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Irland: Drama um U-Boot spitzt sich zu

Bei dem U-Boot-Drama auf hoher See vor der Nordwestküste Irlands ist ein Mensch ums Leben gekommen. Ein 32 Jahre alter Offizier des kanadischen Unterseeboots „HMCS Chicoutimi“ starb an den Folgen von Rauchverletzungen.

Diese hatte er bei einem Feuer in der Schaltzentrale erlitten. Zwei Tage nach dem SOS-Ruf des Kapitäns waren am Donnerstag immer noch 54 Seeleute auf der „Chicoutimi“ eingeschlossen. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist das Mobiltelefon.

Rettungsaktionen der britischen und irischen Marine waren zunächst durch schweren Seegang unmöglich gemacht worden. Bis Donnerstag trafen jedoch mehrere Fregatten und Schlepper der Royal Navy am Unglücksort ein. Auch irische Hilfsschiffe sind zur „Chicoutimi“ unterwegs, die etwa 200 Kilometer vor der Nordwestküste Irlands bei schwerem Wellengang im Atlantik dümpelt.

Der Kommandeur der britischen Fregatte „Montrose“, Andy Webb, ging davon aus, mit der Rettung des U-Boots am Donnerstagabend oder Freitag früh beginnen zu können. Das 70 Meter lange, Diesel- betriebene Patrouillen-U-Boot müsse abgeschleppt werden. Die Hoffnung, die eigenen Motoren wieder zu starten, hätten sich nach ersten technischen Untersuchungen zerschlagen.

Laut Webb wurden bei dem Feuer die Schaltzentrale und das elektrische Verteilersystem zerstört. In einigen Berichten war sogar von zwei Bränden gesprochen worden. Die Besatzung müsse sich mit der Batterie betriebenen Notversorgung begnügen, Essen und Medikamente wurden von der Besatzung der „Montrose“ an Bord gebracht. Die Männer auf der „Chicoutimi“ seien „guter Dinge“ und hätten die Situation gut im Griff, sagte Webb. Ein kanadischer Marinesprecher hatte allerdings zuvor erklärt: „Die Matrosen werden wie verrückt hin und hergeworfen.“

Am Donnerstag wurden Fragen darüber laut, wie es zu der Havarie kommen konnte. Noch am Vortag hatten sowohl die britischen als auch die kanadischen Behörden erklärt, die Besatzung sei in „keinerlei akuter Gefahr.“ Wenige Stunden später mussten drei durch Rauchvergiftungen schwer verletzte Männer in einer dramatischen Rettungsaktion von einem Militärhubschrauber in ein Krankenhaus nach Irland geflogen werden. Insgesamt waren bei dem Feuer neun Seeleute verletzt worden.

Zumindest die kanadischen Behörden haben inzwischen eine Fehleinschätzung eingeräumt. „Die Situation entwickelte sich schwieriger, als wir es vorausgesehen hatten“, gab der kanadische Militärchef, General Ray Henault, zu. Der Tod des 32 Jahre alten Ingenieurs Chris Saunders war im Parlament in Ottawa von Ministerpräsident Paul Martin mitgeteilt worden. In Halifax, der Heimatstadt von Saunders, hat die Nachricht große Anteilnahme ausgelöst.

Hinter dem Drama verbirgt sich nach britischen Medienberichten möglicherweise ein handfester Skandal. Die kanadische Marine hatte die „Chicoutimi“ und drei weitere U-Boote der „Victoria-Klasse“ 1998 für die stolze Summe von umgerechnet 360 Millionen Euro von der Royal Navy gekauft. Die Schiffe waren in den achtziger Jahren gebaut worden. In den neunziger Jahren stellte die Royal Navy auf eine atomare U-Boot-Flotte um.

Als letztes Schiff in der Vierer-Serie hatte die „Chicoutimi“ erst am Montag den Marinestützpunkt Faslane an der Westküste Schottlands nach einer Generalüberholung verlassen. Sie war dort am Samstag mit großem militärischem Zeremoniell an die Kanadier übergeben worden. Ihr Zielhafen war Halifax an der Ostküste Kanadas.

Nach einem Bericht der BBC hatte es auf allen vier Schiffen technische Mängel gegeben. Der kanadische Abgeordnete Bill Casey berichtete im Parlament in Ottawa von Problemen mit Überhitzung, undichten Ventilen, Lecks und Korrosion. Dies wird von der britischen Marine bestritten. Die kanadischen Behörden sollen nach unbestätigten Berichten erwägen, Großbritannien wegen der Sicherheitsmängel der U-Boote zu verklagen.

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