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Kapuziner in Feldkirch vor Neubeginn

Die Verwandlung dauert Sekunden. Karl-Martin Gort wirft sich die Kutte über. Mit dem weißen Strick um die Hüften ist aus dem Bauherren wieder der Kapuziner geworden.

Der mit wachsender Freude durch sein Kloster spaziert. Weil er die Zukunft förmlich riechen kann. Ein Duft steigt aus den unbehandelten rauen Tannenböden, ein Duft von Wachstum und Jugend. Das, was die Kapuziner am dringendsten brauchen. Der 64-jährige Göfner hat den Weg mitbereitet. Seit 30. Mai 2007 ist er nicht nur als „Guardian“ Oberer im Kloster in Feldkirch. Er steht als „Definitor“ auch dem jungen Provinzialminister Radoslaw Celewisz beratend zur Seite. Vier Definitoren bilden den obersten Rat der österreichischen Kapuziner. Sie sollen den Weg in die Zukunft suchen.

„Auch viel Ramsch“

Und? Schon gefunden? Da klingelt das Telefon. Eine Ordensfrau bittet um eine Reliquie als Leihgabe. Oh, sie haben jede Menge vorrätig. Darunter auch „so viel Ramsch, dass Gott erbarm“.

Gort spricht nicht vom Haupt des Hl. Fidelis. Das hüten sie sorgsam. Aber all die Knöchelchen zweifelhafter Herkunft hat er „am Dachboden“ verstaut. Der Weg in die Zukunft trennt Spreu vom Weizen.

Nur noch zu dritt leben sie heute im Feldkircher Kapuzinerkloster. Doch die letzte Niederlassung in Vorarlberg wollen sie halten. Bis zum 7. Oktober wird das Haus renoviert. Ein Verein von Kapuzinerfreunden hat das ermöglicht. So wird der Weg in die Zukunft von Laien geebnet.

Der Orden hat sich anpassen müssen. Vor einem Monat haben sich die 87 Brüder der Wiener und der Tiroler Provinz zu einer einzigen zusammengeschlossen. „Eine Zwangsehe“ schmunzelt Gort. Aber das hilft, Verwaltungskosten einzusparen. Er war lang genug als Ökonom in der Provinzleitung. Da lernt man sparen. Der Weg in die Zukunft gelingt nur durch Reformen.

Und mit einem Schuss Blutauffrischung. Wenn die Feldkircher Kapuziner am 7. Oktober die Bevölkerung ins neue Kloster einladen, stehen auch drei neue Brüder an der Pforte. Ein Oberösterreicher und zwei Polen. Hilfe von außen anzunehmen, fiel gar nicht so leicht. Aber so führt der Weg in die Zukunft hin zur Brüderlichkeit. „Und das ist doch zutiefst franziskanisch.“

ZUR PERSON

Karl-Martin Gort
Beruf: Kapuziner
Geboren: 10. November 1942
Ausbildung: Matura in Feldkirch,
Theologiestudium in Innsbruck
Laufbahn: Im Maturajahr 1963 in den Bettelorden eingetreten. ab 1995 sechs Jahre lang Provinzial, jetzt „Definitor“.

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