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Irak: Video zeigt letzten Hilferuf

Der im Irak ermordete Brite Kenneth Bigley hat unmittelbar vor seiner Enthauptung nochmals in einer Videobotschaft an Premierminister Tony Blair appelliert, den Forderungen der Geiselnehmer nachzukommen.

Das am Sonntag im Internet veröffentlichte vierminütige Video zeigt die verzweifelte 62-jährige Geisel auf dem Boden sitzend vor einigen maskierten Extremisten. „Hier bin ich wieder Mr. Blair, sehr, sehr dicht am Ende meines Lebens: Sie haben offenbar nichts getan, um mein Leben zu retten“, sagte Bigley auf dem Band, das auf islamistischen Webseiten verbreitet wurde.

„Der Geduldsfaden dieser Leute ist sehr, sehr dünn und sie meinen es sehr ernst. Bitte geben Sie ihnen, was sie fordern, die Freilassung aller Frauen im Gefängnis Abu Ghraib“, fügte er flehend hinzu. An seine Landsleute gewandt sagte er: „Mehr denn je brauche ich Eure Hilfe. Geht auf die Straße und fordert bessere Lebensbedingungen für die Frauen in Abu Ghraib.“

Bigley war Mitte September gemeinsam mit zwei US-Amerikanern im Irak von der radikalen Moslem-Gruppe des Al-Kaida-Verbündeten Abu Mussab al-Sarkaui entführt worden. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung aller Irakerinnen aus den US-Gefängnissen des Landes. Am Donnerstag enthaupteten sie Bigley in einer Ortschaft südwestlich von Bagdad, nachdem sie die zwei US-Amerikaner bereits vor Wochen ermordet hatten. Der US-Armee zufolge sitzen in ihren Haftanstalten im Irak nur zwei Frauen ein, die im Zusammenhang mit dem Programm für Massenvernichtungswaffen des gestürzten Machthabers Saddam Hussein festgenommen wurden.

Das Video zeigt auch die Gräuel selbst: Nach der Enthauptung nehmen die Extremisten den Kopf des Briten und halten ihn über die verstümmelte Leiche. Zu Beginn der Videobotschaft mit dem Titel „Die Ermordung der britischen Geisel, der weder von Blair noch vom britischen Volk geholfen wurde, obwohl sie genug Zeit bekommen haben“ verlesen die Geiselnehmer eine Erklärung. Ein Extremist kündigte an, weitere „Ungläubige“ töten zu wollen, bis die weiblichen Häftlinge frei kämen.

Blair steht wegen seiner Irak-Politik unter massivem innenpolitischem Druck. Jeder dritte Brite verlangt einer Umfrage zufolge mittlerweile seinen Rücktritt. Die Regierung hatte Verhandlungen mit den Geiselnehmern stets abgelehnt, stand aber nach eigenen Angaben wenige Tage vor Bigleys Tod in Kontakt mit ihnen.

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