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Karzai: Überdenken im Anti-Terror-Kampf

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat die Weltgemeinschaft und die US-geführten Koalitionstruppen zum Überdenken der Strategie im Kampf gegen den Terrorismus aufgefordert.

„Wir und die internationale Gemeinschaft (…) müssen neu überprüfen, ob unser Ansatz, den Terrorismus zu besiegen, der richtige ist“, sagte Karzai in einem am Dienstag ausgestrahlten BBC-Interview. Der Wunsch der USA, den Friedenseinsatz ISAF mit der von der US-Armee geführten Anti-Terror-Mission „Enduring Freedom“ zu verbinden, entzweit unterdessen die NATO, deren Verteidigungsminister in Berlin zusammentreffen.

„Ich glaube, dass wir zu den Quellen gehen müssen, wo Terroristen ausgebildet werden, wo Terroristen unterstützt werden“, sagte Karzai. Er beziehe sich nicht auf das Nachbarland Pakistan, betonte er. Afghanische Regierungsmitglieder werfen Pakistan immer wieder vor, im Grenzgebiet nicht energisch genug gegen Rebellen vorzugehen.

Die pakistanische Armee hat in der Grenzregion zu Afghanistan nach eigenen Angaben mindestens 21 mutmaßliche Anhänger des Terrornetzes Al-Kaida gefangen genommen. Bei dem Einsatz im halbautonomen Stammesgebiet Nord-Waziristan seien seit Samstag erstmals unbemannte ferngesteuerte Flugkörper – so genannte Drohnen – sowie Raketen und Waffen sichergestellt worden, sagte Generalleutnant Safdar Hussein am Dienstag in Peshawar. Unter den Gefangenen seien auch „prominente“ Verdächtige. Wegen anhaltender Untersuchungen könne er keine Einzelheiten nennen.

Vor der Parlamentswahl in Afghanistan am kommenden Sonntag wies Karzai Kritik zurück, dass die Kandidatur zu vieler vormaliger Kriegsherren und Milizchefs zugelassen worden sei. „Wir haben jetzt die Freiheit zu wählen“, sagte der Präsident. „Wenn ich jemanden für einen Kriminellen halte, werde ich ihn oder sie nicht wählen.“

US-geführte Koalitionstruppen und afghanische Soldaten töteten nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums in der Südprovinz Sabul sechs Taliban-Rebellen. Ein Ministeriumssprecher sagte, bei der Operation seien zahlreiche Waffen sichergestellt worden. Afghanische oder Koalitionstruppen seien nicht zu Schaden gekommen. Einer der Kandidaten für die Parlamentswahl, Said Ghafar Pacha, entging in der Ostprovinz Nangarhar unverletzt einem Bombenanschlag. Mindestens sechs Kandidaten sind bisher ermordet worden. Bei Anschlägen in der Südprovinz Kandahar wurden laut US-Armee und afghanischer Polizei zwei US-Soldaten und zwei Afghanen verletzt.

Der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck hat sich vor dem NATO-Arbeitstreffen neuerlich gegen den Vorschlag der USA ausgesprochen, die ISAF mit der US-Anti-Terror-Mission „Enduring Freedom“ zu verbinden. Struck sagte am Dienstag, beide Missionen sollten weiterhin deutlich getrennt werden. Die ISAF sei eine Schutz- und Hilfsmission, die von der afghanischen Bevölkerung sehr akzeptiert werde. „Ich möchte unsere Soldaten nicht einer zusätzlichen Gefährdung aussetzen, indem diese beiden Mandate miteinander verknüpft werden.“ Im Rahmen eines „Aufbauteams“ unter deutscher Führung halten sich in Kunduz auch 93 österreichische Bundesheerangehörige auf.

Die ISAF-Schutztruppe umfasst derzeit rund 8500 Soldaten aus 37 Ländern, darunter mehr als 2000 deutsche Bundeswehrsoldaten. Die rund 16.000 Soldaten der US-Mission „Enduring Freedom“ gehen im Westen und Süden des Landes vor allem gegen Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer vor.

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