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Irak: US-Truppen greifen in Najaf an

Die USA sind in Najaf zum Angriff übergegangen: In schweren Gefechten wurden Kämpfer des radikalen Geistlichen Muktada el Sadr aus dem Sitz des Gouverneurs vertrieben.

Nach Militärangaben wurden dabei etwa 40 schiitische Kämpfer getötet. Zivilverwalter Paul Bremer ernannte einen neuen Gouverneur für die schiitische Stadt. Adnan el Surufi sollte unverzüglich seine Amtsgeschäfte aufnehmen. Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad wurden sechs Menschen, darunter ein US-Soldat, getötet.

Auch nach der Einnahme des Gouverneurssitzes dauerte der schwere Gefechtslärm in Najaf an. El Sadrs Miliz kontrollierte die Stadt seit ihrer Rebellion am 4. April. Insgesamt wurden nach US-Angaben bei Kämpfen mit der Miliz el Sadrs seit Mittwoch etwa 76 Gefolgsleute des Schiitenführers getötet, darunter auch elf Kämpfer in Kerbela, einer weiteren heiligen Stadt der Schiiten.

Bremer griff in einer Ansprache die Milizen El Sadrs, die Anfang April die Schreine und die wichtigsten Amtsgebäude in Najaf unter ihre Kontrolle gebracht hatte, scharf an. Bei ihnen handle es sich um „gesetzlose Gruppen“, die ihre Mitbürger terrorisierten, mit Waffengewalt öffentliches Eigentum besetzt hätten und „mit der Schaffung eigener Gerichte und Gefängnisse außerhalb jeder Rechtsstaatlichkeit agieren“.

El Sadr wird vom US-Militär steckbrieflich gesucht. Er hält sich in dem zehn Kilometer von Najaf entfernten Kufa verschanzt. Seine Miliz, die so genannte Mahdi-Armee, hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach Gefechte mit US-Truppen in Kufa, Najaf und Kerbela geliefert. Die militanten Schiiten griffen außerdem regelmäßig mit Mörsern die US-Basen und die Lager der verbündeten bulgarischen und polnischen Truppen in der Region an.

Kerbela und Najaf sind die heiligsten Stätten der Schiiten nach Mekka und Medina. In Najaf befindet sich das Grabmal des Kalifen Ali, des Schwiegersohnes des Propheten Mohammed, auf den die schiitische Glaubensrichtung im Islam ihre Entstehung zurückführt. In Kerbela ist Hussein, der Sohn Alis und Enkel Mohammeds, begraben.

Der Selbstmordanschlag in Bagdad wurde nahe der so genannten Grünen Zone verübt, in der sich das US-Hauptquartier befindet. Der dabei getötete US-Soldat war bereits das 21. Todesopfer der Streitkräfte in diesem Monat. In der Nacht, kurz vor Mitternacht, wurden nach US-Militärangaben zwei US-Soldaten bei einer Explosion an einem Kontrollpunkt in Bagdad getötet.

Einen Tag nach dem Ausdruck öffentlichen Bedauerns von US-Präsident George W. Bush über Gefangenenmisshandlungen in arabischen Fernsehsendern wurde der Irak von zahlreichen Anschlägen erschüttert; an mehreren Orten gab es Kämpfe. In der Stadt Kufa erschossen US-Soldaten fünf Iraker, die Waffen aus einem Lieferwagen luden, wie Militärsprecher Mark Kimmitt sagte. In Kirkuk wurden nach Polizeiangaben der Leiter der örtlichen Landwirtschaftsbehörde und sein Fahrer getötet. Sechs weitere Personen wurden bei zwei Bombenanschlägen im Zentrum von Bagdad und vor dem Büro der kurdischen Partei PUK in Bakuba verwundet.

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) waren die USA schon seit Monaten über Misshandlungen irakischer Häftlinge informiert. „Wir wussten, was dort passierte, und auf Grund unserer Erkenntnisse haben wir die US-Behörden mehrfach aufgefordert, Korrekturen einzuleiten“, sagte IKRK-Sprecherin Nada Dumani in Amman. Bereits seit 2003 habe das IKRK das Gefängnis Abu Ghraib besucht und mit Häftlingen gesprochen. Nach einem Besuch im Oktober sei ein umfassender Bericht an US-Behörden gegangen. Wegen der Misshandlungsvorwürfe muss sich US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am (morgigen) Freitag den Fragen des Streitkräfteausschusses des Senats stellen.

Der arabische Fernsehsender Al Arabiya veröffentlichte Aufnahmen eines offenbar im Irak entführten Mitarbeiters der USA. Auf dem Band war ein Mann mit verbundenen Augen zu sehen, der auf Englisch muslimische Organisationen um Hilfe rief. Er stellte sich als Aban Elias vor und erklärte, er habe als irakischer Ingenieur für das US-Verteidigungsministerium gearbeitet. Laut einer Erklärung der Kidnapper, einer bisher unbekannten Gruppierung, wurde er am 3. Mai entführt.

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