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Kampusch trifft Lauda im TV: Nette Plauderei

Natascha Kampusch gibt am Sonntagabend ihr Debüt in ihrer neuen Rolle als TV-Talkerin. Auf dem Privatsender Puls 4 versucht sich das international bekanntgewordene Entführungsopfer als Gastgeberin in ihrer eigenen Show "Natascha Kampusch trifft".  

Mit Niki Lauda als ersten Gast konnte sich die 20-Jährige wohl kaum einen angenehmeren Gesprächspartner aussuchen. Der medienversierte Lauda trägt das rund 40-minütige Gespräch, in dem er von seiner Kindheit, von seinem Formel 1-Unfall und der Liebe zu seiner Freundin Birgit erzählt.

Im Vorfeld von Psychologen und Medienexperten geäußerte Befürchtungen, Kampusch könnte sich in dieser für sie ungewohnten Rolle als Moderatorin bloßstellen, bewahrheiten sich nicht. Sie wirkt schüchtern, aber charmant. Über Unsicherheiten hilft ihr Lauda unkompliziert hinweg. Der 59-Jährige ist stets bemüht, Verknüpfungspunkte zwischen seinem Schicksal und dem des Entführungsopfers herzustellen: “Wir haben beide auf verschiedene Arten Extreme erlebt.”

Kampusch selbst ist mit einer geschulten Moderatorin freilich nicht zu vergleichen. Schon ihre erste Frage an den ehemaligen Formel 1-Fahrer lässt den Zuschauer die Stirn runzeln. “Ihnen macht es nichts aus, bei der ersten Sendung dabei zu sein. Wieso?”, fragt die hübsche Wienerin. Lauda antwortet, es habe ihn interessiert, weil er glaubt, dass “die Sendung sicher anders sein wird” und es sich nicht um ein traditionelles Interview handelt. Das ist es auch nicht, wie das “Pre-Screening” vor Journalisten am Freitagabend gezeigt hat. “Natascha Kampusch trifft” ist eine nette Plauderei, in der Lauda’s schon hundertfach medial beleuchteter Unfall im Jahr 1976 einen etwas zu großen Raum einnimmt.

Wer hofft, mehr über Natascha Kampusch zu erfahren, wird enttäuscht. Auf Laudas Abschlussfrage, was sie in den nächsten Jahren am liebsten erleben möchte, worauf sie sich freut, antwortet die 20-Jährige zum Beispiel lediglich: “Es gibt so viele Dinge. Ich will alles erforschen.” Gegenfragen des ehemaligen Formel 1-Fahrers nach ihrem Schicksal zu beantworten fällt Natascha Kampusch sichtlich nicht leicht. “Eventuell wollte er mich auch umbringen”, erzählt sie über ihren Entführer Wolfgang Priklopil. Was ihr passiert sei, habe sie aber bereits während der Gefangenschaft verarbeitet, weil sie ein ” sehr reflektierte Mensch” sei und “das schnell” mache.

Die Sendung auf Puls 4 ist für Kampusch ein Experiment, das zunächst auf sechs Sendungen angelegt ist, sagte ihr Medienberater Dusan Uzelac. Kampusch selbst war zur Präsentation ihrer ersten Show nicht erschienen, mit der Begründung, sie habe bereits im Vorfeld so viele Interviews gegeben. Kampusch sieht ihr Engagement für den neuen Privatsender als “Möglichkeit zur Ausbildung”, so Uzelac, weshalb sie für die Sendungen auch kein Honorar bekommt , sondern lediglich eine “Aufwandsentschädigung”.

Sollte Puls 4 Teile der Sendungen an andere Fernsehstationen verkaufen, bekommt Kampusch aber den Großteil des Erlöses, räumte Senderchef Markus Breitenecker ein. Welche Quote er sich mit der ersten Talkshow erwartet, wollte Breitenecker nicht verraten. Sie soll über Senderschnitt liegen und der bewegt sich bei 1,1 Prozent Marktanteil. Auch über den Termin der Folgesendung oder die nächsten Gäste wollte man keine Auskunft geben. Nur soviel: Sie müssen nicht immer ein “Opferschicksal” im Gepäck haben, so Sendungsverantwortliche Sandra Mrkwa. Das eigene Image als Opfer abzulegen ist auch Natascha Kampuschs innigster Wunsch an die Sendung, verriet ihr Medienberater. Vorangegangen sei der Idee zur Sendung die Frage der 20-Jährigen: “Glauben Sie nicht, dass ich mehr Wert bin, als nur ein Mädchen aus dem Keller zu sein?”

Die erste Sendung wird am 1. Juni um 20.15 Uhr auf Puls 4 ausgestrahlt und am 3. Juni um 22.15 Uhr wiederholt.

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