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Iran: 70 Nachbeben verbreiteten Angst

Nach dem schweren Erdbeben im Norden Irans mit zahlreichen Toten und 200 Verletzten hat eine Welle von Nachbeben die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.

Nach unterschiedlichen Angaben war von mindestens 35 bzw. 45 Opfern die Rede. Helfer setzten am Samstag die Bergungsarbeiten fort. Betroffene suchten teilweise mit bloßen Händen in den Trümmern ihrer Häuser nach ihren Habseligkeiten. Hinterbliebene trauerten um ihre Angehörigen. Weitere Todesopfer wurden befürchtet. Die 71 Nachbeben hinterließen ersten Berichten zufolge keine größeren Schäden.

Am Samstag stürzte ein Rettungshubschrauber ab. Mehrere Angehörige der Provinzbehörden von Kaswin, der örtliche Polizeikommandant und ein iranischer Journalist seien dabei ums Leben gekommen, berichtete das staatliche Fernsehen. Nach anderen Meldungen soll sich auch ein Provinzgouverneur unter den Opfern befinden.

Viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien. In den teils dicht besiedelten Provinzen Masandaran und Kaswin im Norden des Landes richtete das Beben nach Angaben der Nachrichtenagentur IRNA in 120 Orten Verwüstungen an. In Kaswin wurden 800 Häuser beschädigt und 200 völlig zerstört. Tausende wurden obdachlos. Sie suchten Schutz in Zelten des Roten Halbmondes.

„Wir haben das Erdbeben in Bam gesehen. Jetzt sind wir derart in Angst, dass wir in der Nacht draußen im Park geschlafen haben“, sagte ein Betroffener dem Nachrichtensender CNN. Das Beben vom Freitag hatte nach Angaben des Nationalen Erdbeben-Informationszentrums NEIC der USA mit 6,3 auf der Richterskala die selbe Stärke wie das katastrophale Beben von Bam vor rund fünf Monaten. Seismologen der Universität Teheran ermittelten die Stärke 5,5. Viele Menschen waren während der achtsekündigen Erdstöße in Panik auf die Straße gerannt.

Das Epizentrum lag zwischen der Hauptstadt Teheran und dem Kaspischen Meer bei dem Ort Baladeh. Die Nachbeben hätten die Stärke von 1,6 bis 4,4 auf der Richterskala erreicht, meldete IRNA am Samstag.

Die meisten Menschen seien auf einer Straße von Teheran ans Kaspische Meer umgekommen, als abbröckelnde Felsstücke von den Bergen auf ihre Autos stürzten. Es wird befürchtet, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden. Das Innenministerium und der Rote Halbmond wollten im Verlauf des Samstags genauere Angaben über die Zahl der Toten und das Ausmaß der Zerstörungen machen.

Der Katastrophe in der südiranischen Stadt Bam waren am 26. Dezember 2003 nach offiziellen Angaben mehr als 26.000 Menschen zum Opfer gefallen. Das Epizentrum damals lag mit rund zehn Kilometer unter der Erde weit weniger tief, als das jüngste mit rund 26 Kilometer Tiefe.

Die regelmäßigen Erdbeben in Iran rühren von der noch nicht abgeschlossenen Gebirgsbildung in der Region her. Die Iranischen Platte verschiebt sich hier gegen die Eurasische Platte im Norden und die Arabische im Süden. Nach wissenschaftlichen Prognosen könnte ein Beben der Stärke über 7 in den kommenden Jahren auch Teheran treffen und eine immense Katastrophe verursachen. Die iranische Regierung erwägt deshalb seit längerem, die Hauptstadt zu verlegen.

Auch der Nordosten Japans wurde am Samstag von einem Erdbeben der geschätzten Stärke von 5,9 auf der Richterskala erschüttert. Berichte über Schäden oder Opfer lagen jedoch zunächst nicht vor.

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