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Johannes Rauch sieht für Grüne "noch Luft nach oben"

Vorarlbergs Grünen-Spitzenkandidat Johannes Rauch will bei der Landtagswahl 2009 zu den bestehenden vier Sitzen ein Mandat hinzugewinnen und die FPÖ als Regierungspartner der ÖVP ablösen.

Die Grünen lägen “relativ stabil” bei zehn Prozent, “jedes Zehntelprozent darüber muss man sich hart erarbeiten”. Der Plafond ist für ihn aber nicht erreicht: “Es gibt noch Luft nach oben”. Es gebe allerdings viele Unwägbarkeiten, etwa die Kandidatur der “Gsiberger”. “Das könnte uns das fünfte Mandat kosten und die ÖVP-FPÖ-Regierung sichern”, so Rauch im Interview mit der APA.

Wenn es zu Verlusten bei der Wahl kommen sollte, werde er die Vertrauensfrage stellen, er gehe aber nicht von einem Rücktritt aus, so der Grünen-Sprecher. Dennoch “könnte es meine letzte Periode im Landtag sein, 2014 gibt es möglicherweise einen neuen Spitzenkandidaten oder eine neue Spitzenkandidatin”, sagte der 50-Jährige. Wer ihm folgen könnte, wollte Rauch nicht sagen, nur so viel: “Es gibt sehr talentierten Nachwuchs”.

Es sei klar, dass die ÖVP am 20. September 2009 die stimmenstärkste Partei sein werde, den Landeshauptmann stelle und dass dieser Sausgruber heißen werde. “Die entscheidende Frage ist, wer bestimmt den Kurs mit?”, so Rauch. Nach seiner Einschätzung werde die ÖVP “mit hoher Wahrscheinlichkeit” mit der FPÖ weiterregieren. “Die sind bequem und billig zu haben”, meinte Rauch. Er aber wolle die ÖVP vor die “Nagelprobe” stellen, ob sie mit der “Strache-FPÖ” zusammenarbeiten wolle, oder mit einer Partei, “die innovativ neue Ideen einbringt”. Während die FPÖ für Ausgrenzung stünde, verkörperten die Grünen einen “Klimawandel” der Offenheit und Zuversicht.

Man müsse zu Rechts eine Perspektive aufzeigen und in Bildung, soziale Gerechtigkeit und die “weltweite Zukunftsbranche” der Energietechnologien investieren, die für Vorarlberg 5.000 Jobs bringen könnten, so Rauchs Rezept. Bei Jugendlichen, die heuer erstmals ab 16 wählen können, sei Arbeitslosigkeit “massiv Thema”. “Viele haben das Gefühl, dass sie die Zeche zahlen für die Krise, den Umbruch”, erklärte er.

In einer “Umbauphase” sieht er als Mitglied des Bundesparteivorstands auch die Grünen bundesweit. Nach dem Abgang Van der Bellens sei klar gewesen, dass der Neuorientierungs-Prozess länger dauern und “nicht schmerzfrei” sein werde. Hinsichtlich der Profilschärfung “gibt es einiges zu tun”, so Rauch. Die Bundesspitze, eine “gute Teamlösung”, investiere gemeinsam mit den Landesorganisationen darin viel Arbeit. Die anstehenden Landtagswahlen bedeuteten jedoch “entscheidende Wochen und Monate”. Die Grünen hätten seit 2006 keine Wahl mehr gewonnen, man hoffe, es gelinge, den Trend zu drehen. Auf mögliche höhere Parteiweihen angesprochen erklärte er, er habe seinen Job im Land, über den Rest entscheide er nach der Wahl.

Im Vorarlberger Wahlkampf setzt Rauch auf die Straße – geplant sind 40.000 Hausbesuche – und auf das Internet. “Der Hauptteil unserer Infos läuft inzwischen über Mail und Newsletter”, so Rauch, der das Web für “völlig unterschätzt” hält. “Was zunehmend wichtiger wird: Politik ist keine Einbahnstraße in der Kommunikation”, betonte Rauch. Viele Leute seien bereit, ihre E-Mail-Adressen herzugeben und sich im Netz Informationen zu holen. “Super gelaufen” sei etwa die Plattform www.vielstimmig.at, über die man rund 500 Rückmeldungen erhalten habe.

Mit den Zugriffen sei man zufrieden, das müsse man sich aber erst aufbauen. “Wir haben fünf Jahre Arbeit in die Adressenpflege investiert”, berichtete Rauch. Im Internet könne man auch eine bessere Individualisierung erreichen, denn im Wahlkampf wolle er auch vermitteln “wer ist der Mensch an der Spitze?”, so Rauch.

Die ersten Grünen-Wahlplakate sorgten wegen ihres Minimalismus – nur der Aufdruck “www.mit-uns-gerecht.at” auf grünem Grund – für Verwunderung. “Wir wollten diesen Wahnsinn nicht mitmachen”, erklärte Rauch, der überhaupt keine Großplakate aufstellen lassen wird. Einerseits habe man nicht die Mittel für eine “Materialschlacht”, andererseits halte er Plakate für überschätzt. Die Grünen werden die Wahlkampfkosten der übrigen Parteien beobachten und eine Aufstellung online veröffentlichen.

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