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Kanadischer Wintertraum

Mit der Hundeschlitten-Limousine zum Eisangeln: Am Sacacomie-See im Westen des Riesenlandes.
Kanadische Winterimpressionen

Bis zu 60 Zentimeter Umfang haben die mächtigen Baumstämme, aus denen eines der wohl faszinierendsten Hotels der Provinz Québec gezimmert ist. Das lodernde Feuer im offenen Kamin, vor dem schwere Ledersessel stehen, verbreitet eine wohlige Wärme. An den Wänden hängen Bären- und Wolfsfelle sowie Geweihe von Elchen. Von der Decke baumelt ein Rabaska, ein altes indianisches Kanu.


Kamin und Whirlpool

Im Zimmer warten ein Kamin und ein eigener Whirlpool darauf, mit knisternden Holzscheiten und sprudelndem Wasser gefüttert zu werden, um die zweistelligen Minusgrade in der von zweieinhalb Metern Schnee durchzogenen Landschaft vergessen zu machen. „Sacacomie ist ein absoluter Wintertraum. Mit Ausnahme vom Abfahrtsski gibt es hier nichts, was man nicht erleben kann“, sagt Gaspard Bourque. Der 63-Jährige mit dem dünnen grauen Haar arbeitet seit zehn Jahren als Trapper in Sacacomie. Vorher bestritt er seinen Lebensunterhalt als Holzfäller sowie als Mitarbeiter in einem Holzfällermuseum. Nun bringt Gaspard den Gästen in Sacacomie das Leben in der Wildnis näher. Im Sommer paddelt er mit den Besuchern im Kanu über die sechs Seen in dem weitläufigen Areal, pirscht sich an Elche und Karibus heran und zeigt, wie man mit Birkenrinde Feuer macht oder aus Mehl, Salz und Wasser das Bannique, ein Trapperbrot, und aus Blättern einen schmackhaften Tee herstellt. „Ich verbringe 80 Prozent meines Lebens in der freien Natur“, so Gaspard, der auch in der kalten Jahreszeit das Leben in der Wildnis überaus schätzt.

Ein ganz anderes Gesicht

„Wenn zwischen Dezember und März zwei, drei Meter Schnee liegen, hat Sacacomie ein ganz anderes Gesicht, einen ganz anderen Charakter“, beteuert der kernige Bursche mit dem Bärenzahn an der Halskette. „Die Kälte hier ist sehr trocken, so dass auch minus zehn, 15 Grad Celsius gut zu ertragen sind“, versichert Gaspard, während er mit einer Axt und einem Eisbohrer ein Loch in die dicke Eisdecke des Lac de Atocats stemmt. Mit einer Eiskelle entfernt er die kleinen Eisstücke aus dem langsam größer werdenden Loch. Dann bringt er die Angel mit der extrem kurzen Rute auf einem kleinen Holzgestell an, um dann die dünne, eingefettete Angelschnur mit einer Made als Köder langsam herabzulassen. „Die Fische werden vom Licht, das durch das Loch dringt, angelockt und beißen besonders gut“, erzählt Gaspard. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis eine stattliche Lachsforelle am Haken zappelt. Über einem kleinen Feuer wird der Fang anschließend zubereitet. So gestärkt wartet das nächste kleine Abenteuer: Gemeinsam wird ein kleines Schneehaus, Quinzee genannt, errichtet.


Ein warmes „Quinzee“

Und schnell wird klar, wie genial die traditionellen Inuit- Behausungen sind. Denn innerhalb der Wände aus Schnee und Eis ist es deutlich wärmer als draußen. „Wenn draußen minus 20 Grad Celsius herrschen, haben wir hier drinnen zwischen null und zehn Grad“, berichtet Gaspard. Und schon geht es auf Schneeschuhen zurück zum Hotel, wo weitere mögliche Winterabenteuer warten. Langlauf und Eislaufen gehören ebenso dazu wie winterliche Ausritte auf Pferden, Schlittenfahrten und das Heruntersausen in Schlauchbooten an Berghängen. Natürlich lässt sich die prächtige Seenlandschaft des Lac Sacacomie auch mit dem Snowmobil im wahrsten Sinne des Wortes erfahren.

 
„Hundeschlitten-Limousine“

Wer es gemächlicher mag, kann zu einer Schlittenhundetour aufbrechen. Schließlich warten rund 170 Huskys im größten Schlittenhundezentrum der Region darauf, wild rennend durch die schneebedeckte Landschaft zu pflügen. Wer dies lieber mit der Familie oder ein paar Freunden macht, auf den wartet mit der einzigartigen „Hundeschlitten-Limousine“ ein eigens konstruierter Spezialschlitten, der Platz für vier Personen bietet. „Allerdings wird das Ganze dann nicht nur von 24 Pfoten in Bewegung gesetzt, sondern von doppelt so vielen“, verrät Gaspard.

 

Genüssliches Aufwärmen im neuen „Geo-Spa“

 Wer nach den winterlichen Abenteuern im Gelände durchgefroren, aber glücklich in das riesige Holzhotel zurückkehrt, kann sich und seinem Körper noch eine besondere Wohltat gönnen. Denn seit Weihnachten 2008 verfügt Sacacomie über das weltweit erste Geo-Spa. Die Wärme wird aus 150 Metern Tiefe an die Oberfläche gefördert und beheizt den 1400 Quadratmeter großen Wellness-Bereich mit seinen Solarien, Massage- und Ruheräume, Sprudel- und Dampfbädern sowie der spektakulären Panorama- Sauna an den Hängen des Lac Sacacomie.

Beheizte Gehwege: Und spätestens beim Gang über die beheizten Gehwege des schneebedeckten Spas mit einem herrlichen Blick auf das weitläufige Areal ist der erholsame Wintertraum perfekt.

 

Die Sacacomie-Lodge als Filmkulisse

Sacacomie verfügt über 109 Zimmer sowie 16 Veranstaltungsräume für bis zu 350 Personen. Das prächtige Holzhotel diente bislang in mehr als drei Dutzend Kinofilmen als Kulisse. Der Bogen spannt sich von „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ und „Dr. Doolittle“ über „Babel“ mit Brad Pitt, „Walk the line“ mit Reese Witherspoon und „Der Aviator“ mit Leonardo DiCaprio bis hin zu „My big fat Greek wedding“ und „A midsummer nights dream“ mit Michelle Pfeiffer und Kevin Kline.

 

REISEINFOS

Anreise: Air Canada bietet täglich Direktflüge ab Frankfurt nach Montreal. (Informationen im Internet unter www.aircanada.com), die Lufthansa fliegt ganzjährig von München.
Bus und Bahn: In der Provinz Québec gibt es ein gut ausgebautes Busund Bahnnetz. Informationen über Strecken, Fahrpreise und Abfahrtszeiten erteilen Via Rail Canada (www. viarail.ca) und Orléans Express (www. orleansexpress.com).
Einreise: Der Reisepass muss mindestens noch sechs Monate gültig sein
Zeitdifferenz: Minus sechs Stunden zur mitteleuropäischen Zeit
Sprache: Alleinige Amtssprache ist Französisch, aber auch Englisch ist weit verbreitet.
Unterkunft: Hotel Sacacomie, 4000 Chemin Yvon-Plante, St-Alexis-des-Monts, Québec, Kanada JOK 1VO, Tel.+819 265 4444, www.sacacomie.com. Das 1998 eröffnete Vier-Sterne-Holzhotel bietet je nach Größe und Ausstattung Zimmer mit Frühstück ab 118 Kanadischen Dollars (rund 83 Euro) beziehungsweise mit Vollpension ab 140 Kanadischen Dollars. Im hoteleigenen Restaurant Maison du Lac kommt eine hervorragende regionale Küche mit einer Portion Pfiff auf den Tisch.
Lage: Sacacomie liegt inmitten eines 500 Quadratkilometer großen Areals am gleichnamigen See. Die nächstgelegene Stadt, Saint-Alexis-des-Monts, ist rund 14 Kilometer entfernt.
Anfahrt: Von Montreal ist Sacacomie über den Highway 40 East in Richtung Trois-Riviéres, dann von der Ausfahrt 166 Richtung Louisville und von dort weiter über Route 349 in nördlicher Richtung via Saint-Paulin und Saint-Alexis-des-Monts zu erreichen.
Weitere Informationen: Destination Québec, c/o Lange Touristik-Dienst, Postfach 200247, D-63469 Maintal, Tel. +49 1805 526232, Internet www.bonjourquebec.com/de.

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