Irland: Straßenschlachten in Belfast

Mehrere hundert radikale Protestanten haben sich in Nordirland in der zweiten Nacht in Folge Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Laut Polizei wurden 17 Polizisten verletzt.

Die Demonstranten warfen Molotow-Cocktails und feuerten mit Schusswaffen auf die Beamten. 18 Demonstranten wurden festgenommen.

In der Nacht zum Sonntag war Belfast von den schwersten Ausschreitungen seit fünf Jahren erschüttert worden. Auslöser war das Verbot eines Protestantenmarsches durch ein Katholikenviertel.

Mehr als 700 Protestanten griffen in der Alberbridge Road im protestantischen Osten von Belfast Polizisten an. Dort sowie im Zentrum und im Norden von Belfast sowie in einigen Vororten setzten die überwiegend jugendlichen Demonstranten zahlreiche Autos in Brand. In der Stadt Balfor östlich von Belfast kaperten sie einen Bus und setzten das Fahrzeug in Brand, nachdem sie die Fahrgäste ausgeraubt und vertrieben hatten. In New Barnsley im Westen von Belfast versuchten Randalierer, die Tore einer Polizeiwache mit Autos zu zerstören. Im Vorort Newton Abbey wurden mehrere Geschäfte und ein Büro der Protestantenpartei DUP von Ian Paisley attackiert. Rettungsdienste konnten nach eigenen Angaben in einzelnen Stadtteilen keine Hilfe leisten.

Der britische Nordirlandminister Peter Hain bezeichnete die Situation als „sehr ernst“. Die Polizei sehe sich mit „Mordversuchen“ konfrontiert und habe es mit einem Ausmaß an Gewalt zu tun, das es seit Jahren nicht gegeben habe. Er wolle so schnell wie möglich mit führenden Vertretern der protestantischen Parteien und des Oranierordens zusammentreffen. Der nordirische Polizeichef Hugh Orde hatte am Sonntag den Oranierorden für die Gewalt verantwortlich gemacht. In der Nacht zum Sonntag waren 32 Polizisten verletzt worden, vier von ihnen sowie zwei Zivilisten schwer.

Begonnen hatten die Zusammenstöße am Rande der alljährlichen Whiterock-Parade des Oranierordens. Der Orden hatte vor dem Marsch zu Protesten gegen das Verbot des zuständigen Ausschusses aufgerufen, den Zug durch ein Katholiken-Viertel zu führen. In der Vergangenheit gab es bei den traditionellen Märschen des Oranierordens durch katholische Stadtteile immer wieder Auseinandersetzungen mit den Anwohnern.

Mit den Umzügen gedenkt der Oranierorden des Sieges Wilhelms III. von Oranien über den zum Katholizismus übergetretenen und 1688 vertriebenen Jakob II. am 12. Juli 1690 in der Schlacht am Fluss Boyne. Der 1795 gegründete Oranierorden ist die wichtigste protestantische Bruderschaft in Nordirland und verfügt eigenen Angaben zufolge über 80.000 Mitglieder. Er betrachtet sich als „Bollwerk“ gegen die von vielen nordirischen Katholiken gewünschte Vereinigung mit der Republik Irland und als Hüter protestantischer Traditionen in der britischen Provinz.

Unruhen von Untergrundorganisationen geschürt

Der britische Nordirlandminister Peter Hain spricht von eindeutigen Beweisen, wonach die Unruhen von den beiden größten protestantischen Untergrundorganisationen geschürt wurden. Dies lasse die Frage aufkommen, ob die 1994 erklärte Waffenruhe der Ulster Defense Association (UDA) und der Ulster Volunteer Force (UVF) noch Gültigkeit habe.

Die Belfaster Polizei habe eindeutige Beweise für die Involvierung der Organisationen präsentiert, so Hain. Nach dem Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 hätten diese beiden Gruppierungen ebenso wie die von katholischen Nationalisten getragene Terrororganisation IRA längst ihre Waffen abgeben müssen.

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