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Israel: Hamas-Kommandozentrum und Waffen in Al-Shifa-Spital gefunden

Israels Armee behauptet Hamas-Waffen im Al-Shifa-Spital sichergestellt zu haben (kleines Bild), das Gesundheitsministerium in Gaza stellt die Angaben in Abrede.
Israels Armee behauptet Hamas-Waffen im Al-Shifa-Spital sichergestellt zu haben (kleines Bild), das Gesundheitsministerium in Gaza stellt die Angaben in Abrede. ©Israel Defense Forces/Handout via REUTERS
Israels Armee hat bei ihrer Erstürmung des Al-Shifa-Spitals in der Stadt Gaza nach eigenen Angaben dort Waffen, Militärtechnologie und ein Kommandozentrum der Hamas entdeckt.

Darum geht's:

  • Israelische Armee entdeckt Waffen und Hamas-Kommandozentrum in Gaza-Krankenhaus
  • Vermittler aus Katar verhandeln Freilassung von 50 Geiseln mit Hamas
  • Höhere humanitäre Hilfe und Freilassung von Hamas-gefangenen Frauen und Kindern im Gespräch

In der Klinik sei ein "operatives Hauptquartier" der radikalislamischen Palästinenserorganisation mit Kommunikationsausrüstung gefunden worden, sagte Armeesprecher Daniel Hagari am Mittwochabend. Das von der Hamas geleitete Gesundheitsministerium im Gazastreifen stellte dies indes in Abrede.

In einer zeitgleich veröffentlichten Stellungnahme hieß es, die israelische Armee habe in dem Krankenhaus keine Waffen oder andere militärische Ausrüstung entdeckt.

Weniger als einen Tag nach der Erstürmung des Spitals in der Stadt Gaza hatte sich die israelische Armee am Mittwoch laut einem an Ort und Stelle anwesenden Journalisten aus der Klinik zurückgezogen. Soldaten und Panzer der israelischen Armee hätten das Krankenhausgelände am Mittwochabend verlassen und um die Anlage herum Stellung bezogen, berichtete der Journalist, der mit der Nachrichtenagentur AFP zusammenarbeitet. Der israelische Armeeeinsatz stieß international teils auf heftige Kritik.

Israelische Soldaten hatten nach tagelangen Kämpfen rund um das Al-Shifa-Krankenhaus in der Nacht zum Mittwoch die größte Klinik des Gazastreifens gestürmt, in der sich UN-Angaben zufolge mindestens 2.300 Menschen befanden. Die Armee sprach von einem "präzisen und gezielten" Militäreinsatz gegen die Hamas.

Israel geht davon aus, dass die radikalislamische Palästinenserorganisation in Tunneln unter dem Krankenhausgelände ein Kommandozentrum eingerichtet hat - eine Einschätzung, die von den USA geteilt und von der Hamas zurückgewiesen wird.

Nach Angaben der israelischen Armee war der Hamas eine Frist von zwölf Stunden gesetzt worden, um jegliche militärische Aktivitäten in dem Krankenhaus einzustellen. Das sei nicht erfolgt.

Während der Erstürmung hätten die teilweise maskierten israelischen Soldaten dutzende Zivilisten verhört, von denen einige bis auf die Unterwäsche entkleidet gewesen seien, berichtete der mit der AFP in Kontakt stehende Journalist. Die Menschen wurden ihm zufolge freigelassen, als sich die israelische Armee zurückzog.

Bei der Aktion wurde nach Aussagen eines Arztes teils heftig gekämpft. Es habe stundenlange Schusswechsel und Bombardements gegeben, berichtete ein Mediziner der Klinik laut "Washington Post". Die Soldaten ließen nach Angaben dieses Reporters auch drei Kästen mit medizinischem Material in dem Hospital zurück. Die israelische Armee kommentierte die Berichte über den Rückzug zunächst nicht.

Katar um Freilassung von 50 Geiseln bemüht

Vermittler aus Katar sind einem Insider zufolge bemüht, zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas die Freilassung von 50 in den Gazastreifen verschleppten Geiseln zu vereinbaren. Im Gegenzug solle es eine dreitägige Waffenruhe geben, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Das wäre die höchste Zahl an freigelassenen Geiseln seit der Entführung beim Hamas-Angriff auf den Süden Israels am 7. Oktober.

Geiseln gegen Gefangene

Sollte die Vereinbarung, die mit den USA koordiniert werde, zustande kommen, würden auch einige palästinensische Frauen und Kinder aus israelischen Gefängnissen freikommen. Zudem würde die Menge an humanitärer Hilfe, die Israel in den Gazastreifen passieren lasse, erhöht werden, hieß es.

Die Hamas habe den allgemeinen Umrissen einer solchen Vereinbarung bereits zugestimmt, sagte der Insider weiter. Israel habe das dagegen bisher nicht getan und verhandle noch immer über Einzelheiten. Es war nicht bekannt, wie viele Frauen und Kinder Israel aus seinen Haftanstalten entlassen würde.

Keine umfassenden Geisel-Freilassungen

Die Hamas hat nach israelischen Angaben bei ihrem überraschenden Angriff rund 240 Geiseln verschleppt. Bisher ist bekannt, dass sie zweimal je zwei Frauen wieder freigelassen hat. Katar führt die Vermittlungen zwischen Hamas und Israel über die Freilassung der Geiseln und unterhält direkte Gespräche mit beiden Seiten.

Eine umfassendere Freilassung von Geiseln der Hamas sei derzeit nicht im Gespräch, sagte der Insider. Von israelischer Seite gab es zunächst keine ausführliche Stellungnahme. Man wolle die Diplomatie nicht untergraben, hieß es zur Begründung. In der Hamas-Führung wurden die Verhandlungen nicht direkt bestätigt. Israel verweigere und verzögere die Freilassung von 50 gefangengehaltenen palästinensischen Frauen und Kindern, sagte Essat El Rashk, ein Mitglied der politischen Führung der Hamas, lediglich. Das gelte auch für Erleichterungen und Hilfslieferungen für alle Gebiete im Gazastreifen.

Katar als Vermittler

Das Außenministerium von Katar war zu keiner Stellungnahme bereit. Der reiche Golf-Staat unterhält direkte Beziehungen zu Israel und der Hamas. Er hat bereits früher dazu beigetragen, zwischen beiden Konfliktparteien Waffenruhen auszuhandeln. Außerdem beherbergt Katars Hauptstadt Doha ein Politik-Büro der Hamas.

Die Al-qassam-Brigaden, der bewaffnete Teil der Hamas, hatte am Montag erklärt, sie hätten den Unterhändlern aus Katar ihre Bereitschaft bekundet, im Gegenzug für eine fünftägige Waffenruhe bis zu 70 Frauen und Kinder freizulassen.

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(APA)

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