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Kairo: Verhandlungen mit Entführern von Touristen im Gange

Das Schicksal der im Grenzgebiet zwischen Ägypten und dem Sudan verschleppten Touristen blieb auch am Dienstag ungewiss. Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es, die 19 Teilnehmer einer Wüstensafari, darunter fünf Deutsche, würden noch in der nordsudanesischen Wüste festgehalten. [Video im Text]

Die Reisegruppe, zu der auch fünf Italiener, eine Rumänin und acht Ägypter gehören, war am vergangenen Freitag an der unbefestigten “gelben Grenze” in der Wüste zwischen Ägypten und dem Sudan überfallen worden. In ägyptischen Medienberichten war von vier bewaffneten Angreifern die Rede.
Sowohl die ägyptischen Vertreter als auch Mitarbeiter des deutschen und des italienischen Außenministeriums verhandelten derzeit mit den Entführern, hieß es in Kairo. Berichte aus Oberägypten, wonach die elf Urlauber und ihre acht Begleiter am Montag freigelassen wurden, bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin nicht. “Wir gehen nach wie vor von einer Verschleppung aus”, sagte ein Sprecher. “Wir sind intensiv bemüht, den Fall zu lösen.” Ob mit den Entführern verhandelt wird und ob Lösegeld gezahlt werden soll, wollte er nicht sagen.
Der ägyptische Tourismusminister Suheir Garana erklärte, der deutsche Botschafter in Kairo, Bernd Erbel, habe ihm gesagt, die deutsche Regierung verhandle mit den Entführern über die Zahlung eines Lösegeldes, um die Freilassung aller Teilnehmer der Reisegruppe zu erreichen. Er habe ihm gegenüber zudem Berichte dementiert, wonach die Kidnapper gedroht haben sollen, die Entführten zu töten, falls man ihre Bewegungen in der Wüste per Flugzeug überwachen sollte. In ersten Berichten war von Lösegeld-Forderungen zwischen sechs Millionen ägyptischen Pfund (783.000 Euro) und 15 Millionen US-Dollar die Rede gewesen.
Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kairo, die Entführer stammten möglicherweise aus dem Tschad. Den sudanesischen Behörden liegen noch keine Informationen über die Entführung vor. “Im Grenzgebiet wurde in den vergangenen Stunden nichts Verdächtiges bemerkt”, zitierte die Zeitung “Al-Sharq Al-Awsat” am Dienstag einen Sprecher im Wadi Halfa.
Für Touren in die Einsamkeit der westlichen Wüste Ägyptens müssen Reiseveranstalter von den Sicherheitskräften eine Sondergenehmigung einholen. Die Touristen waren am 16. September mit dem lokalen Reisebüro Aegyptus von der Oase Dachla aus aufgebrochen. Der Chef des kleinen Reiseveranstalters wurde zusammen mit den Urlaubern entführt. Die Entführung war nur deswegen bekanntgeworden, weil es ihm gelang, seine deutsche Frau über ein Mobiltelefon anzurufen. Nach Angaben des italienischen Außenministeriums rief der Reiseveranstalter am Montagabend erneut an und berichtete, die verschleppte Gruppe sei in den Sudan gebracht worden. Auch ein Offizier, der aus Sicherheitsgründen zur Begleitung der Reisegruppe abgestellt worden war, wurde verschleppt.
Zwei der verschleppten Italiener sind über 70 Jahre alt, einer 68. Sie sollten nach Angaben des italienischen Veranstalters, der die Tour für die Italiener bei dem ägyptischen Reiseanbieter gebucht hatte, ursprünglich am Sonntag nach Hause fliegen. Den letzten großen Angriff auf Urlauber aus dem Ausland gab es am Nil 1997. Bei dem Massaker von Luxor wurden 58 Menschen von militanten Islamisten getötet. 36 Opfer kamen aus der Schweiz und drei aus Deutschland. Der Tourismus ist die Hauptdevisenquelle und einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Ägyptens.


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