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Karikaturen: Jihad droht mit Gewalt

Die palästinensische Extremisten-Organisation Islamischer Jihad hat am Freitag angekündigt, die in europäischen Zeitungen erschienenen Mohammed-Karikaturen mit Gewaltakten zu rächen. Pressestimmen

Malaysia hat vor einer wachsenden Kluft zwischen dem Islam und dem Westen gewarnt und Mäßigung auf allen Seiten angemahnt. Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi forderte am Freitag auf einer Konferenz islamischer Gelehrter in Kuala Lumpur Mäßigung im Streit um die Mohammed-Karikaturen. In Asien ist es am Freitag unterdessen zu den bisher größten Protesten gegen die umstrittenen Zeichnungen gekommen. Auch in Wien und Graz waren am Nachmittag Kundgebungen geplant.

Bei der Islam-Konferenz in der malaysischen Hauptstadt beraten hunderte Politiker, Religionsvertreter und Wissenschaftler aus islamischen Ländern zwei Tage über die Verständigungsprobleme zwischen muslimischen Ländern und dem Westen. Malaysia hat derzeit den Vorsitz der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) inne, der 57 Staaten angehören. Die OIC (auch ICO) wurde als Forum aller Länder mit islamischer Bevölkerung 1971 gegründet. Ein Muslim werde im Westen als „geborener Terrorist“ betrachtet, sagte Abdullah auf der Konferenz. „Sie denken, dass Osama bin Laden für die Religion und ihre Anhänger spricht.

Unterdessen protestierten in der malaysischen Hauptstadt rund 3.000 Anhänger einer radikalislamischen Partei gegen die Zeichnungen. Tausende Menschen gingen nach den traditionellen Freitagsgebeten in Pakistan, Malaysia, Bangladesch, Indien und Sri Lanka auf die Straßen. Kleinere Kundgebungen gab es in Serbien-Montenegro, in Indonesien und auf den Philippinen. Die Proteste blieben aber offenbar weitgehend friedlich. In Afrika kam es unter anderem auch in Kenia zu Demonstrationen tausender Muslime. Ein deutscher Journalist wurde dabei angegriffen. Auch in Marokko waren mit Duldung der Regierung Proteste geplant.

Im Gaza-Streifen kamen zu einer von der militanten palästinensischen Organisation Islamischer Jihad organisierten Kundgebung gegen die Karikaturen rund 7.000 Menschen, in Jerusalem zogen rund 2.000 Demonstranten auf die Straße. „Bisher haben wir unsere Aktionen auf Demonstrationen beschränkt“, sagte Jihad-Anführer Khader Habib in Gaza und drohte: „Wenn sie aber die Beleidigungen des Propheten Mohammed nicht einstellen, werden wir den Propheten mit unseren Seelen und unserem Blut verteidigen.“

In Dänemark sieht eine Mehrheit der Bevölkerung die Schuld für die Proteste gegen die Karikaturen bei den Imamen in Dänemark. In einer Umfrage vertraten 58 Prozent diese Ansicht. Nur 22 Prozent sahen die Verantwortung bei der Zeitung „Jyllands-Posten“, die die Karikaturen im September vergangenen Jahres abgedruckt hatte. In einem Brief an die Leser in der Freitagsausgabe erklärte Chefredakteur der Zeitung, Carsten Juste: „Angesichts des Aufruhrs, der von den Mohammed-Zeichnungen ausgelöst worden ist, wird Jyllands-Posten nichts unternehmen, wodurch neues Benzin ins Feuer gegossen wird.“ Juste hatte am Vortag den Chef der Kulturredaktion Flemming Rose in einen unbefristeten Zwangsurlaub geschickt, nachdem dieser im Fernsehen den Abdruck von geplanten iranischen Holocaust-Karikaturen in „Jyllands-Posten“ angekündigt hatte.

Die aktuellen Ausgaben der deutschen Nachrichtenmagazine „Focus“ und „Spiegel“ dürfen wegen des Karikaturenstreits in Ägypten nicht verkauft werden. Das Münchner Magazin „Focus“ legte dagegen bei Ägyptens Präsident Hosni Mubarak und dem ägyptischen Botschafter in Berlin Protest ein.

Der Herausgeber einer kleinen norwegischen Zeitung, die die Zeichnungen im Jänner nachgedruckt hatte, entschuldigte sich am Freitag dafür. Er habe nicht geahnt, was er damit bei den Muslimen auslöse, sagte Vebjörn Selbekk von der Zeitung „Magazinet“. Eine Entschuldigung lehnten hingegen zwei tschechische Zeitungen ab, die von der iranischen Botschaft in Prag wegen der Veröffentlichung der Karikaturen dazu aufgefordert wurden. Unterdessen wurde einer malaysischen Zeitung, die die Zeichnungen abgedruckt hatte, bis auf weiteres die Lizenz entzogen.

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