Israelische Truppen im Libanon

Die israelischen Streitkräfte sind am Mittwoch in den Libanon einmarschiert. Dem war die Entführung von zwei Soldaten durch Hisbollah vorangegangen. | Offensive im Gaza-Streifen

Israel reagierte damit auf die Entführung zweier Soldaten durch die Miliz der in der libanesischen Regierung vertretenen radikalen Schiiten-Organisation Hisbollah. Die israelische Regierung betrachte die Entführung als „Kriegsakt des Staates Libanon gegen den Staat Israel”, erklärte Ministerpräsident Ehud Olmert, der Verhandlungen mit der Hisbollah ausschloss. „Die Ereignisse (…) sind kein terroristischer Angriff, sondern eine von einem souveränen Staat ohne jede Rechtfertigung gestartete Aktion gegen Israel”, sagte Olmert auf einer Pressekonferenz in Jerusalem. Das Kabinett werde am Abend auf einer Krisensitzung über weitere militärische Antworten entscheiden.

Die israelische Reaktion werde „sehr schmerzvoll und weit reichend” sein, sagte Olmert. Der israelische Rundfunk meldete unterdessen, es seien schwere Kämpfe in Gang. Verteidigungsminister und Vizepremier Amir Peretz hatte zuvor erklärt, Israel mache die libanesische Regierung direkt für die Aktionen der Hisbollah verantwortlich. „Dem Staat Israel steht es frei, alle notwendigen Mittel einzusetzen, und die Armee hat dementsprechend Weisung erhalten”, hieß es in einer Erklärung des Verteidigungsministers. 6000 Reservisten wurden mobilisiert.

Der libanesische Ministerpräsident Fouad Siniora appellierte an UNO-Generalsekretär Kofi Annan und an den Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, alles zu tun, um der israelischen „Aggression” Einhalt zu gebieten. Siniora traf in Beirut mit dem UNO-Vertreter Geir Pederson zusammen.

Der syrische Vizepräsident Faruk al-Sharaa hat Israel für die Eskalation im Südlibanon und im Gaza-Streifen verantwortlich gemacht. „Es ist sicher, dass die Besatzung das libanesische und das palästinensische Volk provoziert”, sagte Sharaa am Rande eines Treffens mit dem iranischen Atom-Chefunterhändler und Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Ali Larijani, in Damaskus. Larijani erwiderte, der Widerstand sei „notwendig in einem Moment, da die zionistische Einheit Angriffe ausführt und Massaker am palästinensischen Volk verübt”. Der stellvertretende US-Außenminister David Welch sprach bei einem Besuch in Kairo von einer sehr gefährlichen Eskalation. Damit seien alle Bemühungen gefährdet, den Nahost-Konflikt einer friedlichen Lösung zuzuführen. Die französische Regierung rief alle am Konflikt beteiligten Parteien zur Zurückhaltung auf.

Die pro-iranische Hisbollah, die die Freilassung von Gefangenen aus israelischer Haft fordert, habe ihre Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel erklärt, sagte ein libanesischer Regierungsvertreter am Mittwoch in Beirut. Anfang 2004 hatte Israel unter deutscher Vermittlung mehr als 420 arabische Häftlinge freigelassen. Im Gegenzug ließ die Hisbollah damals den israelischen Geschäftsmann Elhanan Tennenbaum frei und überstellte die Leichen dreier Soldaten, die vier Jahre zuvor bei einem Angriff an der libanesischen Grenze getötet worden waren. Der Reserve-Oberst Tennenbaum soll militärische Geheimnisse an die Libanesen verkauft haben. Auch war er in Israel verdächtigt worden, seine Entführung durch die Schiitenmiliz vorgetäuscht zu haben.

Drei Soldaten getötet

Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah hat drei israelische Soldaten bei einem Angriff im Libanon getötet. Das gab die israelische Armee am Mittwoch bekannt. Der arabische TV-Nachrichtensender „Al-Jazeera“ hatte zuvor gemeldet, bei einem Hisbollah-Angriff seien sieben israelische Soldaten getötet worden. Die israelischen Streitkräfte sind am Mittwoch in den Libanon einmarschiert; Israel reagierte damit auf die Entführung zweier Soldaten durch die Hisbollah-Miliz.

Israelische Soldaten haben am Mittwoch einen libanesischen Hisbollah-Kämpfer erschossen, der in einen Militärstützpunkt im Norden Israels eindringen wollte. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte näherte er sich einem Zaun des Stützpunkts. Die pro-iranische schiitische Miliz feuerte darüber hinaus mehrere Raketen in Richtung der israelischen Grenze ab. Berichte über Verletzte lagen nicht vor, die Bewohner der Grenzregion wurden aufgefordert, sich in Schutzräume zu begeben.

Welle von Luftangriffen

Nach der Entführung zweier israelischer Soldaten in den Südlibanon plant Israel laut Fernsehberichten vom Mittwoch eine Serie von Luftangriffen auf das Nachbarland. Verteidigungsminister Amir Peretz habe der Armee dazu die Anordnung erteilt, berichtete der Fernsehsender „Kanal 10“. Die Armee solle Einrichtungen der schiitischen Hisbollah-Miliz und die zivile Infrastruktur in dem Gebiet ins Visier nehmen. Die Hisbollah hat nach eigenen Angaben die beiden Soldaten gefangen genommen. Die pro-iranische schiitische Miliz kontrolliert den Südlibanon, seit sich Israel vor sechs Jahren von dort zurückgezogen hat.

Der israelische Online-Dienst „ynet“ hatte zuvor berichtet, der Generalstab werde Peretz eine größere Offensive in dem nördlichen Nachbarland empfehlen, die „die Spielregeln in der Region verändern“ solle. Der Verteidigungsminister und Vizepremier hatte erklärt, Israel mache die libanesische Regierung direkt für die Aktionen der Hisbollah verantwortlich. Die Hisbollah ist seit 2005 in der libanesischen Regierung vertreten.

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