Irak: Zwölf nepalesische Geiseln getötet

Irakische Extremisten haben die zwölf entführte Nepalesen getötet. Während sich Frankreich weiter um die Freilassung der beiden entführter Journalisten bemüht, gehen die Kämpfe trotz Sadrs Aufrufs zur Waffenruhe weiter.

Auf einem am Dienstag von der islamistischen „Ansar-al-Sunna-Armee“ im Internet veröffentlichten Video war zu sehen, wie einem Mann die Kehle durchgeschnitten wurde, elf weitere wurden mit Kopfschüssen getötet. „Wir haben das Urteil Gottes gegen zwölf Nepalesen vollstreckt, die gekommen sind, um die Moslems zu bekämpfen und den Juden und Christen zu dienen“, hieß es in der Erklärung. Im Geiseldrama um die zwei entführten Franzosen sagte Jordanien Hilfe zu: Amman werde die Kontakte nutzen, die sich nach der Freilassung im Irak entführter Landsleute ergeben hätten, sagte Außenminister Marwan Muasher nach einem Treffen mit seinem französischen Kollegen Michel Barnier.

Das nepalesische Außenministerium wollte den Tod der Geiseln zunächst nicht bestätigen. Die Nepalesen waren in der Nacht zum 20. August verschleppt worden, was damals auf der Website von „Ansar-al-Sunna“ bekannt gegeben wurde. Die offenbar El Kaida nahe stehenden Extremisten warfen ihnen vor, in Verbindung mit einer nepalesischen Firma im Irak gestanden und als „Ungläubige“ die „US-Kreuzfahrertruppen“ unterstützt zu haben.

Die Entführer der beiden französischen Journalisten verlängerten ihr Ultimatum für die Rücknahme des Kopftuchverbots an staatlichen Schulen bis Dienstagabend, wie der Fernsehsender Al Jazeera berichtete. Paris werde zur Rettung der Männer alle Hebel in Bewegung setzen, sagte Kulturminister Renaud Donnedieu dem Fernsehsender LCI vor einer von Premierminister Jean-Pierre Raffarin einberufenen Krisensitzung.

Eine der Geiseln, Christian Chesnot, appellierte in einem von Al Jazeera ausgestrahlten Video an Präsident Jacques Chirac, sich den Forderungen der Kidnapper zu beugen und das Kopftuchverbot aufzuheben. Sein Kollege Georges Malbrunot rief die Franzosen auf, „auf die Straße zu gehen, weil unser Leben in Gefahr ist“. Paris hat jedoch betont, das Kopftuchverbot werde wie vorgesehen zum neuen Schuljahr in Kraft treten.

Frankreich wird sich nach den Worten von Chirac im Kopftuch-Streit durch die Todesdrohung gegen entführte Franzosen nicht erpressen lassen. Die französische Gesellschaft halte an bestimmten Werten und Gesetzen fest, sagte Chriac am Dienstag in dem russischen Badeort Sotschi. Der russische Präsident Wladimir Putin und der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder sicherten Frankreich ihre vorbehaltlose Unterstützung zu. Chirac appellierte an die Geiselnehmer im Irak, die Entführten freizulassen.

Der jordanische König Abdullah II. sagte Barnier zu, Amman werde sich für die Freilassung der Journalisten einzusetzen, wie die Nachrichtenagentur Petra berichtete. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum legten mehr als 30 Journalisten der führenden Tageszeitung Al Sahafa aus Solidarität mit den Geiseln für fünf Stunden die Arbeit nieder.

In Brüssel forderten mehr als 160 Abgeordnete des Europäischen Parlaments die Freilassung der Journalisten. Ein Vertrauter des radikalen schiitischen Predigers Muktaka al Sadr verurteilte die Geiselnahme als „unmenschlich und unmoralisch“. Auch der oberste schiitische Geistliche im Libanon, Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah, kritisierte die Entführung.

Trotz eines Aufrufs des Schiiten-Predigers Muktada al Sadr zu einer Waffenruhe gehen im Irak die Kämpfe zwischen seinen Anhängern und US-Truppen weiter. Nachdem ein Sprecher von Sadr am Vortag zur Einstellung der Kämpfe aufgerufen hatte, sagte eine amerikanische Militärsprecherin am Dienstag in Bagdad: „Es gibt kein Abkommen, es gibt keine Waffenruhe“.

Milizionäre der „Mahdi-Armee“ von lieferten sich in Kufa in der Nacht auf Dienstag Gefechte mit irakischen Sicherheitskräften. Ein Augenzeuge berichtete, Polizisten und Angehörige der Nationalgarde hätten versucht, eine Moschee zu stürmen, um nach Waffen zu suchen. Die Milizionäre hätten daraufhin das Feuer eröffnet. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Nach dem vergangene Woche von Großayatollah Ali al Sistani mit Sadr ausgehandelten Friedensabkommen dürfen sich die Milizionäre in Najaf und Kufa nicht mehr bewaffnet auf der Straße sehen lassen.

Bei einem Angriff von Aufständischen auf eine US-Patrouille in der nordirakischen Stadt Mossul wurden zwei Iraker getötet und vier weitere Menschen verletzt. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Unter den Verletzten seien drei Kinder. Die US-Soldaten hätten das Feuer eröffnet, nachdem ein Sprengsatz neben ihnen explodiert sei.

In Najaf fand der Zivilschutz seit dem Abzug der „Mahdi-Armee“ aus der Altstadt am vergangenen Freitag rund 2.000 Bomben und Minen. „Bis jetzt haben die Teams des Zivilschutzes in dem Gebiet 1.300 Landminen und 851 Bomben entschärft“, sagte ein Beamter. Sie fanden auch eine große Zahl Handfeuerwaffen. Verteidigungsminister Hasim al Shaalan sagte, es seien auch Mörser und Panzerfäuste aus iranischer Produktion entdeckt worden.

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