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Islam-Konferenz will Oper besuchen

Die Teilnehmer der deutschen Islam-Konferenz wünschen sich eine rasche Wiederaufnahme der "Idomeneo"-Oper, die wegen möglicher islamistischer Angriffe abgesetzt worden war.

Die 30 Konferenzmitglieder wollen nach den Worten von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vom Mittwoch dann auch gemeinsam in die Inszenierung gehen.

„Wir wollen versuchen – wenn wir Karten kriegen – dass alle Teilnehmer der Konferenz sie zusammen besuchen“, sagte Schäuble nach dem ersten Treffen der Runde in Berlin. Dies sei „völlig einvernehmlich“ die Haltung der Islam-Konferenz gewesen. Er halte dies für die richtige Art, eine Diskussion zu beenden, die in niemandes Interesse sei, fügte Schäuble hinzu.

Der Minister relativierte zugleich seine Kritik an der Entscheidung der Intendanz, die Oper wegen einer möglichen islamistischen Gefährdung vom Spielplan zu nehmen. Er sei von der Nachricht am Montagabend auf einer Auslandsreise in Washington überrascht worden und habe es zunächst nicht glauben können. Von daher habe er „vielleicht ein bisschen deutlich gesagt, dass ich eine solche Entscheidung für falsch halte“, sagte Schäuble. Zugleich müssten aber Hinweise auf eine Gefährdung immer ernst genommen werden, und es sei keine leichte Entscheidung gewesen, räumte Schäuble ein. Nun plädiere er aber für ein Ende der Diskussion: „Die Debatte gab es nun zwei Tage – und nun ist es genug.“ Schäuble hatte die Opern-Entscheidung zunächst „verrückt“ genannt und hinzugefügt: „Das ist inakzeptabel.“

Wiederaufnahme von Mozart-Oper angestrebt

Nach massiver Kritik zeichnete sich am Mittwoch eine Wiederaufnahme der abgesetzten Oper „Idomeneo“ in Berlin ab. Der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Berlins Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) sprachen sich dafür aus, die Oper so schnell wie möglich wieder auf den Spielplan zu bringen. Auch die Deutsche Islam-Konferenz würde sich freuen, sagte Schäuble in Berlin. Die Deutsche Oper signalisierte grundsätzliche Bereitschaft. Unterdessen nahm die Kritik an den Sicherheitsbehörden und Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) zu. Er hatte eine Absetzung des Stücks empfohlen, ohne eine konkrete Gefährdung zu nennen. Die Deutsche Oper warf den Berliner Sicherheitsbehörden vor, angesichts der Gefährdungsanalyse die Intendantin Kirsten Harms „allein gelassen zu haben“. Sie sei keine Expertin und könne daher auch nicht die wahre Bedrohung ermessen, sagte ein Opernsprecher. Harms hatte die für November geplanten vier Aufführungen der Inszenierung des Regisseurs Hans Neuenfels abgesetzt, in der König Idomeneo neben Jesus, Buddha und Poseidon auch den abgeschlagenen Kopf des Propheten Mohammed präsentiert. Flierl (Linkspartei) will zusammen mit Innensenator Körting und dem Ausländerbeauftragten Günter Piening so schnell wie möglich die Bedingungen für die Wiederaufnahme der Oper schaffen.

An der Initiative sollen sich auch die Kirchen und die islamischen Verbände beteiligen. „Berlin will diese Inszenierung“, sagte Flierl. Bei der Absetzung der Oper sei Harms von einem „Sicherheitsszenario“ ausgegangen, das nicht der realen Bedrohung entsprochen habe. „Man kann sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden.“ Schäuble möchte alle Teilnehmer der Islam-Konferenz zu einer Aufführung einladen. Körting räumte ein, dass es keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung gegeben habe.

Allerdings sei das Landeskriminalamt (LKA) zum Ergebnis gekommen, dass eine Gefahrensituation eintreten könnte. Er äußerte Verständnis für die Entscheidung der Intendantin. Er sei derjenige gewesen, „der mit Frau Harms gesprochen hat und sie auf die Risiken hingewiesen hat, und dann wäre es jetzt ganz schön hinterhältig, wenn ich mich jetzt von Frau Harms distanzieren würde“. Nach Angaben eines Senatssprechers war am Senatstisch kontrovers über Körtings Position diskutiert worden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe eine andere Meinung als der Innensenator vertreten. Der Deutsche Bühnenverein kritisierte die Sicherheitsbehörden. Es sei Aufgabe des LKA zu beurteilen, ob die Gefährdungsanalysen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich machten oder nicht. Eine solche Entscheidung könne nicht den betroffenen Theatern oder Konzertsälen überlassen werden. Bei ernst zu nehmenden Sicherheitshinweisen hätten die Behörden Schritte unternehmen müssen, um die Inszenierung aufführen zu können. Die Berliner CDU warf Körting vor, die Intendantin im Regen stehen gelassen zu haben. „Körting hat übertrieben Panik verbreitet und Frau Harms damit in Angst und Schrecken versetzt“, sagte Generalsekretär Frank Henkel. Der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende Guido Westerwelle erklärte, die politische Verantwortung liege klar bei Körting und den Sicherheitsbehörden. Harms dürfe nicht zum „Bauernopfer“ gemacht werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete am Mittwoch die Entscheidung von Harms als Fehler. „Ich glaube, dass Selbstzensur uns nicht weiter hilft gegenüber gewaltbereiten Menschen, die im Namen des Islamismus Gewalt üben wollen.“ Es habe keinen Sinn immer weiter zurückzuweichen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, forderte die Wiederaufnahme der Oper. Neuenfels äußerte sich erneut verwundert über die Absetzung.

Er habe seit der Premiere im März 2003 keine Kritik von Muslimen gehört. „Die Inszenierung richtet sich weder gegen den Islam noch gegen eine andere Religion, sondern ist ein Diskurs über Religionsstiftung“, sagte der Regisseur der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). König Idomeneo, Hauptfigur des Werks, habe sich von seiner Religion gelöst und zu seiner ureigenen Substanz gefunden, erläuterte Neuenfels die Bedeutung der umstrittenen Szene. Als „völlig falsch“ verurteilte das Essener Zentrum für Türkeistudien die vermeintliche Sicherheitsmaßnahme der Deutschen Oper. Der Schritt schade den Muslimen in Deutschland, sagte der Leiter des Zentrums, Faruk Sen, der „Frankfurter Rundschau“ (Donnerstag). Sie stünden jetzt wieder zu Unrecht „als diejenigen da, die intolerant sind und mit westlichen Freiheiten nicht umgehen können“. Intendanten deutscher Opernhäuser bezeichneten bei einer dpa- Umfrage die Verbannung der Mozart-Oper aus dem Spielplan überwiegend als falsch, zeigten aber Verständnis. Eine Warnung der Sicherheitsbehörden mache große Angst, sagte der Generalintendant des Schauspiel- und Opernhauses Kiel, Daniel Karasek. „Das ist Feigheit vor dem Feind“, kritisierte dagegen der Intendant des Staatstheaters Darmstadt, John Dew. „Wenn alle Stricke reißen, würden wir das Stück übernehmen.“

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