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Irak-Wahl begann mit Stimmabgabe in Australien

Als erste Stimmberechtigte bei den Wahlen zu einem Verfassung-gebenden Übergangsparlament im Irak haben am Freitag früh die in Australien lebenden Iraker ihre Stimme abgeben können.

„Ich bin stolz, bei der Wahl mitabzustimmen“, sagte Shimon Haddad, der als erster Auslands-Iraker in einem Wahlbüro im Westen Sydneys seine Stimme abgab, der australischen Nachrichtenagentur AAP.

Ab dem heutigen Freitag können Auslands-Iraker in 150 Wahlbüros in 14 Ländern ihre Stimme abgeben. Im Irak selbst wird am Sonntag gewählt. In Österreich lebende Iraker können in Deutschland wählen gehen. Die irakische Botschaft in Wien hilft mit, für die registrierten Wähler aus Österreich Busfahrten nach München zu organisieren.

Auch in Deutschland stehen die Wahlen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Fast 26.500 in der Bundesrepublik lebende Iraker haben sich in Wahllisten eintragen lassen, Wahllokale befinden sich in Berlin, München, Mannheim und Köln. Die Bundesrepublik steht damit auf Platz vier der Registrierung, teilte die zuständige Internationale Organisation für Migration (IOM) nach Ablauf der Frist mit.

Pressestimmen zu bevorstehender Wahl im Irak

Zahlreiche internationale Zeitungen schreiben am Freitag über die bevorstehenden Parlamentswahlen im Irak.

„USA Today“ (Washington):

„Diese Entwicklungen untermauern immerhin den aufgehellten, wenn auch noch bewölkten Ausblick: Die Iraker scheinen wählen zu wollen. Wenn sich einige der Umfragen bewahrheiten, werden bis zu 80 Prozent der Schiiten und Kurden den angedrohten Kugeln und Bomben trotzen, wenngleich die meisten Sunniten zu Hause bleiben werden. Eine große Wahlbeteiligung bedeutet mehr Hoffnung. (…)

Bis jetzt bestehen die Führer der Schiiten, die drei Fünftel der Iraker ausmachen, darauf, dass sie mit den Minderheiten der Sunniten und Kurden zusammenarbeiten werden. Sie haben zudem versichert, dass sie keine repressive Theokratie nach iranischem Muster anstreben. Die Kurden machen ähnliche Versprechungen. Am bemerkenswertesten ist, dass einige führende Sunniten (…) in der vergangenen Woche zum ersten Mal gesagt haben, sie wollten sich an einer Regierung beteiligen und die Zukunft des Iraks mitgestalten.

So weit so gut, denn der Machthunger oder die Rachegelüste einer einzigen Gruppe könnten die vor den Wahlen gemachten Versprechungen zunichte machen. Die größten Herausforderungen stehen noch bevor.“

„L’Humanite“ (Paris):

„Es war absehbar, dass der Krieg und die Besetzung durch die Amerikaner zu einer islamischen Radikalisierung führen würden. Was die irakische Gesellschaft spaltet, konnte nur noch verstärkt werden und dabei die Furcht vor einer Spaltung des Landes aufkommen lassen. Unter diesen Umständen werden die Wahlen zur hochriskanten Sache, zu einem Drahtseilakt zwischen den amerikanischen Versprechungen auf der einen und den kriminellen Drohungen auf der anderen Seite. Der Irak braucht Demokratie und freie Wahlen ohne Besatzer. Der amerikanische Krieg scheint dem Land jedoch nur blutbefleckte Wahlen anbieten zu können.“

„La Croix“ (Paris):

„Die Demokratisierung des Irak hätte mehr Dynamik und Legitimität, wenn sie das Ergebnis eines einmütigen Vorgehens der Nationen gewesen wäre und weder den Irak gedemütigt noch sein Volk gespalten hätte. Es ist aber zu spät, der Film dieses Krieges kann nicht nochmal gedreht werden. Es gilt nun, den Blick in die Zukunft des Irak und der ganzen Region zu richten. Ähnlich wie bei den Palästinensern könnte es durch eine heikle Wahl zu einer Aufhellung am Horizont kommen. Worauf die Amerikaner bei der Wahl am Sonntag setzen, kann man nur unterstützen – ohne Gewissheit und ohne exzessive Freude, aber auch ohne Zögern.“

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