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Israel setzt Vergeltungsaktionen fort

Auch nach dem Ende ihres Großeinsatzes im Gazastreifen setzt die israelische Armee ihre Vergeltungsaktionen gegen Raketenangriffe radikaler Palästinenser fort. Augenzeuge zufolge kam dabei ein Hubschrauber zum Einsatz.

Mit einem gezielten Luftangriff tötete die Luftwaffe am Donnerstagabend in Gaza einen Anführer der Hamas und dessen Stellvertreter, die als Konstrukteure der Kassam-Raketen galten. Israel macht Adnan el Ghoul und Imad Abbas außerdem für zahlreiche Anschläge verantwortlich. In der Nacht feuerte ein Kampfhubschrauber zudem drei Raketen auf das Haus eines radikalen Palästinenserführers, dessen Organisation sich zu einem Angriff mit Kassam-Raketen auf die israelische Stadt Sderot bekannte.

Ghoul und Abbas wurden am Abend regelrecht zerfetzt, als ein Kampfhubschrauber ihr Fahrzeug im Norden von Gaza beschoss, wie ein Hamas-Sprecher mitteilte. Zwei weitere Menschen wurden nach Krankenhausangaben bei dem Angriff verletzt, einer von ihnen schwer. Nach dem Angriff fuhren Hamas-Anhänger durch Gaza und schworen über Lautsprecher Rache. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat verurteilte den israelischen Angriff. Dieser belege, dass Israel auf Waffengewalt statt Verhandlungen setze.

Der 47-jährige Ghoul war einer der Anführer des bewaffneten Hamas-Arms, der Essedin-el-Kassam-Brigaden, und enger Vertrauter des früheren „Bombenbauers“ der Hamas, Jehia Ayash, der 1996 vermutlich vom israelischen Geheimdienst getötet worden war. Ghoul stand seit etwa zehn Jahren auf Israels Liste der meistgesuchten Palästinenser. Gemeinsam mit Abbas soll er die Kassam-Raketen konstruiert haben, die radikale Palästinenser immer wieder auf israelisches Gebiet abfeuern.

Die israelische Armee greift immer wieder gezielt Mitglieder radikaler Palästinenserorganisationen an und wird deswegen international kritisiert. Im Frühjahr tötete die Armee den geistigen Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, und wenig später auch seinen Nachfolger Abdelaziz Rantissi.

Augenzeugen zufolge feuerte ein israelischer Kampfhubschrauber in der Nacht drei Raketen auf das Haus des örtlichen Chefs des palästinensischen Komitees des Volkswiderstandes ab. Die Organisation von Mitgliedern verschiedener bewaffneter Palästinenser-Gruppen bekannte sich zu einem Kassam-Raketenangriff auf Sderot, bei dem nach Armeeangaben kein Schaden entstand.

Es war der erste palästinensische Raketenangriff auf israelisches Gebiet, seit Israel die mehr als zweiwöchige Operation „Tage der Buße“ am 15. Oktober beendete. Mit dem Einsatz, bei dem 129 Palästinenser getötet wurden, sollten derartige Raketenangriffe gestoppt werden. Der Einsatz hat nach UN-Angaben 675 obdachlose Palästinenser und Schäden in Höhe von 2,4 Millionen Euro hinterlassen. Auch sechs Schulen und drei Moscheen seien zerstört worden.

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