Japan: Zwischenfall in Atomkraftwerk

Bei einem Unfall in einem japanischen Atomkraftwerk sind am Montag mindestens vier Arbeiter getötet worden. Sieben weitere Angestellte zogen sich schwere Verbrennungen zu.

In einem Turbinenraum des Kraftwerks Mihama rund 350 Kilometer westlich von Tokio war plötzlich heißer Wasserdampf ausgetreten, wie ein Polizeisprecher sagte.

Ein Vertreter der japanischen Behörde für Nuklear- und Industriesicherheit sagte, der Dampf könne nicht radioaktiv gewesen sein, weil sich der Unfall im Turbinenraum ereignet habe und das dortige Wasser nicht mit dem Kühlwasser für Reaktoren in Berührung komme. Die Elektrizitätsgesellschaft Kansai erklärte, der Unfall habe sich am Nachmittag um 15.28 Uhr (08.28 Uhr MESZ) ereignet, als sich wegen eines Alarms der Atomreaktor und eine Turbine automatisch abgeschaltet hätten.

Nach dem Maschinenstopp sei in den Turbinenraum Wasserdampf geströmt und habe die dort eingeschlossenen Angestellten schwer verletzt. Derzeit werde untersucht, wodurch der Alarm ausgelöst worden sei. Der Sprecher der Behörde für Nuklear- und Industriesicherheit betonte, die Wasserkreisläufe für Turbinen und Reaktoren seien getrennt. Der Dampf habe deshalb nicht radioaktiv verseucht sein können.

Der Unfall dürfte in Japan das Misstrauen gegen die Nukleartechnologie weiter anfachen. Vor knapp fünf Jahren ereignete sich in der Wiederaufbereitungsanlage von Tokaimura der weltweit schlimmste Atomunfall seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl: Am 30. September 1999 hatten drei Arbeiter in der Atomanlage rund 120 Kilometer nordöstlich von Tokio eine viel zu große Menge Uran in ein Abklingbecken gekippt und damit eine unkontrollierte Kettenreaktion ausgelöst. Zwei der Arbeiter starben, mehr als 600 Menschen waren erhöhten Strahlendosen ausgesetzt. Rund 320.000 Anwohner mussten wegen der Strahlengefahr mehr als 24 Stunden in ihren Häusern bleiben.

Aus den Agenturmeldungen zu dem AKW-Unfall in Japan gehe hervor, dass sich dieser im nicht-nuklearen Turbinengebäude des Kraftwerks ereignet habe, zudem sei laut Betreibern keine Radioaktivität in die Umwelt ausgetreten. Unter diesen Voraussetzungen sei keine Gefährdung der österreichischen Bevölkerung gegeben, teilte das Umweltministerium in Wien mit. Eva Glawischnig, stv. Bundes- und Umweltsprecherin der Grünen, zeigte sich „erschüttert über die Todesfälle“. Der Unfall reihe sich ein in eine lange Liste von regelmäßigen Pannen und Zwischenfällen in AKW weltweit und zeige einmal mehr, dass es keine sicheren Atomkraftwerke gebe. „Der Ausstieg aus der Atomkraft ist die einzig sichere Alternative. Die Atomenergie ist auch keine Alternative, um Klimaschutzziele zu erreichen, wie das einige europäische Politiker und Atomlobbyisten behaupten“, so Glawischnig. Die Grünen fordern die neue EU-Kommissarin auf, sich innerhalb der EU-Kommission mit aller Kraft für den europäischen Atomausstieg einzusetzen.

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