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Jugendlichen Orientierung geben

Das "Ambulant betreute Wohnen" der IfS-Fachgruppe Sozialpädagogik verhilft Jugendlichen in Schwierigkeiten zu einem höchstmögliches Maß an Autonomie. "Wir sind mit unseren 22 Plätzen voll und führen eine Warteliste".

Die Volksweisheit, der Apfel falle nicht weit vom Stamm, ist für Martin Brüstle falsch. Als Leiter des „Ambulant betreuten Wohnens“ (AbW) der IfS-Fachgruppe Sozialpädagogik weiß er um die Individualität Heranwachsender und ihrer Probleme: Es gibt Jugendliche, die Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden haben und die ihr Leben gänzlich anders organisieren wollen wie ihre Eltern. Folgen können große Irritationen auf beiden Seiten bis hin zum Bruch des Familienverbandes sein.

Das AbW ermöglicht es Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahre, in einem betreuten Rahmen ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln und vor allem auch Orientierung zu finden. Rund zwei Drittel sind Mädchen, ein Drittel Burschen. Die Nachfrage ist groß: „Wir sind mit unseren 22 Plätzen voll und führen eine Warteliste“, erklärt Brüstle.

Dabei ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den letzten Jahren gesunken. Die Herabsetzung des Alters der Volljährigkeit ist ein Grund. Ein anderer, dass die Eltern erfolgreich verstärkt eingebunden werden – neben regelmäßigen Gesprächen unter anderem auch durch eine monatliche Elterngruppe. Brüstle: „Sie kennen ihre Kinder am besten. Dabei geht es nicht nur darum, die aktuellen Konflikte anzusprechen, sondern auch die grundsätzlichen Vorstellungen und Werte, die vom Elternhaus mitgegeben wurden. Dadurch können wir die Jugendlichen wiederum besser verstehen und betreuen.“

Die Frage nach dem Erfolg definiert Brüstle anhand von drei Punkten: Ob die Jugendlichen nach der Betreuung „wirklich eigenständig leben können“ – also ohne weitere Unterstützung des Sozialsystems auf eigenen Beinen stehen und mit dem eigenen Geld auskommen; finden Eltern und Kinder auf einer vernünftigen Gesprächsbasis wieder zusammen?; sind die Jugendlichen in den Arbeitsprozess eingegliedert bzw. haben sie ihren Schulabschluss geschafft?

Während der ambulanten Betreuung haben die Jugendlichen Gelegenheit, in einer Wohnung gemeinsam mit einem zweiten Jugendlichen eine geregelte Tagesstruktur zu finden. Durch so alltägliche Dinge wie Einkaufen, Kochen oder Putzen werden die Eigenverantwortung gestärkt und der Abnabelungsprozess in eine geregelte Bahnen gelenkt. Es gehe ja nicht darum, so Brüstle, ein Kind „repariert“ an die Eltern zurückzugeben, sondern ihm auf dem Weg in die Selbstständigkeit über die oftmals gravierenden persönlichen Schwierigkeiten hinwegzuhelfen.

Wichtig ist Brüstle, in einem bestimmten Rahmen Verständnis und Toleranz der Eltern zu wecken: „Die Jugendlichen leben mit vielen Widersprüchen und suchen Orientierung – die Erwachsenen sollen ihnen dafür Orientierungspunkte geben. Grundsätzliche Erziehungsfragen wie zum Beispiel Schulbesuch oder Entscheidungen wie der Wechsel einer Lehrstelle werden deshalb immer im gemeinsamen Gespräch mit Eltern, den Kindern und uns geklärt.“ Ebenso wichtig ist der Dialog mit der Jugendwohlfahrt der Bezirkshauptmannschaften: „Sie sind unser Erstkontakt und Systempartner.“ Die Jugendwohlfahrt als Vermittler kennt das Umfeld: „Dadurch ergeben sich lebendige Diskussionen zum Wohl unserer jungen Klienten.“

Der überwiegende Teil der Eltern ist bereit, sich mit der Situation konstruktiv auseinanderzusetzen, betont Brüstle, und erlebten das AbW als Unterstützung: „Viele Eltern sind froh, in einer ersten Phase selbst wieder zur Ruhe zu kommen.“ Dieses Modell hat sich bewährt, kann abschließend gesagt werden.

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