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Israel begeht Holocaust-Gedenktag

Zum Auftakt der traditionellen Gedenkfeier fand Montag Abend in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem die zentrale Zeremonie mit Beteiligung der Staatsspitze statt.

Der Holocaust-Gedenktag in Israel steht im Zeichen eines wachsenden Zeitabstandes zu dem Völkermord, einem altersbedingten Verschwinden der letzten Zeitzeugen aber auch eines wachsenden Interesses an der Zäsur in der Menschheitsgeschichte, die jener Massenmord verursachte. Avi Beker, Direktor des jüdischen Weltkongresses, bemerkte „ein weltweites immer größeres Interesse an der Shoah, was durch die Errichtung von Museen und neuen Gedenkstätten zum Ausdruck kommt, wobei die Initiative dazu in vielen Fällen von Nichtjuden ausgeht.“ Auf der anderen Seite gebe es eine besorgniserregende Zunahme des Antisemitismus.

Anstelle von Vandalismus komme es vermehrt zu Anschlägen und Schüssen auf Juden. Ein neues Phänomen in Amerika und Europa sei die Verbreitung eines „intellektuellen Antisemitismus“ unter Akademikern.

Alte antijüdische und antisemitische Vorurteile würden fast unbemerkt in die Kritik gegen Israel oder in jüngster Zeit sogar gegen den Irak-Krieg der Amerikaner eingebracht, indem ständig auf die wenigen jüdischen Berater und Beamte in der amerikanischen Regierung verwiesen werde. So werde die Vorstellung einer „jüdischen Weltverschwörung“ erneuert, wie sie vom KGB in dem antisemitischen Machwerk „Die Weisen von Zion“ erfunden worden sei.

In Israel beginnen die Tage mit Sonnenuntergang. Deshalb fand zum Auftakt der traditionellen Gedenkfeier Montag Abend in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem die zentrale Zeremonie mit Beteiligung der Staatsspitze statt. Sechs Holocaust-Überlebende, ursprünglich aus Frankreich, Polen und Ungarn, entzündeten Fackeln zum Gedächtnis an die sechs Millionen ermordeten Juden. Wegen ihres hohen Alters, zwischen achtzig und neunzig, ließen sie sich bei der Zeremonie von ihren Enkeln begleiten.

Heute, Dienstag, werden in ganz Israel um 10:00 Uhr Vormittag zwei Minuten lang die Luftschutzsirenen heulen. Es ist üblich, dass dann der Verkehr zum Stillstand kommt und die Menschen schweigend eine Gedenkminute einlegen.

Die zentrale Gedenkstätte Yad Vashem begeht in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Ursprünglich auf etwa 300.000 Besucher im Jahr ausgelegt, ist die Gedenkstätte mit einer „Allee der Gerechten“, einem „Gedenkzelt“, Museen, Skulpturen, einem „Tal der zerstörten Gemeinden“ und Forschungsinstituten dem Ansturm der jährlichen zwei Millionen Besucher nicht mehr gewachsen. Umfassende Umbauarbeiten, darunter die Errichtung eines neuen unterirdischen Museums, sollen im Jahr 2005 abgeschlossen sein.

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