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Kampusch in ORF-Doku: Peiniger tut ihr "immer mehr leid"

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Am Montagabend, drei Tage vor dem Jahrestag ihrer Flucht, spricht Natascha Kampusch in einem ORF-Beitrag über ihren Entführer und Peiniger Wolfgang Priklopil. Ihr Bild von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil habe sich im vergangenen Jahr nicht verändert.   

Dies erzählte die heute 19-jährige Wienerin in Ausschnitten, die vorab auf der Internetseite orf.at veröffentlicht wurden. „Was ich nur sagen kann, ist, dass er mir nach und nach immer mehr leidtut.“

Priklopil sehe sie als eine „arme Seele, verloren und fehlgeleitet“, erzählt Natascha Kampusch im „Thema Spezial“, zu sehen am Montag ab 21.05 Uhr in ORF 2. „Das, was er mir antat, ist einfach weiter in die Ferne gerückt, und es verblasst zwar nicht und es kommt immer wieder hoch, und ich versuche einfach, so gut wie möglich mit diesen Erinnerungen umzugehen und sie auch aufzuarbeiten.“

Sie wolle das Beste aus ihrer jetzigen Situation machen. Das habe sie auch in den acht Jahren ihrer Gefangenschaft gemacht. „Man soll nicht Böses mit Bösem vergelten“, sagte die 19-Jährige zu ORF-Journalist Christoph Feurstein.

Als Zehnjährige wurde Natascha Kampusch im März 1998 auf dem Schulweg entführt und achteinhalb Jahre in einem Kellerverlies gefangen gehalten. Am 23. August 2006 entkam sie in einem unbeobachteten Moment. Ihr Peiniger Wolfgang Priklopil beging unmittelbar danach Selbstmord.

Sie habe einmal zynisch gemeint, sie werde auf seinem Grab tanzen, erzählte Kampusch laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. „Das war natürlich nicht der Fall, aber es war schon auch eine gewisse Genugtuung dabei, so eine Art Sieg, so im Sinne von: Es war immer klar, es konnte nur einen von uns beiden geben, und ich war das letztendlich und er nicht“. Sie habe sich an seinem Sarg von Priklopil verabschiedet. Die Scheu vor anderen Menschen habe sie „ein klein wenig“ verloren, so die junge Frau. „Anfänglich hatte ich recht schnell, wenn mich jemand ansprach oder ich ein lautes Geräusch vernahm, einen Schreckmoment, und mir ist es danach recht schlecht gegangen.“

„Jetzt geht es mir sukzessive besser, obwohl ich noch immer recht schreckhaft bin und ich immer noch meine Kreislaufprobleme habe“, meinte sie im ORF-Interview. Schwierig sei es mit Vertrauen: Es werde wohl sehr lange dauern, bis sie jemandem voll vertrauen könne.

Auch zu ihrem Bild in den Medien äußert sich die 19-Jährige in dem Beitrag. „Sie werden mich selten oder überhaupt gar nie in der Öffentlichkeit weinen sehen oder schluchzen, zusammenbrechen“, betonte sie. „Das regle ich für mich privat.“ Sie sehe sich allerdings nicht als die starke Figur, als die sie dargestellt werde und wünsche sich, dass die Menschen mit ihr „etwas sensibler“ umgehen „und nicht irgendwie drauflosfotografieren“ würden.

Sie sei kein Superstar, so Natascha Kampusch. Als Kind habe sie so etwas ähnliches werden wollen wie ein Hollywood-Star. Die Medien wollten aus ihr allerdings so eine Art Partyluder oder einen „Mausi-Lugner-Paris-Hilton-Verschnitt“ machen. Laut Reuters äußerte sich die 19-Jährige auch zu kurzem veröffentlichten Bildern, die sie mit einem jungen Mann zeigen: Das es sich dabei um ihren ersten Freund handle sei eine Zeitungsente. „Das ist eben das Witzige daran, weil die wissen das ja nicht und behaupten das einfach so“, meinte sie.

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