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Japan Airlines insolvent: "Es beginnt alles von Null"

In einem der größten Insolvenzverfahren der japanischen Unternehmensgeschichte wird die hochverschuldete Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) einem radikalen Umbau unterzogen. Die dem Umsatz nach größte Airline Asiens stellte am Dienstag vor Gericht den Insolvenzantrag.
Zugleich sagte die staatliche Sanierungsgesellschaft Etic ihre Unterstützung bei der bevorstehenden Umstrukturierung zu. In den nächsten drei Jahren sollen mehr als 15.000 Arbeitsplätze oder rund ein Drittel der Gesamtbelegschaft wegfallen.
Der Insolvenzantrag werde der “Startpunkt” für die Wiederbelebung der größten Fluglinie des Landes sein, sagte Transportminister Seiji Maehara. “JAL bleibt bestehen”, versicherte Maehara und fügte vor Journalisten hinzu: “Es beginnt alles von Null”. Die einstige Staatsairline soll nach dem Muster des US-Autoriesen General Motors unter staatlicher Aufsicht radikal restrukturiert werden und im Geschäftsjahr 2012, das bis 31. März 2013 läuft, profitabel werden.

Die Aktie wird zum 20. Februar vom Börsenzettel gestrichen. Seit Ende Dezember, als erste Berichte über eine drohende Insolvenz erschienen, befindet sich der Kurs im freien Fall und schloss Dienstag bei 5 Yen. Das Unternehmen ist praktisch wertlos. Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei umgerechnet 105 Mio. Euro, etwa dem Preis einer Boeing 787.

Der Umstrukturierungsplan sieht eine Kreditlinie über 600 Mrd. Yen (4,62 Mrd. Euro) vor. Zudem will die staatliche Enterprise Turnaround Initiative Corp (Etic), die mit der Sanierung beauftragt ist, 300 Mrd. Yen in JAL investieren. Die Verbindlichkeiten von JAL und ihrer Tochterfirmen Japan Airlines International Co. und JAL Capital Co. beliefen sich zum 30. September auf 2,32 Bill. Yen, die höchsten je von einem pleitegegangenen Unternehmen hinterlassenen Schulden. Die Gläubiger, darunter die Mizuho Corporate Bank und die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, sollen nun JAL Schulden in Höhe von 730 Mrd. Yen erlassen, hieß es.

Der Schuldenerlass könnte laut Medienberichten zu einem Verlust an Steuergeldern von mehr als 100 Mrd. Yen führen, da ein Teil der Kredite mit staatlichen Garantien versehen ist. Der gesamte JAL-Vorstand einschließlich Präsident Haruka Nishimatsu trat unterdessen zurück. Das Ruder übernimmt am 1. Februar der Gründer des Technologiekonzerns Kyocera, Kazuo Inamori. Der charismatische 77-jährige Manager und Mönch gilt als Idealbesetzung für die Aufgabe.

In der jetzt anstehenden Umstrukturierung muss JAL nicht nur seine Schulden loswerden, sondern auch eine schlankere und effektivere Organisation werden. Bis März 2013 werden insgesamt 15.661 Stellen gestrichen. Alle 37 Jumbojets Boeing 747 der Gesellschaft werden außer Dienst gestellt, ebenso 16 Mittelstreckenjets vom Typ MD 90. Sie sollen durch 50 kleinere Regionalverkehrsflugzeuge ersetzt werden. Insgesamt verfügt JAL über rund 280 Flieger.

Die 1953 gegründete und 1987 privatisierte Airline fliegt schon seit langem in schweren Turbulenzen – in vier der vergangenen fünf Geschäftsjahre gab es Verluste. Im laufenden Geschäftsjahr droht der Airline Medienberichten zufolge ein operativer Verlust von 265 Mrd. Yen. Seit der Luftfahrt-Krise 2001 musste die Regierung bereits mehrfach eingreifen. Die allgemeine Schwäche der Luftfahrtindustrie im Gefolge der Wirtschaftskrise traf JAL in den vergangenen Monaten besonders hart – auch wegen der enormen Schulden.

In jüngster Zeit überschlugen sich die beiden US-Rivalen American Airlines und Delta Air Lines mit Beteiligungsangeboten. American Airlines hofft, seine Partnerschaft mit JAL in der Oneworld-Allianz fortsetzen zu können. Delta versucht jedoch hartnäckig, JAL in seine SkyTeam Gruppe zu holen. Eine Entscheidung wird nicht vor Amtsantritt des neuen JAL-Chefs Inamori im Februar erwartet. Die Amerikaner sind laut Experten im asiatischen Raum auf die Stützpunkte und den ausgezeichneten Service der japanischen Fluglinie angewiesen.

Die ehemals staatliche Fluggesellschaft JAL galt lange als Symbol des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Unternehmen absolviert 40 Prozent der innerjapanischen Flüge sowie ein Viertel der internationalen Verbindungen ab Tokio.

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