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Kahn ist der peinlichste Deutsche

Was viele geahnt haben, ist jetzt „amtlich“: Oliver Kahn ist laut einer Umfrage der TV-Zeitschrift Bildwoche der „peinlichste Deutsche“.

Dicht folgte dem Torwart des FC Bayern München das Society-Paar Tatjana Gsell und Ferfried Prinz von Hohenzollern. Dieter Bohlen landete immerhin noch auf Platz drei.
Gleich 39 Prozent gaben Kahn die Stimme. Der Sportler konnte vor allem mit seinen privaten Affären und Ausrastern auf dem Spielfeld punkten.


HINTERGUND:

Was ist uns besonders peinlich?
Auch die Soziologie hat sich mit dem Peinlichen auseinander gesetzt. Eine der grundlegenden Studien stammt von Dr. Michael Hallemann. Seine Fragestellung: Welche Situationen finden Menschen im Allgemeinen peinlich?

Dr. Hallemann hat dafür eine breit angelegte Umfrage gestartet, mit insgesamt über 2000 Befragten. Sie sollten aus einer Liste mit 30 Standardsituationen die heraus suchen, die ihnen auch peinlich wären. Die Beispiele reichten von “Sie werden in aller Öffentlichkeit geohrfeigt.” bis “Sie haben sich beim Telefonieren verwählt.” Interessanterweise beurteilten die Befragten die Situationen nicht so sehr nach der Art des “Fauxpas”, sondern vielmehr nach der Umgebung, in der er stattfinden sollte. “Verwählen” wurde deshalb nur von 12% als peinlich eingestuft: Diese Ungeschicklichkeit findet nicht vor Publikum statt. Die “Ohrfeige” hingegen soll sich ausdrücklich “in der Öffentlichkeit” zutragen: Diese Situation wurde von 79% aller Befragten ausgewählt, und war damit absoluter Spitzenreiter unter den Peinlichkeiten.

Der Soziologe begründet diesen Umstand mit einem tiefer liegenden Phänomen: der “Isolationsangst”. Menschen scheinen grundsätzlich das Bedürfnis zu haben, ein integrierter Bestandteil der Gesellschaft zu sein, in der sie leben. Die peinliche Situation aber, hebt sie aus diesem Kreis auf unangenehme Weise heraus. So kommt es denn, dass auch solche Situationen von vielen als peinlich eingestuft werden, in denen der Betreffende durch etwas Positives auffällt. Ein Kind vor dem Ertrinken gerettet zu haben und dann vom Reporter der örtlichen Zeitung fotografiert zu werden, wäre immerhin 27% der Befragten peinlich. Die Studie förderte aber auch deutliche Unterschiede zu tage. Je älter nämlich die Befragten waren, umso mehr Situationen schienen ihnen peinlich. Und Frauen scheinen generell ein stärkeres Peinlichkeitsempfinden zu haben als Männer.

Nach Auswertung der ersten Daten, die in Deutschland erhoben worden waren, stellte sich die Frage, ob die Ergebnisse auch auf andere Länder und Kulturen übertragbar wären. Die gleichen Fragen wurden deshalb auch Engländern, Spaniern und Koreanern vorgelegt. Während die Ergebnisse sich innerhalb Europas noch weitestgehend ähnelten, fiel im Vergleich zu Korea eine deutlich andere Gewichtung des Begriffs “Peinlichkeit” auf. Die sprichwörtliche Angst, sein “Gesicht zu verlieren”, scheint dort tatsächlich im Vordergrund zu stehen. Im Gegensatz zu den Deutschen empfanden es die koreanischen Befragten z.B. als besonders schlimm, auf der Straße von einem Fernsehreporter mit laufender Kamera angesprochen zu werden. 74% der Koreaner, aber nur 28% der Deutschen votierten für diese Situation. Also hat Peinlichkeit auch eine deutliche kulturelle Färbung.

(Quelle: Salim Butt – Westdeutscher Rundfunk)

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