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Jackson-Prozeß: Erste Aussage

Der möglicherweise von Michael Jackson missbrauchte Bub hat vor dem Gericht im kalifornischen Santa Maria seine ersten Aussagen gemacht.

Im Zeugenstand gab er am Mittwoch (Ortszeit) an, bei seiner zweiten Übernachtung auf der Neverland Ranch im Jahr 2003 zusammen mit seinem Bruder und Jackson pornografische Bilder im Internet angesehen zu haben. Ein Mitarbeiter Jacksons habe zuerst die Websites aufgerufen und betrachtet. Dann hätten sie sich gemeinsam für 15 bis 30 Minuten entblößte Frauen und Teenager angeschaut.

Der heute 15 Jahre alte Jugendliche bestätigte die Angaben, die sein um ein Jahr jüngerer Bruder am Montag über die Nacht im Schlafzimmer des einstigen „King of Pop“ gemacht hatte: „Da war dieses Mädchen (im Internet) mit ihrem hochgezogenen Hemd, alle waren still und Michael sagte: ’Milch bekommen?’ (Got milk?).“ Später habe Jackson seinem schlafenden Sohn einen vulgären Ausdruck für das weibliche Geschlechtsteil ins Ohr geflüstert.

Der Sänger habe ihn auch sofort darum gebeten, seine Eltern um Erlaubnis zu bitten, dass er in Jacksons Schlafzimmer übernachten dürfte, gab der 15-Jährige vor der Jury zu Protokoll. Die zentrale Frage, ob er Opfer sexueller Übergriffe Jacksons geworden sei, wurde in der einstündigen Anhörung am Mittwoch noch nicht gestellt. Prozessbeobachter beschrieben den wichtigen Zeugen bei seinem ersten kurzen Auftritt vor Gericht als glaubwürdig und sympathisch.

Der Jugendliche gab außerdem an, der US-Sänger habe ihn zu positiven Aussagen in einer TV-Dokumentation über das Leben auf der Neverland Ranch genötigt. „Er stellte mich (dem Filmautor) Martin Bashir vor und nahm mich dann beiseite. In der Bibliothek sagte er: ’Du willst doch Schauspieler werden. Ich werde dich in Filmen unterbringen. Dafür sagst du, du würdest mich Daddy nennen und dass ich dich vom Krebs geheilt habe.’“ Dies habe aber nicht der Wahrheit entsprochen, fügte der Zeuge hinzu. Auf die Frage von Staatsanwalt Tom Sneddon, ob er Jackson trotzdem verehrt habe, sagte der 15-Jährige: „Für mich war er der coolste Typ der Welt. Er war mein allerbester Freund.“

Die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs hatte zuvor der jüngere Bruder des angeblichen Opfers in seiner Zeugenaussage untermauert. Er habe beobachtet, wie sich Jackson zwei Mal selbst befriedigt und den schlafenden Bruder begrapscht habe, sagte der 14-Jährige. Jacksons Verteidiger war es im Kreuzverhör aber gelungen, Unstimmigkeiten in der Aussage des Bruders aufzudecken. Am Mittwoch geriet der 14-Jährige ins Schwanken bei dem wichtigen Punkt, wie oft er die angeblichen Belästigungen mit eigenen Augen gesehen hatte. Statt zwei Vorfällen seien es drei gewesen, verbesserte sich der Bub. Aus Nervosität habe er bei früheren Vernehmungen die Fakten verwechselt.

Verteidiger Thomas Mesereau setzte damit seine Strategie fort, die Glaubwürdigkeit des vermutlich einzigen Augenzeugen der angeblichen sexuellen Belästigung in Zweifel zu ziehen. Bereits am Dienstag hatte der Bub einräumen müssen, dass Jackson ihm und seinem Bruder keine bestimmte Ausgabe eines Sexmagazins gezeigt habe. Zuvor hatte Mesereau nachgewiesen, dass die Ausgabe des Magazins „Barely Legal“ erst Monate nach dem letzten Aufenthalt der beiden auf der Jackson-Ranch erschienen war. Außerdem musste der Bub zugeben, dass er in einem früheren Rechtsfall unter Eid gelogen hat.

Jackson wird in dem Prozess vorgeworfen, den damals 14-Jährigen mit Wein gefügig gemacht und missbraucht zu haben. Der Sänger hat dies zurückgewiesen. Sollte Jackson in allen Anklagepunkten für schuldig befunden werden, drohen ihm mehr als 20 Jahre Haft.

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