ISS: Astronauten an der Arbeit

Nach ihrer ersten Nacht an Bord der Internationalen Raumstation ISS haben sich der deutsche Astronaut Thomas Reiter und seine Teamkollegen am Freitag an die Arbeit gemacht.

Mit Hilfe eines Roboterarms begannen die Astronauten, die tonnenschwere Ladung des Space Shuttle Discovery in die ISS umzuladen. Zu der Nachschublieferung gehören neben Lebensmitteln und Kleidung auch ein Kühllabor, ein Inkubator und ein Sauerstoffgenerator.

Unter Federführung von Stephanie Wilson und Lisa Nowak, den beiden einzigen Astronautinnen an Bord der ISS, wurde das zwei Tonnen schweren Logistik-Modul „Leonardo“ vorsichtig aus der Discovery gehoben und in die ISS bugsiert. Bei dem Manöver kam ein Roboterarm zum Einsatz, der von Wilson und Nowak ferngesteuert wurde. Es sollte mehrere Tage dauern, bis die Mitbringsel aus dem Modul entladen und in der ISS verstaut sind.

„Leonardo“ wurde in Italien gebaut. Insgesamt brachte die Discovery 12,8 Tonnen Ladung zur ISS. Auf ihrem Rückflug soll sie überflüssiges Material von der ISS zurück zur Erde transportieren.

Für die beiden ISS-Besatzungsmitglieder Pawel Winogradow und Jeffrey Williams war der Freitag ein besonderer Tag: Sie verbrachten ihren 100. Tag im All. Über den Besuch der sieben Discovery-Astronauten, die am Vortag an der ISS angekommen waren, hatten sie sich sichtlich gefreut: Die Gäste wurden mit Umarmungen begrüßt. „Jetzt haben wir ein volles Haus“, sagte Williams. Reiter soll noch etwa sechs bis sieben Monate mit Williams und Winogradow im All bleiben, während die sechs übrigen Discovery-Astronauten nach anderthalb Wochen an Bord des Space Shuttle zur Erde zurückfliegen sollen.

Die Rückreise stand ersten Sicherheitskontrollen zufolge nicht in Frage. Nach der ersten Auswertung der Fotos zeigte sich die US-Raumfahrtbehörde NASA sehr zufrieden mit dem Zustand des Space Shuttle. Die Discovery sehe nach ihrer zweitägigen Reise zur ISS „sehr sauber“ aus, sagte John Shannon, stellvertretender NASA-Direktor für das Raumprogramm, am Donnerstag (Ortszeit) am Johnson Space Center im texanischen Houston. Das zeige eine erste Durchsicht der mehr als 350 Fotos, die von der Unterseite der Raumfähre gemacht worden waren, bevor sie an die ISS andockte.

Auch alle Bordsysteme funktionierten gut, sagte Shannon. „Also, bis jetzt ist es einfach ein toller Flug.“ Bis zur vollständigen Auswertung der Fotos werde es aber noch bis zum Wochenende dauern, fügte Shannon hinzu. Vor dem Rückflug der Discovery will die US-Raumfahrtbehörde eine Beschädigung des lebenswichtigen Hitzeschildes ausschließen. Die aufwendige Inspektion der Außenhülle gehört zu den verschärften Sicherheitsstandards, mit denen die NASA auf die Columbia-Katastrophe reagierte.

Für Flüge zur ISS, die nicht mit dem Space Shuttle unternommen werden, muss die NASA künftig tief in die Tasche greifen. Die russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos setzte den Flugpreis für Gastastronauten zur ISS auf zwölf Millionen Dollar (9,4 Millionen Euro) fest. Dieser Preis sei kürzlich in den USA ausgehandelt worden, teilte der Leiter der Abteilung für bemannten Raumflug von Roskosmos, Alexej Krasnow, laut Nachrichtenagentur Interfax mit.

Bisher waren die Sojus-Flüge zur ISS für die US-Astronauten kostenlos, doch eine entsprechende Vereinbarung wurde nicht mehr verlängert. Der erste Millionenbetrag wird im nächsten Frühjahr fällig, wenn die russische Raumfahrt einen US-Astronauten zur ISS befördern soll.

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