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Istanbul: Explosion in Internetcafe

Die Zahl der Verletzten bei einem Bombenanschlag auf ein überwiegend von Polizisten besuchtes Internetcafé in Istanbul am Donnerstag ist mindestens 17 Menschen verletzt worden.

Zu dem Attentat bekannte sich die Untergrundgruppe Freiheitsfalken von Kurdistan (TAK) in einem anonymen Anruf bei der prokurdischen Nachrichtenagentur Firat. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren unter den Verletzten sieben Polizisten und zehn Zivilisten, unter ihnen ein Kind, das schwere Verletzungen erlitt.

Die Explosion ereignete sich am frühen Nachmittag im Stadtteil Bayrampasa (sprich: Bayrampascha) im europäischen Teil der Metropole. Das Café ist etwa hundert Meter von einem Büro einer Anti-Aufruhr-Einheit der Polizei entfernt. Die Zwölf-Millionen-Stadt Istanbul ist immer wieder Schauplatz von Anschlägen, für die vor allem linksradikale Gruppen und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verantwortlich gemacht werden. In den Augen der Polizei handelt es sich bei den Freiheitsfalken von Kurdistan um eine PKK-Tarnorganisation. Die PKK-Führung beteuert dagegen, keine Verbindungen zu der Gruppe zu unterhalten, die aus ehemaligen Mitgliedern ihrer Organisation bestehen soll.

Die TAK (Teyrbazen Azadiya Kurdistan) hatte sich im vergangenen Jahr zu mehreren Bombenanschlägen bekannt. Sie übernahm auch die Verantwortung für ein Attentat im Badeort Kusadasi, bei dem im Juli fünf Menschen getötet wurden, unter ihnen eine britische und eine irische Touristin.

In Bekennerschreiben, die von den „Freiheitsfalken Kurdistans“ herausgegeben und auf ihrer Internetseite veröffentlicht wurden, heißt es laut deutschen Verfassungsschutz, dass die Anschläge von einer speziellen „Vergeltungseinheit“ der TAK, die als „Gurze Rustem Birligi“ („Einheit des Gurze Rustem“) bezeichnet wird, durchgeführt wurden.„Gurze Rustem“ ist die Heldenfigur eines im 10. Jahrhundert entstandenen iranischen Epos.

Die von der Türkei, der EU und den USA als terrorististische Organisation eingestufte PKK kämpft seit 1984 für mehr Selbstbestimmung im kurdisch dominierten Südosten der Türkei. Nach der Festnahme des PKK-Chefs Abdullah Öcalan im Jahr 1999 zogen sich rund 5000 PKK-Rebellen in den Nordirak zurück und erklärten den bewaffneten Kampf für beendet. Die PKK verkündete einen einseitigen Waffenstillstand. Seit Juni 2004 gibt es aber wieder vermehrt Gefechte. Die türkische Regierung und die Militärs lehnen Verhandlungen mit den kurdischen Rebellen strikt ab und fordern stattdesssen deren bedingungslose Kapitulation. Im Krieg zwischen der Armee und der PKK wurden etwa 37.000 Menschen getötet.

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