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Jasper Johns wird 75

Seit jeher legt es Jasper Johns darauf an, seine Betrachter aus der Reserve zu locken. Auf einige Werke setzte der Pop-Art-Pionier Holzboxen mit Klapptüren, die sich wie in einer Peepshow öffnen.

Zum Vorschein kommen dann Körperteile aus bemaltem Gips: ein Fuß, Gesicht, Ohr, Penis oder eine Nase. Solche Ideen wirkten elektrisierend auf die sich entwickelnde Minimal- und Concept-Art der 1960er Jahre. Eva Hesse, ebenfalls eine zentrale Figur der Kunst des 20. Jahrhunderts, bescheinigte Johns damals „Erotik im Umgang mit Materialien“.

Als eines seiner Bilder zum ersten Mal das teuerste eines lebenden Künstlers wurde, fühlte Johns, der an diesem Sonntag (15. Mai) 75 Jahre alt wird, „nichts als Amüsement“. Er hatte „Three Flags“ 1959 für 900 Dollar verkauft. Die Eigentümer veräußerten es 1980 für eine Million Dollar an das New Yorker Whitney Museum. Heute bringen seine Arbeiten regelmäßig Millionenbeträge ein, meistens sogar zweistellige. So wurde sein Ölgemälde „False Start“ schon Ende 1988 für 17 Millionen Dollar von Sotheby’s in New York versteigert.

Pop Art bleibt

Damit war endgültig bewiesen, dass Pop Art trotz gegenteiliger Prognosen von Kritikern kein abseitiger, rasch vorübergehender Modetrend war. Johns war, in sehr jungen Jahren und praktisch ohne künstlerische Ausbildung, einer der „Gründerväter“ gewesen. Als 33-Jähriger hatte er erstmals im renommierten Jewish Museum in New York sein „Lebenswerk“ ausgestellt. Jetzt war er, ebenso wie eine Reihe anderer Maler vor allem aus den USA, weltberühmt und wurde außer mit hohen Kaufpreisen auch mit Ehrungen überschüttet.

Dabei war er praktisch aus dem Nichts gekommen, aus Augusta im Südstaat Georgia. Der Sohn eines Farmers verbrachte seine ersten Lebensjahre bei den Großeltern, da seine Eltern sich gleich nach seiner Geburt trennten. 1949 ging er nach New York, besuchte für nicht allzu lange Zeit eine kommerzielle Kunstschule und ging dann zur Armee, unter anderem auch nach Japan. 1954 lernte er in New York Robert Rauschenberg kennen – eine entscheidende Begegnung, obwohl beide ihr Geld zunächst als Schaufensterdekorateure verdienten. Sie wurden Nachbarn, und Johns fing neu an: Bis auf vier Bilder zerstörte er 1954 sein gesamtes früheres Werk.

Provokante Werke

Sehr bald darauf begann er in der New Yorker Kunstszene und bei der Kritik in ganz Amerika Aufsehen zu erregen mit großformatigen, grell-plakativen Gemälden. Der Prophet des Pop zeigte Zielscheiben und Flaggen in vielfacher Zersplitterung und Verfremdung: „Is it a flag, or is it a painting?“, hieß seine oft zitierte provozierende Frage. Magritte, Duchamp, Picasso und Cezanne nannte er unter seinen Vorbildern.

Im Lauf der Jahrzehnte änderte der Maler, der in New York und auf wechselnden Landsitzen zurückgezogen lebte, seine Schwerpunkte. In den 80er Jahren „steckte er den Kopf aus dem Boden“, wie es ein Kritiker formulierte, als er bei neuen Ausstellungen weitgehend autobiographische Bilder zeigte. Auch dabei allerdings vermied er Bekenntnisse sorgsam. John Russel schrieb damals in der „New York Times“: „Wenn einige seiner Bilder ein ganzes Leben erfordern, um sie zu enträtseln, so ist das ein nützlich verbrachtes Leben.“

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