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Kahlschlag bei Opel

Der US-Konzern General Motors (GM) stößt mit seinen Plänen zum Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen bei Opel in Deutschland auf harten Widerstand. In Bochum legten die Angestellten bis auf weiteres das Opel-Werk lahm.

Die Gewerkschaft IG Metall droht mit Streik.

„Die Produktion geht erst weiter, wenn die Signale heißen: Der Abbau von Arbeitsplätzen ist vom Tisch, keine betriebsbedingten Kündigungen und Erhalt des Werks über 2010 hinaus“, sagte der Bochumer Betriebsrat Lothar Marquardt am Freitag. Das europäische Verteillager war ebenfalls stillgelegt.

Der amerikanische Autobauer GM will bei seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall innerhalb von zwei Jahren 12.000 der über 60.000 Stellen streichen. Vom Abbau am meisten betroffen ist Deutschland. GM schreibt in Europa seit fünf Jahren rote Zahlen.

Der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Peter Forster sagte am Freitag in Rüsselsheim, man habe die Sparvorschläge in der Sitzung des Aufsichtsrats „in groben Zügen andiskutiert“. Der Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen sei „kein Dogma“. Der Konzern habe damit nur „die Größe eines Problems geschildert“.

Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) appellierte an die Bochumer Opel-Mitarbeiter, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Sie sollten nicht zusätzliche Unsicherheit schaffen, sagte er. Öffentliche Finanzspritzen für Opel lehnte er ab. Bundespräsident Horst Köhler machte für die Krise Managementfehler mitverantwortlich.

Das Traditionsunternehmen Opel ist nach Einschätzung von Experten in die Krise geraten, weil zu Gunsten eines rigiden Sparkurses die Qualität vernachlässigt worden war. Darunter leide das Image der Marke noch heute. Auch Trends wie der Vormarsch der Dieseltechnologie seien von Opel lange ignoriert worden.

Zudem habe GM binnen weniger Jahre aus Detroit – dem Hauptsitz des weltgrößten Autoherstellers – immer wieder neue Chefs nach Rüsselsheim geschickt. Deren Kenntnisse des deutschen Marktes wurden von Betriebsrat und Autoexperten immer wieder angezweifelt.

Unterdessen warb GM am Freitag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen in Deutschland um Verständnis für das Sanierungsprogramm. GM werde auch weiterhin in Deutschland und Europa Autos entwickeln und herstellen, schrieb der Konzern.

Die Schweizer Gewerkschaft SMUV am Freitag hat an ihrem Delegiertenkongress in Basel ihre Solidarität mit den Opel-Angestellten bekundet. Es könne nicht sein, dass auf Grund von Ideenlosigkeit, tausende Arbeiter ihrer Existenzgrundlage beraubt würden. Die Gewerkschaft befürchtet, dass „selbst in der Schweiz einige hundert Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie bedroht sind“.

Der Autozulieferer Rieter, der Industriekonzern Georg Fischer oder die Kunststoffherstellerin Sarna sehen sich allerdings von den Sanierungsmaßnahmen kaum betroffen. Bei Rieter beläuft sich der Umsatz mit Opel gemäß Konzernchef Hartmut Reuter auf weniger als ein Prozent des Umsatzes im Automobilbereich.

Georg Fischer liefere zwar an Opel, aber insgesamt nur wenig, sagte ein Sprecher. Auch habe Georg Fischer mehrjährige Lieferverträge. Bei Sarna geht man davon aus, allenfalls einfach an einen anderen Standort liefern zu müssen.

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