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Jack Nicholson wird 70 Jahre alt

Jack Nicholson feiert seinen 70. Geburtstag. Seinen ersten Oscar hat Nicholson als Insasse einer Irren-anstalt für seine Rolle in "Einer flog übers Kuckucksnest" bekommen.

Die zerrissene, rebellische Figur des aufmüpfigen Klinikpatienten Randle McMurphy im vielfach preisgekrönten Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ von 1975 ist bis heute seine Paraderolle – und eine Art Leitmotiv für sein Leben:

Hollywoods Superstar, mit inzwischen drei Oscars und insgesamt zwölf Nominierungen, ist immer ein Mann geblieben, der nach seinen eigenen Gesetzen lebt – exzentrisch, unberechenbar und genial. Am kommenden Sonntag (22. April) feiert er seinen 70. Geburtstag. „Bin ich zu alt für den Film? Manchmal ist mir so zumute“, sinnierte er kürzlich ungewohnt nachdenklich, schob aber ganz schnell hinterher: „Ich will noch sehr lange vor der Kamera stehen.“

Dort kann sich der Megastar inzwischen herausnehmen, was er will. Seine jüngste Rolle als Mafiaboss in dem mit vier Oscars ausgezeichneten Erfolgsthriller „The Departed – Unter Feinden“ von Martin Scorsese wollte er nicht spielen, bis ihm freie Hand beim Umschreiben der Dialoge zugesichert wurde. „Ich spiele den Schurken, und ich wollte es mit ihm noch auf die Spitze treiben. Ich wollte, dass aus dem Schurken ein Monster wird.“ Selbst am Set improvisierte er noch mitten im Dreh und überraschte mit immer neuen Kapriolen. „Wir waren froh, wenn er überhaupt im Raum blieb“, verriet Kameramann Michael Ballhaus später.

Seit seinem ersten großen Erfolg als alkoholsüchtiger Rechtsanwalt George Hanson im Kultfilm „Easy Rider“ (1969) pflegt Nicholson bewusst sein Image als Grenzgänger. Sein diabolisches Grinsen, sein kalter Sarkasmus und sein umwerfender Charme sind längst zu einem Markenzeichen geworden – nicht zu vergessen die unverzichtbare Brille. „Mit meiner Sonnenbrille bin ich Jack Nicholson. Ohne sie bin ich dick und siebzig.“ Auch im richtigen Leben macht der Choleriker immer wieder mit exzentrischen Aktionen von sich reden.

Zum gern gepflegten Machobild gehört auch, möglichst wenig über sich selbst zu verraten. Den großen Bruch in seinem Leben hat er deshalb allenfalls kurz oder gar nicht kommentiert: Erst mit 37 erfuhr er, dass seine angebliche Mutter, bei der er in New Jersey aufwuchs, tatsächlich seine Großmutter war und seine ältere „Schwester“ June in Wahrheit seine Mutter. Sie hatte ihn mit 16 Jahren bekommen und der Großmutter in Pflege gegeben. Beide Frauen waren zum Zeitpunkt der Enthüllung schon tot, den Vater wollte Nicholson nicht kennen lernen. „Die Leute können es nicht verstehen, dass die Scharade mich nicht empört“, sagte er einmal. „Aber wie soll ich mich über etwas aufregen, das funktioniert hat?“

Gleichwohl dürfte diese Erfahrung sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht geprägt haben. Nicholson hat fünf Kinder von vier Frauen, die Ehe probierte er nur einmal aus, 1962 bis 1968 mit Schauspielkollegin Sandra Knight. Mit Anjelica Huston, Tochter von US-Regisseur John Huston, führte er 13 Jahre lang eine stürmische, wechselvolle Beziehung. Sie zerbrach endgültig, als er die beste Freundin seiner Tochter Jennifer, das Model Rebecca Broussard, schwängerte. Mit der Zeit wurden die Frauen immer jünger und die Sprüche immer lockerer. „Ich nehme nur Viagra, wenn ich mit mehr als einer Frau zusammen bin“, protzte er, oder: „Ich habe alle Frauen gevögelt, ich habe alle Drogen probiert, und ich habe jeden Drink getrunken.“

Allerdings hat selbst ein Mann wie Nicholson einmal klein angefangen. Nach der Highschool jobbte er 1955 zunächst als Hausbote in der Trickfilmabteilung von Metro-Goldwyn-Mayer und schlug sich mit Drehbüchern und kleineren Regiearbeiten, später mit einer Serie von B-Movies durch. Erst nach „Easy Rider“ ging es steil bergauf. Es folgten Hits wie Roman Polanskis „Chinatown“ (1974), Stanley Kubricks „The Shining“ (1980) und „Die Ehre der Prizzis“ (1985). Seine beiden weiteren Oscars nach dem „Kuckucksnest“ erhielt er für seine Rolle als ehemaliger Astronaut und Säufer in „Zeit der Zärtlichkeit“ (1983) und als hasserfüllter Stadtneurotiker in der sarkastischen Komödie „Besser geht’s nicht“ (1997).

Längst gehört Nicholson zu den bestbezahlten Schauspielern der Welt. Legendär ist sein Vertrag für die Rolle des Bösewichts Joker in der Comic-Verfilmung „Batman“ (1989), die ihm rund 60 Millionen Dollar (fast 45 Millionen Euro) eintrug. Andererseits unterstützt er gern unabhängige, kleinere Produktionen. So verlangte er etwa für Sean Penns „The Crossing Guard“ (1995) nur die gewerkschaftlich vorgeschriebene Minimalgage von kaum 500 US-Dollar die Woche. „Wenn ich mitspiele, ist es eben kein kleiner Film mehr.“

Eine ganze neue Seite offenbarte der Altmeister 2001 in Alexander Paynes Tragikomödie „About Schmidt“, in der er ohne jede Eitelkeit auch die schwierigen und hässlichen Seiten des Alterns zeigt. Sein neuestes Projekt ist Bob Reiners Film „The Bucket List“. Er spielt einen todkranken Mann, der mit einem zweiten Krebspatienten (Morgan Freemann) aus der Klinik flieht, um letzte Dinge zu erledigen. Wegen der laufenden Dreharbeiten erschien Nicholson bei der diesjährigen Oscarverleihung im Februar mit kahlrasiertem Schädel. Selbst die Fotografen erkannten ihn zunächst nicht – für Nicholson eine reichlich ungewohnte Erfahrung.

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