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Israel will Siedler-Häuser zerstören

Israel will die Privathäuser der jüdischen Siedler beim geplanten Abzug aus dem Gazastreifen nach Angaben eines ranghohen Sicherheitsbeamten zerstören.

„Das übrige Eigentum bleibt intakt, insbesondere die Infrastruktur“, sagte der stellvertretende Leiter des israelischen Sicherheitsrates, Itamai Jaar, der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Tel Aviv.

Für dieses Vorgehen, das noch nicht förmlich beschlossen sei, gebe es mehrere Gründe: Zum einen hätten palästinensische Führungskräfte mit Unbehagen darauf reagiert, dass die Häuser ursprünglich erhalten bleiben sollten – sie fürchteten demnach, nicht ausreichend Kontrolle über das Eigentum ausüben zu können oder dass Israelis zurückkommen und es wieder in Besitz nehmen könnten.

Zum anderen habe die Weltgemeinschaft kein Interesse daran bekundet, sich um die Häuser zu kümmern und sie gegebenenfalls zu verkaufen, sagte Jaar. Im Übrigen sei zunächst vorgesehen gewesen, die Häuser nach dem Rückzug einfach zu belassen; daraufhin hätten die Palästinenser aber mitgeteilt, dass sie die Häuser an Angehörige von Selbstmordattentätern verschenken würden. Daraufhin sei den Israelis klar geworden, „dass das ihren Interessen zuwiderläuft“. Wie nun genau mit den Häusern verfahren werde, sei Gegenstand derzeitiger Gespräche mit den Palästinensern. Auch wenn es keine offiziellen Verhandlungen gebe, müssten doch „einige Fragen“ gemeinsam geklärt werden.

Israels Verteidigungsminister Shaul Mofaz kritisierte die Aufrufe von verschiedenen Politikern und Geistlichen, die Soldaten zur Befehlsverweigerung beim geplanten Abzug aufgerufen haben. „Die Aufrufe gewisser Rabbiner zum Ungehorsam sind unzulässig und müssen verurteilt werden“, sagte Mofaz bei einer Gedenkfeier in Tel Aviv. Er bezog sich damit vor allem auf den früheren Großrabbi Awraham Shapira, der die Armee aufgefordert hatte, den Befehlen zur Räumung der jüdischen Siedlungen nicht Folge zu leisten. Die Siedlungen aufzugeben, sei „eine Sünde“, erklärte Shapira.

Ab kommenden Montag berät das israelische Parlament über den Rückzugsplan des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon. Der Ministerpräsident hat sich mit seinem Plan, bis Ende 2005 alle 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen sowie vier weitere im Westjordanland zu räumen, viele Siedler und eigene Parteikollegen zu Feinden gemacht. Er hält dennoch an seinem Vorhaben fest.

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