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Italien: Berlusconi-Debakel fix

Die Italiener haben Regierungschef Berlusconi bei den Regionalwahlen die Rote Karte gezeigt. Nach den Ergebnissen vom Dienstag konnten sich die Koalitionsparteien nur 2 der 13 Regionen sichern.

6 Regionen mussten sie an das Mitte-Links-Bündnis abgeben. Und selbst in den verbliebenen rechten norditalienischen rechten Hochburgen Lombardei und Venetien wurden Stimmen eingebüsst.

In den italienischen Medien wurde das Ergebnis als ein Debakel für Berlusconi angesehen. Dafür darf das Resultat als persönlicher Triumph für seinen voraussichtlichen Herausforderer bei den Parlamentswahlen im Frühling nächsten Jahres, Ex-EU- Kommissionspräsident Romano Prodi, angesehen werden.

An Prodis Parteienbündnis gingen auch deutlich mehr als die Hälfte der Stimmen der 42 Millionen Italiener, die zu dem Urnengang aufgerufen waren. Trotz des Todes des Papstes gingen 71 Prozent der Wähler an die Urnen, kaum weniger als vor fünf Jahren.

Die Wahlen gelten als Stimmungstest für die italienischen Parlamentswahlen im kommenden Jahr. Laut einer Hochrechnung erhielt die linksgerichtete Opposition unter Prodi auch landesweit gesehen die Mehrheit der Stimmen. Linke zufrieden

„Mit dieser Wahl bitten uns die Italiener, uns für die Regierung bereit zu halten“, sagte Oppositionsführer Romano Prodi am Dienstag in Rom. „Der Wahlerfolg hat unsere rosigsten Erwartungen übertroffen. Wir sind die neue Mehrheit im Land. Dies ist unbestreitbar“, sagte der Linksdemokraten-Chef Piero Fassino, der einen Vergleich zum Fussball-Rekordmeister Juventus Turin zog: „Wir sind ja fast schon besser als Juve: Seid vier Jahren gewinnen wir alles!“

Prodi will Berlusconi als Ministerpräsidenten ablösen. Sein Bündnis stellt nun in 15 der insgesamt 20©italienischen Regionen die stärkste Fraktion.

Das Bündnis von Prodi setzte sich nicht nur in traditionellen Hochburgen der Linken wie in der Toskana, Emilia Romagna und Umbrien durch, sondern auch in Piemont und Ligurien. Diese wurden bisher von Berlusconis Bündnis „Haus der Freiheiten“ regiert. Venetien und Lombardei

Die Mitte-Rechts-Koalition verlor auch in den Abruzzen und in Kalabrien. In Apulien unterlag Raffaele Fitto von der Berlusconi-Partei Forza Italia dem kommunistischen Kandidaten Niki Vendola, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt.

Nur in Venetien und der Lombardei, den beiden industriereichsten Regionen des Landes, konnten sich die Kandidaten des Regierungsbündnisses behaupten. In der Lombardei siegte der scheidende Präsident Roberto Formigoni. Er regiert seit 1995 die Region. Auch in Venetien feierte der scheidende Präsident Giancarlo Galan seinen letzten Wahlsieg. Warnsignal

Der Sieg von Mitte-Links ist ein weiteres ernstes Signal an die Parteien des Berlusconi-Lagers Forza Italia, Alleanza Nazionale, Lega Nord und Christdemokratische Union. Schon bei den Europawahlen und bei anderen Lokalwahlen hatte die Koalition in den vergangenen drei Jahren Stimmen verloren. Unzufriedenheit bei den Wählern bestand vor allem über die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten. Steuersenkungen waren von teils drastisch erhöhten öffentlichen Gebühren überwogen worden.

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