AA

Iran: Friedliche Absichten fraglich

Laut Experten erscheinen die Beteuerungen der iranischen Führung, mit der Urananreicherung lediglich friedliche Absichten zu verfolgen, immer weniger glaubhaft.

Man ist sich somit immer noch nicht im Klaren darüber, inwieweit die von Teheran verkündeten Fortschritte beim Atomprogramm tatsächlich gediehen sind.

Jüngstes Indiz ist die vom iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad – in einer Rede quasi beiläufig – gemachte Bemerkung, der Iran forsche an der Entwicklung einer modernen Gaszentrifuge, der P-2. Diese vom „Vater“ der pakistanischen Atombombe, Abdul Quadeer Khan, entwickelte Zentrifuge kann viermal soviel von dem Uran-Isotop U-235 anreichern als die bisher vom Iran noch experimentell verwendeten P-1-Zentrifugen.

Die Teheraner Atombehörde hat laut iranischer Nachrichtenagentur IRNA kürzlich einen Überblick über den Stand des Atomprogramms und die weiteren Pläne dazu gegeben. Nach Angaben ihres Vizechefs Mohammad Saidi ist es in den Anlagen in Isfahan gelungen, 110 Tonnen Uranhexafluorid (UF6) herzustellen, das für die Uran-Anreicherung in Gaszentrifugen benötigt wird. Die Inbetriebnahme und Zusammenschaltung von 164 Gaszentrifugen in Natanz nannte er einen „großen Erfolg.“

In den Gaszentrifugen in Natanz wird das in einer gasförmigen Verbindung (UF6) vorliegende, äußerst seltene Uran-235 vom schwereren und häufigeren Uran-238 getrennt. Durch Hintereinanderschaltung tausender Gaszentrifugen („Kaskade“) wird das für die Gewinnung von Kernenergie benötigte Uran-235 angereichert. Für ein Kernkraftwerk ist ein Anreicherungsgrad von etwa 3 Prozent nötig, für eine Atombombe von 90 Prozent.

In der Anreicherungsanlage in Natanz sollen bis Jahresende etwa 3000 Zentrifugen zum Einsatz kommen. Die tief unter der Erde liegende und mit Flugabwehrsystemen geschützte Anlage kann bis zu 50.000 Gaszentrifugen aufnehmen. Mit den modernen P-2-Zentrifugen könnte laut Experten rascher als bisher vom Iran hoch angereichertes Uran-235 produziert werden.

Saidi verwies zudem auf das Programm des Iran mit so genanntem „schweren Wasser“ (Deuteriumoxid), das Atomexperten mit besonderem Misstrauen verfolgen. In Schwerwasser-Reaktoren kann nämlich Natururan direkt in Brennelementen verwendet werden, ohne erst in komplizierten Verfahren das spaltbare Isotop Uran-235 anreichern zu müssen. Als Abfallprodukt fällt Plutonium an, das zum Bau von Atombomben verwendet werden kann – und auch meist verwendet wird.

Laut dem Vizechef der Atombehörde befindet sich der Forschungsreaktor in Arak mit einer jährlichen Produktionskapazität von 16 Tonnen „schwerem Wasser“ in der Fertigungsphase.

Darüber hinaus hatten Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO vor zwei Jahren entdeckt, dass im Iran Polonium hergestellt und damit experimentiert worden ist. Das von der polnisch-französischen Nobelpreisträgerin Marie Curie (1867-1934) im Jahre 1898 entdeckte Element kann zur Einleitung einer atomaren Kettenreaktion und damit für eine Atomexplosion verwendet werden.

Die umfangreiche atomare Forschungstätigkeit des Iran und das Bestreben, den nuklearen Brennstoffkreislauf zu beherrschen, geht mit einem ehrgeizigen Rüstungsprogramm einher. Besonders bedrohlich erscheinen dem Westen die Raketen vom Typ Shahab („Sternschnuppe“). Die iranischen „Shahab-3“-Raketen können laut US-Experten mit Atomsprengköpfen bestückt werden und auch europäische Ziele sowie Israel erreichen. Die iranischen Revolutionsgarden sollen über Waffen dieses Typs verfügen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Iran: Friedliche Absichten fraglich
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen