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IS-Extremist "Jihadi John" offenbar getötet

Mohammed Emwasi ist eine der bekanntesten IS-Figuren
Mohammed Emwasi ist eine der bekanntesten IS-Figuren
Der britische IS-Extremist "Jihadi-John" ist bei einem US-Luftangriff in Nordsyrien vermutlich getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Washington werte den Einsatz noch aus, sagte Premierminister David Cameron am Freitag. "Wir warten auf eine Bestätigung." Sollte der Angriff erfolgreich gewesen sein, wäre der "Islamische Staat" ins Herz getroffen worden, betonte der Regierungschef.
IS-Henker vermutlich getötet

Der gebürtige Kuwaiter Mohammed Emwazi war in mehreren IS-Propagandafilmen zu sehen, in denen die Tötung amerikanischer und britischer Geiseln gezeigt wurde. Er ist einer der meistgesuchten Extremisten weltweit und ein Symbol für die Gräueltaten des IS, der weite Teile Syriens und des Iraks kontrolliert.

“Leib in Stücke gerissen”

Aus US-Regierungskreisen verlautete, Emwazi sei bei dem Angriff in der IS-Hauptstadt Raqqa wahrscheinlich ums Leben gekommen. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte unter Berufung auf Informanten in Raqqa, sein Leib sei bei dem Angriff in Stücke gerissen worden.

Tod des IS-Henkers “symbolisch sehr wichtig”

Experten gehen davon aus, dass der IS durch den Tod Emwazis – sollte er bestätigt werden – nicht entscheidend geschwächt wird. “Aber die symbolische Bedeutung ist natürlich erheblich”, sagte der Extremismusexperte Peter Neumann vom Londoner King’s College. Der Tod des berüchtigten Jihadisten wäre “symbolisch sehr wichtig”, sagte auch der IS-Experte Charlie Winter. Der britische Sicherheitsexperte Raffaello Pantucci äußerte sich zurückhaltender: “Taktisch gesehen ändert es eigentlich nichts für die Gruppe.”

Der britische Außenminister Philip Hammond sagte in Prag: “Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass der Angriff erfolgreich war, weil wir diese Information bisher nicht haben, wir verfolgen natürlich alle möglichen Wege, um zu bestätigen, dass er tot ist, obwohl wir glauben, dass der Angriff erfolgreich war.” Der Extremist sei ein “barbarischer Mörder” und eine Bedrohung für Zivilisten weltweit gewesen, sagte Cameron. Er bezeichnete den Angriff auf den IS-Kämpfer als “Akt der Selbstverteidigung”.

Angriff offenbar von Drohne geflogen

Auch US-Außenminister John Kerry erklärte, der Einsatz werde noch ausgewertet. Die Botschaft an den IS sei aber klar: “Eure Tage sind gezählt und ihr werdet besiegt werden”, sagte Kerry bei einem Besuch in Tunesien. Laut Berichten des Fernsehsenders CNN und der “Washington Post” wurde der Angriff von einer Drohne geflogen.

Der US-Fernsehsender Fox News zitierte einen ranghohen US-Militärvertreter mit den Worten, die USA seien sich “zu 99 Prozent sicher, dass wir ihn erwischt haben”. Ein anderer Militärvertreter sagte der BBC, es bestehe “ein hohes Maß an Sicherheit”, dass “Jihadi John” getötet worden sei.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei dem Angriff in Raqqa insgesamt vier Menschen getötet. Informanten an Ort und Stelle hätten eines der Opfer als “hochrangiges britisches Mitglied” des IS beschrieben. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Angaben von einem Netz von Informationen vor Ort, von unabhängiger Seite können sie nicht überprüft werden.

US-Journalisten James Foley enthauptet

Emwazi, ein in Kuwait geborener Brite mit irakischen Wurzeln, war in mehreren Videos der IS-Miliz zu sehen, wie er schwarz gekleidet und vermummt westliche Journalisten und Entwicklungshelfer enthauptete. Das erste Video vom August 2014 zeigte ihn, wie er den am Boden knienden US-Journalisten James Foley tötete. Zwei Wochen später enthauptete er den US-Journalisten Steven Sotloff. Es folgten weitere Enthauptungsvideos, die im Westen zum Symbol für die Grausamkeit der IS-Jihadisten in Syrien und im Irak wurden. Wegen seines britischen Akzents in den Videos wurde Emwazi von den Medien “Jihadi John” genannt. Später freigekommene Geiseln beschrieben ihn als “kalt, sadistisch und gnadenlos”.

Die Mutter der getöteten US-Geisel Foley bezeichnete den mutmaßlichen Tod des IS-Henkers als “schwachen Trost”. Der Militäreinsatz komme zu spät, die Armee hätte eingreifen sollen, als ihr Sohn und die anderen Geiseln noch am Leben waren, sagte Diane Foley dem TV-Sender ABC News.

Die britische Organisation Cage, die sich für die Rechte von Muslimen einsetzt und früher in Kontakt zu Emwazi stand, verurteilte den Militäreinsatz. “Gezielte Tötungen durch den Staat untergraben den juristischen Prozess”, erklärten die Aktivisten. “Emwazi hätte als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden müssen.”

(APA)

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