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Kanzler Kurz will mit Maßnahmen Grippewelle aussitzen

Bundeskanzler: "Zum richtigen Zeitpunkt" auch Schließung von Schulen und Kindergärten möglich
Bundeskanzler: "Zum richtigen Zeitpunkt" auch Schließung von Schulen und Kindergärten möglich ©APA
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Sonntag weitere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus angedeutet.
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Als Ziel nannte er in der ORF-"Pressestunde", die Ausbreitung der neuen Krankheit bis nach Ende der aktuellen Grippewelle zu verzögern. Aktuell sind in Österreich rund 100 Personen am Coronavirus erkrankt.

Bis Sonntag, 8.00 Uhr, waren 99 positiv getestete Personen bekannt, geht aus Angaben des Gesundheitsministeriums hervor. Am Samstagabend lag die Zahl bei 81. In ganz Österreich wurden bisher 4.509 Personen auf das neuartige Coronavirus getestet.

Kurz deutet Schul-Schließungen an

Konkrete Maßnahmen gegen den Coronavirus nannte Kurz nicht, deutete aber unter anderem die vorübergehende Schließung von Schulen und Kindergärten an. "Was wir verhindern müssen ist, dass es eine rasche Ausbreitung des Coronavirus gleichzeitig mit der Grippewelle gibt", sagte Kurz. Andernfalls würde das Gesundheitssystem an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Derzeit gebe es zusätzlich zu den Corona-Infektionen nämlich noch über 100.000 Grippepatienten. "Jeder Tag, den wir jetzt gewinnen in der Ausbreitung, hilft uns, was unsere medizinischen Kapazitäten betrifft." Auch Italien strenge sich an, "weil ihnen sonst das Gesundheitssystem zusammenbricht".

Kurz wirbt um Verständnis

Bei der Bevölkerung warb Kurz um Verständnis für weitere Maßnahmen. Die Akzeptanz für die aktuellen Quarantänemaßnahmen sei vorhanden. "Aber natürlich wird es in weiterer Folge nicht nur eine Einschränkung im Flugverkehr geben oder im Austausch mit Italien, sondern wir werden täglich beurteilen müssen, welche Maßnahmen setzen wir darüber hinaus", so der Bundeskanzler. Es werde darum gehen, das öffentliche Leben ein Stück weit zu verlangsamen.

Als Beispiele nannte Kurz die vorübergehende Schließung von Schulen, Kindergärten und Universitäten sowie die Einschränkung von Großveranstaltungen. Man müsse diese Schritte aber "zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Dosierung" setzen, denn lange könne eine Volkswirtschaft das nicht durchhalten.

Je mehr Infektionen es gebe, desto schwieriger werde es aber, jede einzelne Ansteckung zurückzuverfolgen, räumte Kurz ein: "Irgendwann kommt man in eine Phase, wo man zwar hinnehmen muss, dass die Ausbreitung stattfindet, aber versucht zu verhindern, dass es einen Peak gibt."

Wirtschaftliche Auswirkungen

Wirtschaftliche Auswirkungen erwartet Kurz aber jedenfalls. "Ganz hart wird es Italien treffen", so der Bundeskanzler, "aber auch an Österreich wird das nicht spurlos vorübergehen".

Betroffen sind aktuell in Niederösterreich 31 Personen, in Wien 32, in Tirol acht, in der Steiermark ebenfalls acht, in Salzburg und Oberösterreich je sieben, im Burgenland vier sowie im Vorarlberg und Kärnten je eine Person. Zwei Patienten sind von Covid-19 genesen. Am 25. Februar waren zum ersten Mal in Österreich (Innsbruck) zwei Personen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden.

Spannungen wegen deutschem Ausfuhrverbot

Unterdessen sorgt das von Deutschland verhängte Ausfuhrverbot für medizinische Hilfsmittel für Probleme mit Nachlieferungen für Österreich: Der "Kurier" meldet, dass eine Lkw-Ladung voller Atemschutzmasken an der deutschen Grenze an der Einreise nach Oberösterreich gehindert worden sei. Der Fall wurde von Gerhard Hasenöhrl, dem Leiter der Pressestelle des Landes Oberösterreich, bestätigt: "Wir kennen den Fall seit Donnerstag." In Oberösterreich würden die Masken in den Spitälern dringend gebraucht, erklärte Hasenöhrl. Man habe die Angelegenheit an die zuständigen Ministerien im Bund abgetreten.

In der Schweiz hat das deutsche Ausfuhrverbot nach einem Bericht der "NZZ am Sonntag" schon zu diplomatischen Spannungen geführt. Die Eidgenossenschaft hat den deutschen Botschafter vorgeladen und sei auch schon bei den Ministerien in Berlin vorstellig geworden. Die deutschen Behörden seien mit Nachdruck aufgefordert worden, die blockierten Sendungen umgehend freizugeben. So soll derzeit ein Lastwagen mit 240.000 Schutzmasken von den deutschen Zollbehörden daran gehindert werden, in die Schweiz zu fahren. Laut dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft wäre das kein Einzelfall.

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(APA)

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