unterwegs und nach der Abfahrt Dritter. “Aufgrund der völlig anderen Schneeverhältnisse ist jetzt eine andere Technik gefragt. Diese Umstellung ist mir gelungen, und deshalb bin ich für den Super-G (Sonntag, Anm.) sehr zuversichtlich”, erklärte Mayer. “Im Slalom hat sich dann bestätigt, dass wir alle miteinander keine Koryphäen sind. Die Medaille war einfach zu weit weg”, berichtete der Afritzer, der vor allem Viletta und Innerhofer zu den überraschend starken Slalom-Leistungen gratulierte.

Baumanns Medaillenhoffnungen lösten sich mit einer zu schwachen Abfahrtsleistung rasch in Luft auf. “Schade um die Abfahrt. Ich hatte mir heute viel, viel mehr erhofft. Ich wollte um eine Medaille mitkämpfen, das ist mir leider nicht gelungen”, ärgerte sich der Tiroler. “Was da heute alles drinnen gewesen wäre, zeigt ein Blick aufs Ergebnis. Wer auf einen Viletta-Sieg gesetzt hat, der hat viel Geld gewonnen”, betonte Baumann.

Striedinger, der für den verletzten Joachim Puchner einsprang, hatte hingegen ganz andere Ziele. “Ich hatte nicht den Anspruch, eine Medaille zu holen. Für mich war es ein perfektes Renntraining für den Super-G, ich bin parat”, meinte der Kärntner. Franz ging als Abfahrts-Fünfter in den Slalom, fabrizierte dort dann bei einem Einfädler aber fast einen Salto. “Gute Haltungsnoten hab’ ich mir damit auf jeden Fall verdient”, scherzte Franz, der die Einlage unverletzt überstand.

“In so einem schwierigen Slalom sind Leute wie wir einfach chancenlos”, erläuterte Franz, der sich aber ebenfalls noch einmal die nötige Rennspannung für den Super-G holte.

Medaillengewinner:

Gold: Sandro Viletta (SUI)
Silber: Ivica Kostelic (CRO)
Bronze: Christof Innerhofer (ITA)

Finalergebnisse:

1. Sandro Viletta (SUI) 2:45,20 Min.
2. Ivica Kostelic (CRO) +0,34 Sek.
3. Christof Innerhofer (ITA) 0,47
4. Kjetil Jansrud (NOR) 1,06
5. Adam Zampa (SVK) 1,14
6. Bode Miller (USA) 1,40
7. Ondrej Bank (CZE) 1,64
8. Carlo Janka (SUI) und Aksel Lund Svindal (NOR) je 1,68
10. Natko Zrncic-Dim (CRO) 1,86.

Weiter:
13. Matthias Mayer (AUT) 2,26
14. Romed Baumann (AUT) 2,39
21. Otmar Striedinger (AUT) 5,26.

Ausgeschieden im Slalom, u.a.: Max Franz (AUT)

Reaktionen

Reaktionen zur alpinen Super-Kombination der Herren am Freitag in Krasnaja Poljana:

Sandro Viletta (SUI/Gold-Medaillengewinner): “Ich habe mir keine Gedanken gemacht, wollte einfach nur voll angreifen. Ich bin selber ein bisschen erstaunt, dass es im Slalom so gut gelaufen ist, obwohl ich am Anfang meiner Karriere ein Slalomspezialist war. Ich habe gewusst, dass mir dieser Schnee liegt. Es ist aber eine große Überraschung auch für mich, es ist unglaublich.”

Ivica Kostelic (CRO/Silber-Medaillengewinner): “Ich habe eine schlechte Saison hinter mir, bin hierhergekommen und habe nicht gewusst, was ich erwarten kann. Die Medaille ist deshalb sehr schön und hat großes Gewicht. Es war nicht leicht für mich, ich habe nach der Abfahrt den Wunsch für Gold gehabt, aber Silber ist sehr gut, ich bin stolz. Es ist unsere zehnte Olympiamedaille (Anm.: gemeinsam mit Schwester Janica Kostelic, die sechs geholt hat), dass haben nicht viele Familien geschafft, darauf bin ich am meisten stolz.”

Christof Innerhofer (ITA/Bronze-Medaillengewinner): “Es ist ein Wahnsinn. Ich habe überlegt, ob ich den Slalom überhaupt noch fahren soll, weil so viele gute Slalomfahrer am Start waren. Ich habe mir dann gesagt, ich fahre halt noch, dann kann ich mir nichts vorwerfen. Ich habe mir gedacht, ich kriege ein paar Sekunden, bin am Start gestanden wie bei einem Skiclub-Rennen. Im Ziel habe ich dann geglaubt, ich spinn’. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren nur vier Tore Slalom trainiert. Dass es so läuft, hätte ich mir nicht einmal getraut zu träumen. Ich bin überglücklich. Meine Rückenprobleme sind nach wie vor sehr besorgniserregend, deshalb habe ich ja auch überlegt, ob ich den Slalom überhaupt noch fahren soll.”

Matthias Mayer (AUT/13. Platz): “Ich habe mich runtergekämpft, alles gegeben, es hat schon gepasst. Für mich war es sehr schwierig. Überrascht hat mich Christof Innerhofer, das hätte ich mir nicht gedacht, dass er den Slalom so gut schafft. Für den Super-G werde ich nicht mehr groß trainieren, morgen ist noch das Hangbefahren, das werde ich noch mitnehmen, sonst werde ich einfach schauen, dass ich am Sonntag fit bin.”

Romed Baumann (AUT/14.): “Nachdem ich in der Abfahrt 2,12 Sekunden verloren habe, wusste ich, dass sich eine Medaille nicht mehr ausgeht. Der Slalom war okay, so eine Leistung habe ich mich vorgenommen, ich bin ohne gröberen Fehler durchgekommen. Ich hätte mir heute mehr gewünscht, aber ich bin nicht als Favorit hierher gereist.”

Max Franz (AUT/ausgeschieden im Slalom): “Es war akrobatisch eine gute Einlage. Es war brutal schwierig, bei so einem Lauf muss man viel trainieren, damit man da ein bisschen mitreden kann. Ich bin nicht reingekommen ins Fahren, es war nur eine Qual, Spaß hat es trotzdem gemacht.”

(APA)

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