Israel: Ausweitung der Gaza-Offensive

Israel hat nach einem palästinensischen Raketenangriff auf die Stadt Ashkelon eine Ausweitung seiner Gaza-Offensive beschlossen. Luftangriff auf Innenministerium in Gaza.

Das Sicherheitskabinett stimmte am Mittwoch nach Angaben aus Teilnehmerkreisen einem möglichen Vormarsch der Streitkräfte in bewohntes Gebiet zu. Die am Dienstagabend aus dem Gazastreifen auf Ashkelon abgefeuerte Rakete flog etwa zwölf Kilometer weit und schlug im Hof einer Schule ein. Verletzt wurde niemand.

Palästinensische Extremisten hatten schon häufiger Raketen in Richtung Ashkelon geschossen, aber noch nie wurde das Zentrum der 110.000 Einwohner zählenden Küstenstadt getroffen. Der militärische Arm der regierenden Hamas, die Ezzedin al-Kassam-Brigaden hatte sich zu dem Angriff bekannt. Ministerpräsident Ehud Olmert nannte den Angriff eine „bedeutende Eskalation“ und kündigte „weit reichende Konsequenzen“ an. „Die Hamas-Organisation wird die erste sein, die das zu spüren bekommt“, sagte er.

Büro von Olmert sprach am Mittwoch von der Einführung neuer „Spielregeln“ in der Region. Der engste Ministerkreis des so genannten Sicherheitskabinetts habe eine „lang andauernde, in Stufen verlaufende Militäroperation“ im Gazastreifen und Westjordanland gebilligt. Die Bewegungsfreiheit militanter Palästinenser solle durch eine Unterteilung des Gazastreifens in verschiedene Abschnitte eingeschränkt werden. Olmerts Büro dementierte jedoch Medienberichte über die angeblich geplante Einrichtung einer Sicherheitszone im nördlichen Gazastreifen. Es seien Einsätze gegen Einrichtungen der Hamas und Infrastrukturen geplant, „die dem Terror dienen“.

Die seit einer Woche andauernde Militäroperation im Gazastreifen hat zum Ziel, den entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit zu befreien. Der 19-Jährige befindet sich seit dem 25. Juni in der Hand palästinensischer Extremisten. Einem Zeitungsbericht zufolge halten sie Shalit in einem unterirdischen Bunker im Gaza-Streifen gefangen. Mit dem Rekruten hielten sich sieben Entführer versteckt, berichtete die israelische Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ am Mittwoch unter Berufung auf arabische Vermittler. Um den Kontakt zur Außenwelt möglichst gering zu halten, ernährten sie sich von im Vorfeld gebunkerten Lebensmitteln. Die Entführer hätten zudem ihre Mobiltelefone ausgeschaltet. Sie würden nur mit ihren Anführern kommunizieren.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage griff die israelische Luftwaffe am Mittwoch das palästinensische Innenministerium in Gaza-Stadt an. Nach Angaben von Rettungskräften wurden fünf Menschen verletzt. Augenzeugen berichteten, die beiden obersten Stockwerke des Ministeriums seien eingestürzt, ein benachbartes Gebäude sei in Brand geraten. Auch eine von der Hamas betriebene Grundschule sei getroffen worden. Ein 13-jähriger Bub wurde nach palästinensischen Angaben schwer verletzt.

Das israelische Militär versuchte am Morgen vergeblich, weitere führende Hamas-Politiker festzunehmen. Augenzeugen berichteten, dass Soldaten das Haus des Parlamentspräsidenten Aziz Dweik in Ramallah stürmten. Auch Häuser mehrerer anderer Abgeordneter der Hamas wurden durchsucht. In allen Fällen seien die Parlamentarier jedoch nicht zu Hause gewesen. Israel hatte bereits 26 Hamas-Abgeordnete und 8 Minister in Haft genommen.

In einem Flüchtlingslager bei Jericho im Westjordanland töteten Soldaten am Mittwoch einen weiteren mutmaßlichen palästinensischen Extremisten. Dabei soll es sich um ein Mitglied der Al-Aksa-Brigaden gehandelt haben.

Die finnische EU-Ratspräsidentschaft kritisierte das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen als „unverhältnismäßig“. Damit werde die gesamte palästinensische Bevölkerung bestraft, sagte die finnische Europaministerin Paula Lehtomäki vor dem Europaparlament in Straßburg. Gleichzeitig forderte sie die Palästinenser auf, den entführten israelischen Soldaten freizulassen und den Raketenbeschuss zu stoppen.

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