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Jury kontrolliert ab sofort Kurssetzung im Super-G

Der Fall Matthias Lanzinger hat zu einer weiteren Neuerung im alpinen Skiweltcup der Herren geführt. Ab sofort kontrolliert die Rennjury die Kurssetzung im Super-G und korrigiert notfalls die Streckenführung.

Erstmals war das vergangenen Sonntag in Lake Louise (Kanada) geschehen, wo man gleich 15 der 38 Tore des vom Amerikaner Chris Brigham extrem schnell gesetzten Rennens so änderte, dass die Fahrer etwas eingebremst wurden. Dennoch verwendeten die meisten Abfahrts-Ski. Das Rennen endete bekanntlich mit dem Comebacksieg von Hermann Maier.

Vergangenen März war Lanzinger im superschnell gesetzten Super-G von Kvitfjell in Norwegen schwer gestürzt, ihm hatte im Spital ein Unterschenkel amputiert werden müssen. Danach hatte es Kritik am Abtransport und der medizinischen Versorgung gegeben, der Vorfall hat eine intensive Sicherheitsdiskussion im Skirennsport in Gang gesetzt.

Hatte man beim ersten Saison-Super-G in Kanada noch spontan reagiert, war in Beaver Creek die Jury-Inspektion des unmittelbar nach der Abfahrt ausgeflaggten und für Samstag (19.00 MEZ) geplanten Super-G bereits obligatorisch. Auch die Fahrer selbst waren eingeladen, an der Kontrolle teilzunehmen. “In Kanada war ich echt betroffen und frustriert, dass man trotz der Vorgeschichte wieder so einen schnellen Super-G gesetzt hatte. Gottseidank hat die Jury sofort und richtig reagiert”, erinnerte sich ÖSV-Herrenchef Toni Giger.

Während die schnellste Disziplin Abfahrt längst durchgehend von einem FIS-Verantwortlichen gesetzt werden, wird für jeden Super-G ein Trainer einer anderen Nation für die Kurssetzung ausgelost. Damit sind taktischen Varianten Tür und Tor geöffnet. Hat der Coach viele Abfahrtsspezialisten am Start, wird meist schnell gesetzt bzw. umgekehrt, wenn die Streckenführung starken Technikern im eigenen Team entgegenkommen soll. Auch die zweitschnellste Alpin-Disziplin künftig von einem Vertreter des Ski-Weltverbandes (FIS) setzen zu lassen, lehnt Renndirektor Günter Hujara aber ab.

Die Fahrer selbst sehen das Thema höchst unterschiedlich. Technik-Spezialist Benjamin Raich hatte das Rennen in Kanada trotz der Entschärfung als “schnellsten Super-G, den ich je gefahren bin”, empfunden. Sein Teamkollege Hannes Reichelt hatte alleine die Diskussion am Start um die Verwendung von Abfahrts-Ski im Super-G als “falschen Ansatz” bezeichnet. Abfahrer wie Michael Walchhofer oder auch Maier selbst plädieren hingegen für die Beibehaltung eines gewissen Schwierigkeitsgrades, der auch hohes Tempo inkludiert.

ÖSV-Abfahrtstrainer Andreas Evers kennt die Problematik bestens. “Der Super-G ist nun einmal ein an die Abfahrt angelehnter Speed-Event. Der Sport muss spektakulär bleiben. Es darf nur nicht so sein wie in Kvitfjell, wo doch einige brenzlige Passagen eingebaut waren”, meinte Evers, der kommende Woche den Super-G bei der Superkombination in Val d’Isere setzen wird.

Dort wie auch diesen Samstag auf der Raubvogelpiste in Beaver Creek zwingt das extrem steile Gelände aber ohnehin zu einer “runden” Kurssetzung. “Alles andere wäre hier auch lebensgefährlich”, meinte Reichelt, der die letzten zwei Super-G in Beaver Creek gewonnen hat.

Maier ist eher ein Verfechter von anspruchsvollen Speedrennen. Und das, obwohl der Salzburger nach seinem Motorradunfall mit einem deformierten Bein und seit Wochen mit Rückenwirbelproblemen an den Start geht und am kommenden Sonntag bereits 36 Jahre alt wird. Dafür bekam der Salzburger Donnerstagabend bei der öffentlichen Startnummern-Präsentation für die Abfahrt in Beaver Creek von seinem Landsmann Franz Klammer, der selbst Tags zuvor 55 geworden war, eine Torte überreicht. Maier ging mit der Nummer zehn in die BC-Abfahrt. Mit dieser Nummer hatte er in Lake Louise den Super-G gewonnen.

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