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Jackson-Prozess: Eins zu Eins

Im Prozess gegen Michael Jackson ist die erste wichtige Runde "unentschieden" ausgegangen. Ist er Wolf im Schafspelz oder Opfer einer von Geldgier getriebenen Frau?

Gegensätzlicher kann das Bild von Michael Jackson (46) kaum ausfallen: Bei den Eröffnungsplädoyers am Montag hat die Anklage den Popstar als bösen Wolf im Schafspelz dargestellt, für die Verteidigung ist der Beschuldigte dagegen das Opfer einer von Geldgier getriebenen Frau. Neue Details zur Anklage wegen Kindesmissbrauchs und gegenseitige Vorwürfe prägten den Beginn der heißen Phase im spektakulären Prozess gegen den einstigen „King of Pop“. US-Medien beurteilten den Stand nach der ersten Runde im Gericht von Santa Maria (Kalifornien) überwiegend als „unentschieden“.

„Angewidert und voller Verachtung“, so schrieb die „New York Times“ am Dienstag, schilderte der Staatsanwalt und neunfache Vater Tom Sneddon den Geschworenen am Montag (Ortszeit), dass Jackson „Wein, Wodka und Bourbon“ fließen ließ, wenn er jungen Besuch auf der Neverland Ranch empfing. In seinem knapp dreistündigen Plädoyer brachte der Ankläger zum ersten Mal auf den Punkt, was die Justiz dem exzentrischen Sänger anlastet.

Außer den sexuellen Übergriffen soll sich Jackson zusammen mit fünf Komplizen der Freiheitsberaubung an dem Buben und an dessen Familie schuldig gemacht haben. Das Kind sei mit Todesdrohungen gegen seine Mutter erpresst worden. „Diese Vorwürfe sind frei erfunden, ein Schwindel, unfundiert“, konterte Jacksons Hauptverteidiger Thomas Mesereau. Die Namen der Komplizen wurden erstmals öffentlich genannt.

Nach Mesereaus Darstellung ließ sich der Angeklagte nur eins zu Schulden kommen: Naivität. Sein Plädoyer lobten Beobachter im Gegensatz zu dem des Anklägers als packend, verständlich und überzeugend. Der Verteidiger beschrieb darin die Mutter des angeblich missbrauchten Buben als Betrügerin, Erpresserin und „professionelle Klägerin“. Diese Frau habe vor Jackson etliche andere Prominente wie den Talkmaster Jay Leno, Boxer Mike Tyson und den Komödianten Adam Sandler hineinzulegen versucht, sei bei ihnen aber abgeblitzt.

Erst bei der Pop-Ikone Jackson sei ihr der Coup bisher geglückt, sagte Mesereau und versprach: „Wir werden beweisen, dass die bekannteste und die verletzlichste aller (von ihr avisierten) Persönlichkeiten ihr Opfer wurde: Michael Jackson.“ Anders als Jay Leno, der bei einem Anruf des Buben – und seiner Mutter im Hintergrund – gleich Verdacht schöpfte und die Polizei alarmierte, wollte Jackson dem krebskranken Kind helfen. Er habe ihn in seinen Vergnügungspark eingeladen und versucht, ihm eine Visualisierungstechnik beizubringen, um den Tumor zum Schrumpfen zu bringen.

Ankläger Sneddon schilderte allerdings das Leben auf der Neverland Ranch als alles andere als jugendfrei: Dort gab es „statt Märchenstunden zur Bettzeit (…) Anleitung zur Masturbation“, sagte er. Im Schlafzimmer hätten sich die Sexmagazine gestapelt. Auch habe Jackson den Buben schon bei seinem ersten Besuch, als dieser erst zehn Jahre alt war, in Pornografie eingewiesen. Sneddon versprach, den heute 15-Jährigen in den Zeugenstand zu holen, damit er „hier im Gericht, wenn alle Welt zuschaut, seine sexuellen Erlebnisse mit Michael Jackson beschreiben“ könne.

Der Anklage zufolge geriet der Popstar vor zwei Jahren nach der Ausstrahlung einer Fernsehdokumentation des britischen Journalisten Martin Bashir in Panik. Jacksons Bekenntnis, häufig Kinder mit in sein Bett zu nehmen, brachte ihn weltweit in die Schlagzeilen. Als er merkte, dass auch seine Beteuerungen von der Unverfänglichkeit seiner Pyjama-Partys den negativen Eindruck nicht zu tilgen vermochten, versuchte er laut Anklage, den Buben und seine Familie zur Aufnahme einer positiven Gegendarstellung auf Video zu zwingen.

Erst danach, so stellt es der Ankläger jetzt dar, sei es zum sexuellen Missbrauch gekommen. Wieso, fragte daraufhin Verteidiger Mesereau, sollte Jackson erst in dem Moment, als ihm schon die Jugendschutzbehörden das Leben schwer machten, zum Kinderschänder geworden sein. „Und warum ging (die Familie) nicht zur Polizei? Nein, sie suchten sich erst einen und dann den nächsten Anwalt.“

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