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Jakob von Metzler ist wahrscheinlich erstickt

Der elfjährige Bankierssohn Jakob von Metzler ist vermutlich erstickt. Das vorläufige Obduktionsergebnis teilte Staatsanwalt Rainer Schilling in Frankfurt mit.

Ob der Elfjährige erwürgt wurde oder ertrunken ist, könne noch nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden. Dazu seien weitere Untersuchungen notwendig, die frühestens am Freitag abgeschlossen würden. Hinweise auf ein Sexualdelikt gebe es nicht. Die Staatsanwaltschaft hat für Mittwoch keine Pressekonferenz geplant.

Die Leiche des Kindes war am Dienstag im Uferbereich eines kleinen Sees in der Nähe des osthessischen Schlüchtern in einem verschnürten Bündel gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen war der Bub bereits seit Freitag tot. Der Hinweis war von einem dringend tatverdächtigen Studenten aus Frankfurt gekommen, gegen den am Dienstagabend Haftbefehl wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubes erlassen wurde. Der Fundort wurde von der Polizei abgesperrt. Am Morgen setzte die Spurensicherung ihre Arbeit fort.

Der mutmaßliche Täter soll Jakob am Freitag nach Schulschluss im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen entführt haben. Die beiden haben sich nach Polizeiangaben offenbar gekannt.

Spekulationen über die Motive der Entführung

Der Entführungs- und Mordfall Jakob gibt Kriminalitäts-Experten Rätsel auf. Dass der Täter den elfjährigen Sohn eines Frankfurter Bankiers aus dem einzigen Grund getötet haben könnte, um an eine Million Euro heranzukommen, hält der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, für nicht sehr wahrscheinlich. Der Experte verwies am Mittwoch darauf, dass sich Opfer und mutmasslicher Täter gekannt hatten. „Gerade die grosse Nähe könnte ein Tatmotiv sein“, sagte er.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ein Kind für eine Million Euro umbringt“, erklärte der Professor. Der Täter hätte, weil er von dem Opfer erkannt würde, den Mord von vornherein einkalkulieren müssen. Viel wahrscheinlicher seien „primitivste Motive“ einer Beziehungstat: Hass, Neidgefühle oder sexuelle Neigungen. „Den muss irgendetwas überrollt haben“, meinte Egg.

Viele andere Fälle zeigten, dass „Tatgelegenheiten“ zu pädophilen Übergriffen und Verbrechen führten. Ein pädophil veranlagter Mann empfinde seine Neigung unter Umständen als extrem belastend und wehre sie innerlich ab. Mit einem Mord „bringt er vielleicht ein Stück von sich selber um“, sagte Egg.

Möglicherweise habe der Täter sich dem elfjährigen Jakob sexuell zu nähern versucht, meinte Egg, und der Junge hätte ihn danach blossstellen können. Falls sich das Verbrechen als Mord zur Verdeckung einer Straftat erweist, „dann wäre es nicht der Entführer, der zum Mörder wird, sondern der Mörder, der zum Entführer wird“, sagte der Kriminologe.

Auch der Polizeipsychologe von der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen, Adolf Gallwitz, hält ein sexuelles Motiv „bei einer Beziehungstat unter Umständen (für) möglich“.

Die Frankfurter Oberstaatsanwaltschaft teilte indes mit, es gebe keine Hinweise auf ein Sexualdelikt. Die Ermittlungen werden jedoch fortgesetzt.

Eine weitere Frage ist derweil, ob und wie man die Tat wirksam hätte verhindern können und ob das Vorgehen der Polizei richtig gewesen sei. Der Kriminologe Egg meinte, die Polizeitaktik könne man nicht kritisieren. In einem Entführungsfall sei die Polizei nicht allein bestimmend. Vielmehr sei es die Familie, die entscheide, ob die Polizei überhaupt eingeschaltet wird. Das Leben des Opfers habe absoluten Vorrang, und erst mit deutlichem Abstand gehe es um die Strafverfolgung, sagte Egg.

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