Italien und Uruguay duellieren sich um Achtelfinal-Ticket

Luis Suarez soll es für Uruguay auch gegen Italien richten und das Achtelfinale fixieren.
Luis Suarez soll es für Uruguay auch gegen Italien richten und das Achtelfinale fixieren. ©EPA
Die Ex-Weltmeister Italien und Uruguay duellieren sich am Dienstag (18.00 Uhr MESZ) um einen Platz im Achtelfinale der Fußball-WM in Brasilien. Italien reicht in Natal ein Punkt, um in der Gruppe D den zweiten Aufstiegsplatz neben Sensationsteam Costa Rica zu holen. Die Mittelamerikaner treffen zeitgleich in Belo Horizonte auf England, das erstmals seit 1958 nach der Gruppenphase heimreisen muss.
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Suarez soll es für Uruguay auch gegen Italien richten

Jetzt zittert auch Italien vor Uruguays “Tormaschine” Luis Suarez und dem drohenden WM-Aus. Mindestens einen Punkt brauchen Gianluigi Buffon und Co. im Duell des vierfachen Weltmeisters mit dem zweimaligen Champion aus Südamerika. “Wir müssen eine großartige Partie spielen. Wir brauchen ein heißes Herz und einen kühlen Kopf”, forderte Kapitän Buffon vor der Dienstag-Partie (18.00 MESZ) in Natal.
“Es ist wie ein Achtelfinale mit zwei von drei möglichen Ergebnissen, die uns reichen. Das ist gar nicht so schlecht, wie es scheint”, meinte Italiens Tormannlegende. Uruguay braucht dagegen unbedingt einen Sieg für den Achtelfinaleinzug, da sich der WM-Vierte von 2010 mit der 1:3-Auftaktniederlage gegen den schon fix aufgestiegenen Gruppe-D-Außeneiter Costa Rica noch schlimmer als der Vizeeuropameister, der nur 0:1 verlor, blamiert hat. Gegen die bereits fix ausgeschiedenen Engländer feierten beide Teams einen 2:1-Sieg.

“Diese Mannschaft hat schon oft bewiesen, dass sie unter Druck die richtigen Antworten findet. Es wird ein schweres Spiel, aber es ist machbar für uns”, prophezeite Uruguays Erfolgscoach Oscar Tabarez. Vor allem wird es wieder ein Spiel wie maßgeschneidert für Superstürmer Suarez, der gegen England beide Treffer erzielt hatte, und dessen kongenialen Angriffspartner Edinson Cavani, der Italien zudem so gut kennt wie kaum ein anderer.

“Ich sehe keine zwei anderen Spieler wie diese beiden in einem anderen Team”, hatte Italien-Coach Cesare Prandelli schon vor WM-Beginn gesagt. Sie seien “ein großartiges Sturmduo”, schloss sich Buffon dieser Meinung an. Was die Italiener gegen “El Pistolero” Suarez und “El Matador” Cavani unternehmen wollen, verrieten sie aber nicht. Die “Gazzetta dello Sport” machte sich indes Sorgen. “Das Problem Nummer eins: Wie soll man sie stoppen?”, fragte das Blatt. “Der Pistolero ist eine Tormaschine, der Matador der formstärkste Spieler Uruguays.”

Den stolzen Italienern droht nach 2010 schon der zweite WM-Gruppenphasen-K.o. nacheinander – das gab es zuletzt vor mehr als 40 Jahren: 1962 und 1966. Neben der lähmenden Angst vor dem Aus wird der Weltmeister von 2006 zudem durch die Verletzung von Mittelfeldspieler Daniele De Rossi gebremst, der mit einer Wadenverletzung ausfällt.

Im dritten WM-Spiel läuft die Squadra Azzurra daher mit der dritten Aufstellung auf. Erstmals darf neben Mario Balotelli im Angriff wohl auch Dortmund-Neuzugang Ciro Immobile spielen. “Bring Ciro!”, hatte “Tuttosport” zuletzt vehement gefordert. “Gegen Uruguay geht es um die WM, es wäre absurd, auf seine Tore zu verzichten.” Und auch die “Gazzetta dello Sport” plädierte: “Es braucht ein anderes Italien!”

Den Azzurri steckt allerdings noch die bittere 0:1-Pleite gegen Costa Rica in den Knochen. Uruguay und vor allem Doppel-Torschütze Suarez gehen hingegen nach dem Triumph über England mit viel Selbstbewusstsein ins Spiel. “Das macht die Situation natürlich schwieriger. Wir kommen von einer bitteren Niederlage, sie von einem Sieg, der ihnen Überzeugung und Moral gegeben hat”, analysierte Buffon.

Und die Südamerikaner wähnen einen weiteren Vorteil auf ihrer Seite: Zwölf Spieler und Coach Tabarez kennen die italienische Serie A aus eigener Erfahrung. Die Zeitung “Ovacion” titelte bereits: “Italien kämpft gegen 13 Rebellen.” Vor allem Cavani, der sechs Jahre in Italien spielte und 2013 mit 29 Treffern für SSC Napoli Torschützenkönig wurde, dürfte Andrea Pirlo und Co. noch bestens in Erinnerung sein.

Doch Druck vor den letzten Gruppenspielen ist zumindest für Italiens erfahrensten Spieler Buffon ohnehin nichts Neues. Er erklärte mit einem Schmunzeln: “Das ist mein zehntes großes Turnier mit Italien, nur einmal waren wir vor dem letzten Gruppenspiel qualifiziert.”

England gegen Costa Rica um versöhnlichen Abschluss

Zweimal ganz gut gespielt, aber nicht gepunktet und zum ersten Mal seit 1958 wieder in der Gruppenphase ausgeschieden. Für Englands Fußball-Nationalteam ist die WM in Brasilien katastrophal verlaufen. Im direkten Duell mit dem Gruppe-D-Führenden Costa Rica soll nun am Dienstag (18.00 Uhr MESZ) in Belo Horizonte im dritten Spiel zumindest ein gebührender Abschied mit Zählbarem gelingen.
Belo Horizonte. Costa Rica hat die zweite Achtelfinal-Teilnahme nach 1990 mit sensationellen Siegen gegen Uruguay (3:1) und Italien (1:0) bereits geschafft, wird aber im Estadio Mineirao von Belo Horizonte darauf aus sein, Platz eins abzusichern, um ein voraussichtliches Duell mit Kolumbien zu vermeiden. “Dieses Spiel ist sehr wichtig für uns, weil wir den ersten Platz in der Gruppe wollen”, sagte Costa-Rica-Co-Trainer Paulo Wanchope. Im Falle des Gruppensiegs, der schon bei einem Remis fix ist, wären die Elfenbeinküste, Japan oder Griechenland die wahrscheinlichen möglichen Gegner.

Für England geht es dagegen nur noch um die Ehre. “Klar sind wir angeschlagen, wir müssen aber versuchen, uns noch einmal auf das Spiel zu fokussieren, kämpfen und zeigen, dass wir Stolz haben”, gab Stürmerstar Wayne Rooney die Marschroute vor. Der Manchester-United-Angreifer will sein Torkonto nach seinem WM-Premierentreffer gegen Uruguay weiter auffetten.

Teamchef Roy Hodgson will die Partie auch nützen, um Akteuren, die bisher wenig zum Einsatz kamen, Spielpraxis zu verschaffen, auch um Erkenntnisse für die Zukunft zu bekommen. So könnte etwa der 18-jährige Linksverteidiger Luke Shaw sein WM-Debüt geben, nach dem Leighton Baines auf dieser Position wegen einer Oberschenkelverletzung ausfällt. Auch der zweimal als “Joker” gekommene 20-jährige Mittelfeldspieler Ross Barkley könnte beginnen. Der 20-jährige Arsenal-Offensivspieler Alex Oxlade-Chamberlain wird hingegen wegen Knieproblemen auch im letzten Match in Brasilien fehlen.

“Ich werde sicherstellen, dass so viele Spieler wie möglich ein paar Minuten bekommen”, kündigte Hodgson an. Die Spieler, die enttäuscht nach Hause fahren, “sollen wenigstens nicht sagen, dass sie nur hier waren, um den Kader aufzufüllen”. Hodgson wurde trotz des vorzeitigen Aus’ das Vertrauen ausgesprochen, er soll die Mannschaft auch zur EM 2016 in Frankreich führen. Kritiker gibt es aber viele, für den 66-Jährigen wäre ein Sieg daher extrem wichtig, um nicht noch mehr unter Beschuss zu geraten.

Die Vorzeichen stehen für die Engländer nicht schlecht, werden die mit einer Fünferkette in der Abwehr agierenden Mittelamerikaner doch nicht in Bestbesetzung antreten. “Gegen England wird es Veränderungen geben, weil ich einigen Spielern eine Pause gönnen möchte”, verriet Costa-Rica-Trainer Jorge Luis Pinto. Drei Punkte sollen am Ende für die “Ticos” trotzdem herausschauen.

“Die Veränderungen bedeuten nicht, dass die Gruppenphase für uns schon vorbei ist, wir wollen trotzdem gewinnen”, betonte der 61-Jährige. Dass dieses Unterfangen nicht einfach wird, ist dem WM-Überraschungsteam aber bewusst. “England hat sehr starke Spieler, ihr Stolz wird es ihnen verbieten, die WM mit null Punkten zu beenden”, warnte Co-Trainer Wanchope.

England und Costa Rica würden allerdings mit einem freiwilligen Verzicht auf ihre besten Akteure gegen WM-Regeln verstoßen. In den von der FIFA auf 64 Seiten festgehaltenen Regularien heißt es in Paragraf 5, Absatz 4. c): “Mit der Anmeldung für die Weltmeisterschaft verpflichten sich die teilnehmenden Mitgliedsverbände und ihre Teamdelegationsmitglieder automatisch:… mit dem bestmöglichen Team an allen Spielen der Weltmeisterschaft teilzunehmen, für die ihr Team vorgesehen ist.”

Bei einem Verstoß gegen diese Regel ist eine Bestrafung aber unwahrscheinlich. Im WM-Reglement werden nämlich keine Sanktionen genannt. Zudem wäre die Beweislage schwierig.

(APA)

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