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Kartellstrafe für Automobilzulieferer Carcoustics

Bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben von Automobilherstellern abgesprochen bzw. abgestimmt
Bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben von Automobilherstellern abgesprochen bzw. abgestimmt ©Bilderbox
Klaus - Das Bundeskartellamt verhängte 75 Millionen Euro an Bußgeldern gegen fünf deutsche und österreichische Kfz-Zulieferer. In Vorarlberg betreibt Carcoustics die Schaltzentralen von zwei der drei Geschäftsbereiche und beschäftigt mehr als 260 Mitarbeiter.

Das Bundeskartellamt in Bonn hat vor wenigen Tagen Bußgelder in Höhe von insgesamt 75 Millionen Euro gegen mehrere deutsche und österreichische Automobilzulieferer verhängt, berichtet die Wirtschafspresseagentur am Dienstag. Die Strafe richtet sich gegen Zulieferer von akustisch wirksamen Bauteilen und trifft die Autoneum Germany GmbH in Roßdorf, die Carcoustics International GmbH in Leverkusen, die Greiner Perfoam GmbH in Enns, die Ideal Automotive GmbH in Burgebrach und die International Automotive Components Group GmbH in Düsseldorf. Durch die Carcoustics International GmbH gibt es auch einen unmittelbaren Zusammenhang mit Vorarlberg. Denn das Unternehmen unterhält in Klaus und seit jüngster Zeit auch in Rankweil für die Firmengruppe wichtige Entwicklungs- und Produktionsstandorte.

Bei Ausschreibungen abgestimmt

Nach Angaben des Bundeskartellamtes hätten sich die Unternehmen im Zeitraum von mindestens 2005 bis 2013, wenn auch im Einzelnen in unterschiedlichem Ausmaß, bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben von Automobilherstellern abgesprochen bzw. abgestimmt. Gegenstand der Absprachen seien akustisch wirksame Bauteile gewesen. Dabei handelt es sich insbesondere um Bodenbeläge, Fußmatten, Hutablagen, Kofferraumauskleidungen, textile Radlaufschalen, Motorraumschalldämpfungen, Stirnwanddämpfungen und Kofferraumabsorber. “Die Kartell-Beteiligten waren sich grundsätzlich einig, dass sie das jeweilige Bestandsgeschäft sowie damit verbundene Nachfolgeaufträge der Wettbewerber möglichst nicht angreifen würden. Die Unternehmen stimmten sich unter anderem über Preisuntergrenzen, die Weitergabe von Rohstoffpreiserhöhungen, zu gewährende Rabatte, den Ausgleich von Werkzeugkosten und die Einbeziehung von Preisgleitklauseln ab”, so Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes.

Im vorliegenden Verfahren hätten alle Unternehmen bei der Aufklärung des Kartells mit dem Bundeskartellamt kooperiert, was entsprechend der Bonusregelung des Amtes zu einer Ermäßigung der Bußgelder geführt habe, so das Kartellamt. Die Bußgelder seien überwiegend noch nicht rechtskräftig. Gegen die Bescheide könne noch Einspruch eingelegt werden, über den das Oberlandesgericht Düsseldorf zu entscheiden habe. Allerdings sei mit allen Unternehmen und Verantwortlichen eine einvernehmliche Verfahrensbeendigung (ein sogenanntes „Settlement“) erreicht worden.

Eine Anfrage der Wirtschaftspresseagentur.com bei Carcoustics bezüglich einer Stellungnahme zur anhängigen Kartellstrafe blieb bislang unbeantwortet. Pressesprecherin Nina Mohammadi war seit Montag aufgrund eines Auslandsaufenthaltes nicht erreichbar.

Vorarlberg ein “sehr wichtiger Standort für Carcoustics”

Carcoustics ist seit Jahren auch in Vorarlberg ansässig. Richard Geißler, Geschäftsführer der Carcoustics Austria GmbH, sagte in einem wpa-Interview im November 2014, dass “Vorarlberg ein sehr wichtiger Standort für die Carcoustics-Gruppe” sei. Durch die berichtete Schließung des für den Technologiebereich Aluforming zuständigen Standortes in Mauren (LIE) zum Jahresende 2014 wurde der Ländle-Standort noch weiter aufgewertet. Denn während die Aluforming-Produktion in die Slowakei verlagert wurde, sind alle anderen Abteilungen dieses Bereiches nach Vorarlberg gekommen, konkret nach Rankweil in eine vom Fahrzeugbauer Walser angemietete Betriebshalle. Das so bezeichnete “Carcoustics TechCenter Aluforming” beschäftigt mehr als 20 Mitarbeiter und fungiert als Zentrale für den gesamten Geschäftsbereich 3 (Aluforming). In Rankweil sind unter anderem Produktentwicklung, Projektmanagement, technischer Vertrieb sowie Controlling und Einkauf angesiedelt.

Schaltzentralen von zwei der drei Geschäftsbereiche in Vorarlberg

Durch diese Ansiedlung der Zentrale des Geschäftsbereiches 3 (Aluforming) sind derzeit die Schaltzentralen von zwei der drei Geschäftsbereiche der Carcoustics-Gruppe im Ländle untergebracht. Denn in Klaus ist seit Jahren schon der Geschäftsbereich 1 (Thermoformen: akustische und thermische Isolierungen) samt einem Teil der Produktion angesiedelt. In Vorarlberg findet nach Angaben von Geißler also die Entwicklung von Produkten statt, die schlussendlich zwei Drittel des gesamten Gruppenumsatzes ausmachen. Zuletzt beschäftigte Carcoustics in Vorarlberg mehr als 260 Mitarbeiter.

Der Geschäftsbereich 2 (PUR-Formschaumbauteile, Vakuumforming etc.) befindet sich in Deutschland. Die Carcoustics-Gruppe ist weltweit an zumindest elf Produktionsstandorten mit mehr als 1.500 Mitarbeitern tätig. 2013 wurde ein Umsatz von 250 Millionen Euro erzielt.

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