James Dean: Totenkult um "Jimmy"

An seinen Jugendfreund "Jimmy" hat der 74-jährige Bob Pulley nur gute Erinner-ungen. "Wir waren eng befreundet, spielt-en Basketball und gingen in dem See hinter der Scheune schwimmen", erzählt er.

Der Pensionist wuchs wie James Dean in dem Dorf Fairmount im US-Staat Indiana auf. Pulley zog als junger Soldat in den Koreakrieg, der gleichaltrige Dean nach Hollywood. „Er war der gute alte Jimmy, als er – schon berühmt- nach Indiana zu Besuch kam“, versichert Pulley. Der Erfolg sei ihm nicht zu Kopf gestiegen. Das habe er seinem alten Buddy hoch angerechnet. „Jimmy“ sah er zum letzten Mal im Februar 1955. Ein halbes Jahr später – am 30. September – raste James Dean auf dem Weg zu einem Autorennen mit seinem nagelneuen silbernen Porsche 550 Spyder in Kalfornien in den Tod.

Als Sargträger erwies Pulley ihm damals die letzte Ehre. Und noch heute packt er mit an, wenn der Hollywood-Rebell gefeiert wird. Beim traditionellen „James Dean Festival“, das der Ort Fairmount seit 30 Jahren jeweils am letzten Septemberwochenende ausrichtet, ist Pulley der Schiedsrichter beim „Look Alike“-Ähnlichkeitswettbewerb. Über 40 Möchtegern-Deans aus allen Teilen der USA hätten sich schon angemeldet, berichtet Organisator Gale Hikade, Präsident des Historischen Museums, das die angeblich größte Sammlung von Dean-Memorabilien besitzt. „Seine Babywäsche, vier Motorräder, Lederstiefel…“, beginnt Hikade die Aufzählung.

Im letzten Jahr pilgerten rund 40.000 Schaulustige und hartgesottene Dean-Fans – mit Röhrenjeans und hochgebürsteten Frisuren – zu dem dreitägigen Festival. 50 Jahre nach Deans Tod könnten noch mehr Bewunderer sein Grab auf dem Park Cemetery, das alte Schulhaus und die Farm, wo Dean nach dem frühen Tod seiner Mutter bei Verwandten aufwuchs, besuchen wollen. Ebenfalls auf dem Programm stehen Rockkonzerte, Filmvorführungen von „Giganten“ und „Jenseits von Eden“, Autoshows und 50er-Jahre-Parties.

„Dean würde grinsend mit verschränkten Armen in der Ecke stehen und sich insgeheim freuen, dass die Leute ihn so großartig finden“, davon ist Hikade überzeugt. Mit „einer Menge Tränen“ rechnet David Loehr, Besitzer der Dean-Gallerie in Fairmount, der am 50. Todestag eine Kerzenlichtparade von der kleinen Dorfkirche zum Grab des Filmstars anführt.

In der verschlafenen Ortschaft Cholame, nahe der Todeskreuzung, wo Deans Porsche mit einem abbiegenden Ford Coupe kollidierte, soll es „bei einem Grillfest und einer Autoshow etwas lustiger zugehen“, meint die Kellnerin Maggie vom Jack Ranch Cafe. Die mit Dean-Fotos und Souvenirs verzierte Bar ist längst zur Totenkultstätte geworden. An einem Baum auf dem Parkplatz hat ein japanischer Stifter in den 80er Jahren ein glänzendes Stahldenkmal errichtet. Drei Tage vor dem Todes-Jubiläum soll die namenlose Stelle, wo Highway 46 und 41 zusammentreffen, nach kalifornischem Senatsbeschluss feierlich als „James Dean Memorial“-Kreuzung getauft werden.

Neue Filme, Bücher, Ausstellungen und sogar ein Finderlohn schüren das Dean-Fieber weltweit. Ein amerikanisches Automuseum bietet dem Finder des verschollenen Unfallwagens eine Belohnung von einer Million Dollar (818.063 Euro). Die völlig demolierte Karosserie verschwand 1958 spurlos. „James Dean: Forever Young“, eine Dokumentation mit seltenen Aufnahmen des Kino-Rebellen, ist in den USA auf dem Markt. In der neuen Biografie „James Dean“ zeichnet Bertrand Meyer-Stabley den kurzen Lebensweg des Stars nach.

Auch wenn Dean nur drei Hauptrollen spielte, so ist der Totenkult doch verständlich, meint der Galerist David Loehr. „Er war ein Multitalent: Farmjunge aus Indiana, New Yorker Boheme, Hollywoodstar, Rennfahrer, Künstler und Modevorbild“. „Die Leute lieben Jimmy“, glaubt Jugendfreund Bob. „Er war ein guter Junge, mitunter ein bisschen durchtrieben, aber ganz in Ordnung“.

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