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Irak: Wieder Tote bei Anschlägen

Bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Montag nach Polizeiangaben neben dem Attentäter mindestens 13 weitere Menschen getötet worden. Weitere Personen seien verletzt worden, teilten die Behörden mit.

Weitere Personen seien verletzt worden, teilten die Behörden mit. Bei den Toten handle es sich zumeist um Rekruten der irakischen Armee. Der Täter löste der Polizei zufolge einen Sprengsatz in einem vollbesetzten Kleinbus vor dem Rekrutierungszentrum Muthanna im Westen der irakischen Hauptstadt aus. Es war bereits der neunte Anschlag auf dieses Rekrutierungsbüro. Wenige Stunden nach dem Anschlag detonierte am Straßenrand eine weitere Bombe, die gegen eine US-Patrouille gerichtet war. Dabei kamen drei Menschen ums Leben.

Ein Augenzeuge erklärte, der Attentäter habe seinen Sprengstoffgürtel in einem Shuttle-Bus gezündet, der die Bewerber zu dem Büro bringen sollte. Weitere 18 Menschen seien verletzt worden, hieß es. Neben den Rekrutierungsbüros von Polizei und Armee zählen Märkte, Pilgerstätten, Restaurants, Straßensperren der Polizei, Tankstellen und Orte, an denen Tagelöhner auf Arbeit waren, zu den bevorzugten Anschlagzielen der Terroristen.

Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki verschob unterdessen ohne Angabe von Gründen seine erste Reise in den Iran. Ein neuer Termin sei nicht angesetzt, hieß es am Montag. Das Verhältnis zwischen den beiden schiitischen Staaten hat sich nach dem Sturz des Sunniten Saddam Hussein deutlich verbessert. In der vergangenen Woche hatte das US-Militär das Kommando über die irakische Armee an das Land übergeben. Das ist nach US-Angaben ein wichtiger Schritt hin zu einem Abzug der 155.000 ausländischen Soldaten, zumeist Amerikaner, aus dem Irak.

Derweil wertete ein US-Militäroffizier einem Zeitungsbericht zufolge die Aussichten für einen Frieden in der westirakischen Provinz Anbar weiterhin als schlecht. Nach Einschätzung des Chefs der Geheimdienstabteilung der US-Marineinfanteristen im Irak könne das US-Militär kaum etwas tun, um die politische und soziale Situation in der Provinz zu verbessern, berichtete die „Washington Post“. Zudem gebe es keine funktionierende Verwaltung in der Region. Das Vakuum sei vom irakischen Arm der Extremistenorganisation Al-Kaida ausgefüllt worden. Kreisen des Militärs zufolge sei dies der erste Bericht eines hochrangigen Offiziers, der derart negativ ausfalle. Anbar grenzt an Syrien, Jordanien und Saudiarabien an. Die Provinz gehört zu den am meisten umkämpften Regionen im Irak. US-Truppen verzeichneten dort die höchsten Verluste.

Prozess gegen Hussein fortgesetzt

Nach dreiwöchiger Pause wurde am Montag der Prozess gegen den früheren irakischen Staatschef Saddam Hussein wieder aufgenommen. Eine ehemalige kurdische Kämpferin berichtete dabei am Montag als Zeugin über grausame Szenen, die sich 1987 und 1988 nach Giftgas-Bombardements im Nordirak abgespielt haben sollen. Saddam Hussein muss sich im zweiten Prozess gegen ihn zusammen mit sechs Mitangeklagten wegen der „Operation Anfal“ verantworten. Dabei wurden in den Jahren 1987 und 1988 laut Anklage bis zu 180.000 Kurden im Nordirak getötet. Bei einem Selbstmordanschlag auf Rekruten der irakischen Armee kamen im Zentrum von Bagdad mindestens 14 Menschen ums Leben.

Die ehemalige Peschmerga-Kämpferin berichtete in dem Prozess von Grausamkeiten gegen die Kurden im Nordirak. So hätten im Juni 1987 irakische Flugzeuge ein Tal in den Kurdengebieten bombardiert. Dort war die Frau nach eigenen Angaben für die Peschmerga aktiv, die sich im Iran, im Irak und in der Türkei die Schaffung eines unabhängigen Kurdistans auf die Fahnen geschrieben hatten. Sie habe gesehen, wie dutzende oder sogar hunderte Menschen durch Giftgas getötet wurden. Die Opfer hätten sich übergeben, vor Schmerzen gewunden und teils ihre Sehkraft verloren.

Saddam Hussein ergriff während der Verhandlung am Montag erneut das Wort. Der ehemalige Staatschef verteidigte in seiner Rede die irakische Flagge, die von den autonomen kurdischen Behörden nicht als nationales Symbol anerkannt wird. Nach wenigen Sätzen wurde jedoch sein Mikrofon abgeschaltet.

Saddam Hussein ist angeklagt wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Unter den Mitangeklagten ist auch der wegen seines Einsatzes von Giftgas „Chemie-Ali“ genannte Ali Hassan al-Majid. Als Generalstabschef für den Norden des Irak soll er von seinem Cousin Saddam Hussein den Auftrag bekommen haben, gegen die Kurden vorzugehen. Der Prozess war am 21. August eröffnet und zwei Tage später auf Antrag der Verteidigung vertagt worden. Im Fall einer Verurteilung droht Saddam Hussein wie in einem weiteren gegen ihn laufenden Verfahrens wegen eines Massakers an 148 Schiiten die Todesstrafe.

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