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Irak: Wolfowitz entgeht Attentat

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz ist am Sonntagmorgen einem Angriff auf das Rashid-Hotel in der Innenstadt von Bagdad unverletzt entgangen.

Das Hotel wurde gegen 6.10 Uhr Ortszeit (4.10 Uhr MEZ) von zahlreichen Raketen getroffen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN aus der irakischen Hauptstadt. Laut Nachrichtenagentur AFP seien sogar bis zu 29 Geschoße abgefeuert worden. Wie das US-Militär Stunden nach dem Attentat bestätigte, wurde ein Mann getötet, zirka 15 Menschen – Militärs und Zivilisten – wurden verletzt.

Wolfowitz, der sich seit Freitag zu einer dreitiägigen Visite im Irak aufhält, sah sich am Morgen bei einem kurzen Auftritt vor Journalisten in Bagdad außer Stande, für Bagdad Sicherheitsgarantien abzugeben. „Solange es da draußen Kriminelle und Terroristen gibt, solange kann man sich niemals ganz in Sicherheit wiegen“, erklärte Wolfowitz. Er würdigte die im Irak operierenden Amerikaner – Militärs wie Zivilisten – als „Helden“, ebenso jene Iraker, die mit den amerikanischen Truppen kooperieren würden. Den Angehörigen der Opfer sprach der sichtlich erschütterte Politiker seine Anteilnahme aus.

„Dieser terroristische Akt wird uns nicht davon abhalten, unsere Mission zu Ende zu führen, die darin besteht, dem irakischen Volk zu helfen, sich von jener Sorte Krimineller zu befreien … und das amerikanische Volk vor dieser Art Terrorismus zu schützen“, so Wolfowitz, der in der Administration von US-Präsident George W. Bush seit jeher als einer der entschiedenen Befürworter eines Irak-Krieges zählt.

Der Anschlag erfolgte nach Polizeiangaben mit einem ferngezündeten Raketenwerfer. Ein Kleinlastwagen habe in der Nähe des Hotels beim Tiergarten einen Anhänger abgekoppelt und sei weitergefahren, berichteten irakische Polizisten. Die Insassen des Fahrzeugs hätten dann mit einer Fernzündung den Raketenwerfer auf dem Anhänger in Gang gesetzt.

Die Raketen rissen mindestens acht Löcher in die Wand des Gebäudes, Fensterscheiben gingen in zahlreichen Zimmern zu Bruch. Der größte Schaden entstand zwischen der fünften und achten Etage des 18-geschossigen Gebäudes. US-Truppen riegelten das Gebiet um das Hotel in der Bagdader Innenstadt weiträumig ab.

Das Rashid-Hotel gehört zu einem gesicherten Gebäudekomplex am Westufer des Tigris, das von der US-geführten Verwaltung des Landes und Militärs benutzt wird. Zu dem Komplex gehören auch Paläste des ehemaligen und jetzt flüchtigen irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Die Anlage war bereits am 27. September von drei Raketen getroffen worden. Opfer und größere Schäden gab es damals nicht.

Die USA hatten wenige Stunden zuvor vor einem möglichen Anschlag auf ein von westlichen Gästen besuchtes Hotel in Bagdad gewarnt. Die US-Armee habe Hinweise darauf, dass „islamistische Extremisten“ ein Attentat auf ein Hotel im Karada-Viertel planten, warnte ein Beamter des US-Außenministeriums in Bagdad in einer Erklärung an die Amerikaner im Irak. Weder der Name des Hotels noch der mögliche Zeitpunkt des Attentats seien bekannt. Wahrscheinlich planten die islamistischen Angreifer einen Selbstmordanschlag mit einer Autobombe, hieß es.

Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai ausgerufenen Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak sind mehr als 100 US-Soldaten bei fast täglichen Anschlägen getötet worden. Die USA machen für diese Anhänger Saddams sowie radikale Moslems verantwortlich.

Aber nicht nur im Irak kommt die US-Regierung immer mehr unter Druck: Zehntausende US-Bürger gingen am Wochenende in Washington und San Francisco gegen die amerikanische Irak-Politik auf die Straße. Sie forderten ein Ende der Besatzung und eine rasche Heimkehr der dort stationierten US-Soldaten. „Werft Bush aus dem Amt“, riefen sie in Sprechchören. Auf Transparenten stand „Bush ist ein Lügner“ oder „Sorge für Arbeit und mach’ keinen Krieg“.

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