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Italien: In Neapel tobt Bandenkrieg

Einer der prominentesten Bosse der Camorra, der neapolitanischen Mafia, ist am Freitag von der Polizei festgenommen worden. Paolo Di Lauro, Chef des gleichnamigen Clans, führt seit vergangenem Jahr einen Krieg.

Die Schlacht richtet sich gegen rivalisierende Camorra-Gruppen und es geht um die Kontrolle des Rauschgift- und Waffenhandels.

In Neapel tobt derzeit ein Bandenkrieg, wie es ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat. 62 Menschen starben seit Jahresbeginn eines gewaltsamen Todes, im vergangenen Jahr waren es 130. Zuletzt wurde der Camorra-Boss Domenico Scoppetta erschossen. Er wurde von zwei Killern in der Camorra-Hochburg Torre Annunziata unweit von Neapel getötet. Polizei und Stadtverwaltung sind machtlos, die Bürger verängstigt, die Regierung in Rom ratlos. „Krieg wie in Bagdad und Beirut“, meinte ein Sprecher im italienischen Fernsehen.

Schlag gegen die Camorra – Italiens Innenminister feiert

Seit 25 Jahren wurde der einflussreiche Boss gesucht, dessen Clan den Rauschgift- und Waffenhandel sowie die Prostitution in der Region um Neapel kontrolliert. Er wurde am Freitag in der Wohnung einer Bekannten in Neapel festgenommen.

„Die Sicherheitskräfte siegen im Kampf gegen die Camorra. Wir können noch nicht behaupten, dass wir die Mafia in Neapel unter Kontrolle haben, doch die Organisierte Kriminalität hat einen schweren Schlag erlitten“, betonte der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu.

Die Festnahme des Mafia-Bosses ist das Resultat langwieriger Ermittlungen der Carabinieri und des Geheimdienstes Sisde. Die Vorliebe Di Lauros für gute Küche und für Lachs trugen zur Festnahme des „Camorra-Königs“ bei, berichteten die Sicherheitskräfte. Die Polizei hatte Monate lang die Freundin eines Vertrauensmannes von Di Lauro beschattet, bei welcher der Camorra-Pate Unterkunft gefunden hatte.

Regelrechte „staatsfreie Zonen“ haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in Neapel unter Di Lauros Aufsicht entwickelt, in denen die Camorra das Sagen hat und Polizisten unter Feuer geraten. Der mächtige Di-Lauro-Clan ist seit Monaten in einen Krieg mit den so genannten „Abtrünnigen“ verwickelt. Diese wollen Di Lauro die Kontrolle der illegalen Geschäfte abjagen. Seit Beginn des Jahres 2004 sind bei dem Kampf der Mafiosi in Neapel fast 200 Menschen getötet worden.

„Die Situation in der Stadt ist immer noch Besorgnis erregend“, gab der Minister zu. Der seit Monaten andauernde Krieg unter rivalisierenden Clans des Organisierten Verbrechens um die Kontrolle illegaler Geschäftszweige gefährde die Sicherheit der Bürger. „Wir müssen noch hart arbeiten, um die Camorra unter Kontrolle zu bringen, doch wir sind auf dem richtigen Weg“, betonte der Minister.

Die Camorra scheue sich nicht davor, im Suchtgifthandel Kinder einzusetzen. Auch Erpressung und „Schutzgeld“-Forderungen legen die Wirtschaft der süditalienischen Metropole lahm, berichtete Pisanu. Nach Angaben der Innenministerin sind 15.000 Polizisten, Soldaten und Carabinieri in Neapel und Umgebung eingesetzt. Um der größten Stadt Süditaliens mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern mehr Sicherheit zu geben, will der Innenminister nun die Überwachung der rund 6.000 Vorbestraften verschärfen, die auf freiem Fuß in Neapel leben.

Pisanu betonte, man müsse Neapel auch von der Armut befreien, in der die Camorra gedeiht. Er forderte die Regierung zur Ergreifung von Initiativen auf, welche die Wirtschaft ankurbeln sollen. In Neapel beträgt die Arbeitslosenrate 25 Prozent, jeder zweite Jugendliche ist auf Arbeitssuche. Hunderte Unternehmen werden von der Camorra erpresst. Kein Wunder, dass das Organisierte Verbrechen allzu oft zum Brotgeber für Tausende von Verzweifelten wird, meinte der Minister. Viele Jugendliche verdienen ihr Geld mit Rauschgifthandel.

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